, das geh ' unmöglich an eine Prinzessin und ein kranker Jüngling - und gar eine ridiküle Geister-Rolle u.s.w. , und der eigne Vater seh ' es ja schon ein . Schoppe wurde darüber ein aufspringendes Sturmfaß und ließ wenig Flüche und Bilder liegen , die er nicht gebrauchte über den menschenmörderischen Widersinn der Hof- und Weiber-Dezenz - sagte , diese sei so schön gebildet und so blutig quälend wie eine griechische Furie - sie binde an Menschen wie Köchinnen an Gänsen die Hals-Wunde nur nach dem Verbluten zu , damit sich die Federn nicht befleckten - und er sei so gut ein Courtisan , schloß er zweideutig , als Augusti und kenne Dezenz ; » auch der Fürstin , die ihn doch so gern hat , darf ichs nicht vortragen ? « Augusti sagte : » Der Fall ist nicht verschieden . « - » Juliennen auch nicht ? « - » Auch nicht « , sagt ' er . - » Auch dem so satanischen Satan nicht ? « - » Ein guter Engel ist doch dazwischen , « ( versetzte Augusti ) » den Sie wenigstens schicklicher als Vorbitter brauchen können , weil er dem Vliesritter von Cesara Verbindlichkeiten schuldig ist - die Gräfin von Romeiro . « - » O , warum nicht gar ? « sagte Schoppe betroffen . Der Lektor - unter die niemals eigenhändigen Menschen gehörig , die alles gern durch die dritte , sechste , fernste Hand nach einer der Fingersetzung ähnlichen Hände-Setzung tun - legte seine Bereitwilligkeit , ihn bei Linda einzuführen , und ihr Vermögen , in dieser » epinösen Affäre « zu wirken , dem Nachdenker näher vor . Schoppe fuhr ungemein hin und her - schüttelte oftmals heftig den Kopf und stockte doch plötzlich - flog und schüttelte noch heftiger - sah mit scharfer Frage den Lektor an - endlich stand er fest - schlug mit beiden Armen nieder und sagte : » Der Donner und das Wetter hole die Welt ! Nun gut , es sei ! Ich will vor sie - - Himmel , warum bin ich denn Ihnen sozusagen so lächerlich , jetzt gerade , mein ' ich ? « - Gleichwohl hatte der höfliche Lektor das Lächeln der Lippen nur in das Lächeln der Augen versetzt . Auf Schoppes Gesicht stand die Wärme und Eile des Selbst-Siegers . Wie Menschen zugleich harthörig unter dem gemeinen Lebens-Getöse sein können und doch den feinsten musikalischen Lauten offen167 : so waren Schoppens innere Ohren verhärtet gegen das Volks-Gepolter des allgemeinen Treibens , aber durstig zogen sie alle weiche , leise Melodien der heiligern Seelen ein . Der Lektor - den Grafen weit herzlicher liebend als dieser ihn - nahm stürmisch den Bibliothekar sogleich mit fort ins Schloß , in weil eben jetzt die recht-erlesene Hof-Ferien-Stunde sei , von 4 1 / 2 bis 5 1 / 2 Schoppe sagte , er sei dabei . Im Schloß befahl Augusti einem Diener , der ihn verstand , Schoppen ins Spiegelzimmer zu führen . Er tats ; brachte Lichter nach ; und Schoppe ging langsam mit seinem verdrüßlichen Gefolge stummer flinker Spiegel-Urang-utangs auf und nieder , seiner Rolle und Zukunft nach rechnend . Seltsam fühlt ' er sich jetzt betroffen von seinem jungen , frischen Gefühl der bisherigen Freiheit , die er eben suspendierte ; er erkannte sie an , hielt sie fest , sah sie an , sprach ihr zu : gehe nur ein wenig fort , rette ihn und dann komme wieder ! Seine eigne Vervielfältigung ekelte ihn : » Müsset ihr mich stören , ihr Ichs ? « sagt ' er , und er legte sichs nun vor , wie er stehe vor der reichsten , hellesten Minute und feinsten Goldwaage seines Daseins , wie ein Grab und ein großes Leben liege auf dieser Waage , und wie sein Ich ihm schwinden müsse wie die nachgemachten gläsernen Ichs umher . - - - Plötzlich flog ihn eine Freude an , nicht über den Wert seines Entschlusses , sondern über die Gelegenheit dazu . Endlich gingen nahe Türen auf und dann die nächste . - Da trat mit noch halb zurückgewandtem Kopfe eine große Gestalt herein , ganz in lange schwarze Seide eingehüllt . Wie ein entzückter Mond auf hohen Laubgipfeln , stand auf der seidnen dunkeln Wolke ein üppig-blühender schmuckloser Kopf voll Leben vor ihm , mit schwarzen Augen voll Blitze , mit dunkeln Rosen auf dem blendenden Gesicht und mit einer thronenden Schnee-Stirn unter dem braunen Locken-Überhang . - Schoppen war , da sie ihn ansah , als liege sein Leben im vollen Sonnenschein , und er fühlte ängstlich , daß er sehr nahe an der Königin der Seelen stehe . » Herr v. Augusti « ( fing sie ernst an ) » hat mir gesagt , daß Sie eine Bitte für Ihren kranken Freund in meine Hände geben wollen . Sagen Sie mir solche klar und frei , ich werde Ihnen gern und bestimmt und offen antworten . « Alle Rollen-Erinnerungen waren in ihm zu Boden gesunken und aufgelöst ; aber der große Schutzgeist , der unsichtbar neben seinem Leben flog , stürzte sich mit feurigen Flügeln in sein Herz , und begeistert antwortete er : » Auch ich ! - Mein Albano ist tödlich krank - er ist im Fieber seit gestern abends - er liebte das verstorbene Fräulein Liane - er ist auf die Greifgeier-Schwinge des Fiebers gebunden und wird hin-und hergerissen - er stürzt bei jedem Glocken-Ausklang auf die Knie und betet , dicht an der Glutseite der Phantasie liegend , immer heißer ; erscheine mir und gib mir Frieden - er steht aufrecht und angekleidet auf dem hohen Scheiterhaufen der phantastischen Kreis-Flammen und lechzet und brät und dorret sehr aus und krümmt sich nieder , wie ich wohl sehe ..... « » O , finissez donc ! « ( sagte die Gräfin , welche den Venus-Kopf schaudernd zurückgebogen und langsam geschüttelt hatte ) » Fürchterlich ! - Ihre Bitte ! «