Ihr sagt , meine wackre Mutter weiß . Aber Ihr vergeßt , daß der ehrsame Herr , so oft er Abends das Haus verläßt , die Thüre sperrt . Wie wird es möglich seyn , zu entweichen , wenn es auch geschehen könnte , daß keine Magd und kein Knecht Euch sähe ? « - » Welch ein Hinderniß ! « klagte Margarethe : » und heute , gerade heute muß ich fort ! Sinne nach , kluge Dirne , sinne nach , und hilf . Schon steigt der neue Mond herauf am Himmel ; wir haben nicht lange Zeit zu verlieren , denn weit ist der Weg , den ich unternehme . « - » Es wird mir schauerlich zu Muthe , « erwiederte Else , » hör ' ich Euch also sprechen . Ihr werdet doch nicht zu einer Hexenfrau gehen , um Euch die Zukunft deuten zu lassen durch verbotnen Zauber ? Gute Frau , ... das thut nimmer gut , nicht hier , nicht jenseits über den Himmeln . « - » Schwätzerin ! « schalt Margarethe halb scherzhaft , ihr auf die Wange klopfend : » Vergissest Du , daß Deine Mutter um die Sache wissen wird , und daß sie eine allzufromme Christin ist , um sich mit Hexenwerken einzulassen ? Sey ruhig , und öffne mir einen Weg aus dem Hause . Höre aber vorerst , was das Geräusch bedeutet , das ich in den Gängen vernehme . « - Die Zofe ging hinaus , um nach dem Willen der Gebieterin zu thun . Der kleine Johannes näherte sich aber der in Trübsinn versinkenden Frau ; faltete nochmals seine Händchen , und sprach : » Lieb Mütterlein ! Du kommst doch wieder ? Du lässest mich doch nicht allein bei dem finstern Manne , der uns nicht mehr sehen nicht mehr hören will ? « - » Ich komme wieder , Johannes ! « versicherte Margarethe , seine Hand streichelnd : » und wenn ich auch nicht wieder käme , so verzage nicht . Du bist ja ein unschuldig Kind . Dir werden sie nichts zu Leide zu thun . « - » Ach , dem kleinen Hans ist schon viel zu Leide gethan worden , « - klagte der Knabe : » die schwarze Mutter hat ihn viel geschlagen , und endlich gar verlassen . Und Du bist so eine freundliche Mutter , und wolltest auch von mir gehen ? « - » Ei , Hans ; « zürnte Margarethe leise : » Wie magst Du denn schon wieder an Deine Träume denken ? Geträumt hat Dir von der schwarzen Mutter ... nichts weiter . Wie kömmt es denn , daß Du wieder an die Tollheiten kömmst ? « - » Seit heute Nachmittag , lieb Mütterlein ; « erklärte der Bube gesprächlicher : » Es muß am Ende doch wahr seyn , was ich geträumt habe . Else hat mich hinausgeführt auf die Gassen unter die andern Buben , und wir haben gespielt . Und da ich müde würde , und Else sich vor einem großen schönen Hause mit mir hinsetzte , mir das Hütlein abnahm , und den Schweiß abtrocknete , - ja , da hab ' ich den Mann gesehen , der mich gefunden hat , da meine schwarze Mutter von mir gegangen war , und es ist just so vor mir gestanden , Alles , wie damals , als es mir geträumt hat , wie Du sagst . « - » Welchen Mann ? « fragte Margarethe mit pochendem Herzen . - Der Knabe besann sich ein wenig ; dann versetzte er : » ich habe bei ihm geschlafen , ... ganz gewiß , ... und bin auf seinem Knie geritten ; ... ach Mütterlein ! welch ein großer Schnauzbart ; und den hat er noch . « - Ei , wo sahst Du ihn denn , Hans ? - » Am Fenster stand er , « fuhr der Bube fort , » und ein schwarzer großer Herr neben ihm , und sie sahen mich auch lange an ; der Mann hätte gewiß mit mir geredet , wenn er nicht im Hause gewesen wäre , und ich auf der Gasse . « - » Gewiß , « versetzte Margarethe , leichter athmend : » daß er aber nicht zu Dir heraus kam , sey Dir ein Beweis , daß es doch nichts war , als ein Traum , was Du Dir einbildest ; ein Traum , von dem zu reden ich Dir ernstlicher verbiete als jemals ; hörst Du ? Wenn Du haben willst , daß ich nicht mehr zurück komme , so magst Du thun , was ich verboten habe . « - » O , mein Mütterlein ! « antwortete schmeichelnd der Bube : » Wieder kommen ! nichts sagen , - gewiß nicht , herziges Mütterlein . « - Da trat Else wieder in die Stube . - » Ersame Frau , « sprach sie , auf den Zehen heranschleichend : » es ist , als ob ein Zauber Euern Ausgang begünstigen wollte : wir haben Besuch bekommen ; der Bruder des Herrn , der Prälat aus Wälschland ist so eben im Hause eingekehrt , mit einem gar holdseligen Fräulein , das wohl seine Haushälterin oder eine Verwandte seyn mag . Der Herr Schöff ist überrascht auf seiner Stube ihnen entgegen gegangen , und hat die Gäste bewillkommt , und in den großen Gaden geführt . Darauf hat er dem Eitel befohlen , spanischen Wein heraufzubringen , und ein Nachtmahl anzuordnen , wie es in der Eile sich würde thun lassen . Das Gesinde ist in Küche und Keller beschäftigt , die Thüre ist offen , das Glück und die Nacht sind Euch günstig , wenn Ihr ferner bei Eurem Vornehmen beharrt . « - » Ob ich dabei beharre ? « fragte Margarethe lebhaft : » Hartnäckiger denn zuvor . Den Prälaten , welcher Wallraden liebt , wie seinen Augapfel will ich nicht eher