Manitou zu seinen Kindern . Ich bin ein indianischer Medicinmann , Obgleich nur ein Gefangener der Blackfeet , besitze ich doch großen Einfluß unter ihnen . Die Blackfeet glauben an meine Worte , und ich glaube an die Prophezeihung der Wahnsinnigen . Die Tochter ihres Vaters , ja ja , mein Sohn , sie folgt Dir zum Altar , an ihrer Seite findest Du der Lieb ? Glück – der Liebe wahres Glück – Hahaha ! ohne daß ein heimtückischer Pfaffe es zu zerstören vermöchte ! « » Besinnen Sie sich , besinnen Sie sich , lieber Freund ! « bat ich jetzt dringend , » Sie haben so lange nicht mit Weißen verkehrt , daß es Ihnen fremd oder vielmehr nur unbequem geworden ist , deren Anschauungen sogleich aufzufassen . Mein Manuscript hat keinen guten Einfluß auf Ihre Gemüthsstimmung ausgeübt . Aber ich beschwöre Sie , bei Allem , was Ihnen , was mir heilig , kämpfen Sie Ihre Aufregung nieder , ordnen Sie Ihre Gedanken und versuchen Sie ein Mittel zu ergründen , durch welches wenigstens Ihre Tochter dem ihr drohenden entsetzlichen Geschick entrissen wird . Bedenken Sie , Ihre von der Natur so reich bevorzugte und so viel versprechende Tochter , und die Sklavin eines grausamen , eingeborenen Kriegers ! Vergessen Sie , was Sie gelesen haben , vergessen Sie die Prophezeihung , denn diejenige , auf welche ich dieselbe einst glaubte beziehen zu dürfen , ruht bereits seit vielen Jahren im Grabe ! « » Vergessen soll ich , mein Sohn ? « fragte der Medicinmann , mich traurig anblickend und seine kalte Hand auf meine Stirne legend ; » nein , ich vergesse Nichte . Aber vergegenwärtigen will ich mir Alles , was der Vergangenheit bereits anheimgefallen war . Dein Manuscript hat mich aus meiner Betäubung geweckt , hat mich zuerst auf die Spur meiner Jeannette geführt , und sie und Du , Ihr sollt Beide gerettet werden – doch warte – die Prophezeihung – ich muß mich besinnen , muß , wie Du sagst , meine Gedanken ordnen , muß Licht in meine Vergangenheit bringen . « So sprechend schlang er seine Arme um seine emporgezogenen Kniee und als ob er aus dem Feuerschein etwas herauszulesen vermocht hätte , starrte er regungslos in die kleinen , lustig emporzüngelnden Flammen . 12. Capitel . Die Töchter des Medicinmannes Zwölftes Capitel . Die Töchter des Medicinmannes . Wohl zehn Minuten verharrte der Medicinmann in seiner nachdenkenden Stellung . Während dieser ganzen Zeit beobachtete ich ihn mit all der Spannung , welche sich von der Hoffnung , daß durch sein Einschreiten vielleicht Schanhatta ' s und mein Geschick eine günstigere Wendung erhalten werde , nur immer erwarten ließ . Ich entdeckte , was mich indessen , nachdem ich in ihm einen Weihen erkannt hatte , nicht weiter befremdete , daß seine Augen blau waren und sein greisenhaftes Aussehen weniger der Last der Jahre , als erduldeten schweren Seelenleiden zugeschrieben werden dürfe . Vergebens suchte ich dagegen aus seinen Zügen das herauszulesen , was in seinem Innern vorging . Die dicke Lage blauer und rother Farbe mochte mit dazu beitragen , seine Physiognomie undurchdringlicher erscheinen zu lassen , doch glaubte ich zu bemerken , daß seine Augen einen immer milderen und wehmütigeren Ausdruck erhielten , während seine Brust , wie vor unterdrücktem Schmerz , sich zeitweise mächtig hob und senkte . Plötzlich wendete er sich mir wieder zu , und nach dem er mit beiden Händen leicht über seine Augen hingefahren , wie um eine peinigende Vision zu verscheuchen , legte er seine rechte Hand auf meine gefesselten Arme . » Haben Sie Geduld , « begann er ruhig und ernst , und weit entfernt von jenem krankhaften Pathos , welchen er kurz vorher noch in feine Worte gelegt hatte , » ich werde im entscheidenden Augenblick Ihre Banden lösen ; ich werbe Sie und meine Tochter retten , oder vereinigt mit Euch untergehen . Und nun hören sie mir aufmerksam zu , Sie werden Wunderbares erfahren . Doch eh ' ich beginne , wiederhole ich noch einmal : jene Weissagung erfüllt sich , und sie soll sich erfüllen . « » Da der Oberstlieutenant Werker Ihnen die Geschichte seines unglücklichen Bruders mitgetheilt hat , da Sie selbst diese Geschichte niedergeschrieben haben , so brauche ich nicht mehr darauf zurückzukommen . Es ist mir um so lieber ; ich hatte bereits Alles , Alles vergessen ; erst durch Ihr Manuscript ist mir die klare Erinnerung an eine schreckliche Vergangenheit wiedergegeben worden . – Wissen Sie , was aus jenem , um sein Lebensglück schändlich betrogenen Hans Werker geworden ist ? « Ich starrte den Frager verwundert an ; klangen mir die bekannten Namen aus dem Munde eines Fremden seltsam , so überraschte mich diese Frage in noch höherem Grade . » Er soll sich das Leben genommen haben , und zwar auf eine Weise , daß seine Familie der Makel : die Angehörigen eines Selbstmörders zu sein , nicht , wenigstens nicht erwiesener Maßen , treffen konnte , « antwortete ich endlich zögernd . » Das war es , was er bezweckte , « entgegnete der Medicinmann düster , » bei Derjenigen , die im Bunde mit einem Jesuiten , ihn schmählich hintergangen hatte , konnte , durfte er nicht länger leben ; schon seines armen unschuldigen Kindes wegen durfte er es nicht . – Er entsteh ; um aber einen tiefen , unauslöschlichen Eindruck auf das Gemüth seiner ungetreuen Gattin zurückzulassen , und dadurch die Zukunft seines holden Kindes gegen die Willkür fremder gewissenloser Menschen hinfort sicher zu stellen , entfloh er so heimlich und nach solchen Vorkehrungen , daß Niemand einen Zweifel in sein durch einen Selbstmord herbeigeführtes Ende setzte . Er entfloh , doch nicht eher verließ er den europäischen Boden , als bis er sich überzeugt hatte , daß sein Zweck gelungen war , seine letzte Hoffnung sich erfüllte . « » Die pflichtvergessene Gattin bereute , das Kind wurde dem Einfluß der fluchwürdigen