Gärtlein umzogene Frauenhaus , der armen Töchter süße Herberg , in der die Stadt auf ihre Kosten ein heiteres Nachtfest bestellt hatte . Dem lärmenden Häuflein war die verhüllte Magd bis zum Latron nachgegangen . Als sie den Mann mit dem schwarzen Ratsherrenmantel im Gärtlein des Frauenhauses verschwinden sah , lief sie schnell durch die stillen Gassen zurück . Das Rauschen der Donau schwamm in der kühlen , sternhellen Herbstnacht . Aus der Richtung des Ostentores klang ruhelos ein dumpfes Summen . Und vom Tiergarten dröhnten die Orgeltöne brünstiger Hirsche . Auf dem Wadmarkt , in einem Zelte vor dem Haus der Maller , wurde ein Schläfer geweckt , der in den Kleidern auf den Pferdedecken lag . » Komm ! « flüsterte der Hämischer , der ihn aufgerüttelt hatte . Eine ruhige Stimme : » Was ist denn ? « » Komm nur ! « Als Malimmes vor das Zelt hinaustrat , wurde ihm rasch eine dicke Binde um die Augen geknüpft . » So so ? « Er lachte ein bißchen . » Jetzt weiß ich nit , holt mich der Henker , oder ist was anderes los ? « Eine linde Hand umfaßte seine knöcherne Faust . Er sagte verdrießlich : » Höia , jetzt weiß ich , wie ich dran bin . Die Menschen leben in harter Zeit . Da muß man so einer armen Seel einen Spaß vergönnen . « Es ging sehr flink durch die stillen Gassen . Neben dem festen Schritt des Söldners rauschte immer das Kleid der Magd . 11 Malimmes , noch immer mit der Binde um die Augen , spürte einen zarten Duft von Rosenwasser , Lavendel und reifen Birnen . » Teufel , da schmeckt ' s aber fein . Beim Hallturm hat ' s übler gerochen . « Ein leises Kichern . Er hob den Kopf . » Ui , jetzt bin ich angeschmiert . Ich hab gemeint , man holt mich zu einer . Da kudern viere . Und eine steht hinter mir , die sich nit zu mucksen traut . « » Deine Sinne sind scharf ! « sagte ein leises , heiteres Stimmchen . » Wer bist du ? « » Kluge Frauen fragen nit , was sie schon wissen . Warum die Zeit vergeuden ? « Wieder das vierstimmige Kichern . Und das heitere , leise Stimmchen : » Bist du jener Malimmes , der schreien kann wie ein Elefant ? « » Soll ich ' s tun , Frau ? « Ein erschrockenes Nein . Dann die flüsternde Frage : » Bist du jener Malimmes , der siebenmal hängen mußte und siebenmal wieder auferstand ? « » Siebenmal ? Ganz sicher weiß ich ' s nit . Kann auch bloß sechsmal sein . Oder der Hänfene des Fischbauren vom Hintersee müßt gelten als voll ! « Seine Stimme wurde ernst . » Nachher wird ' s wohl so sein , daß jetzt der achte kommt , der gefährlich ist . « Er streckte sich . » So in der Finsternis , das taugt mir nit . Ich muß Licht haben . Frau , ich bin ein Verläßlicher . Ich red nit aus , was ich seh . « Er nahm die Binde herunter und warf sie fort . Die Magd , die ihn hergeführt hatte , hob das Tuch vom Teppich und verschwand . Eine große , schöne , matt beleuchtete Stube mit kunstvoll geschnitzem Getäfel , mit wertvollen Bildern auf Goldgrund , mit dem Gefunkel silberner Geräte . Gegen die Gasse lag ein mächtiges Fenster , in dessen bunten Scheiben die Wappen des Bayerlandes einen aufrechten , mit der Tatze schlagenden Löwen umgaben . Eine offene Türe führte zu einer Kammer , in der eine farbige Helle war . Ein leerer Sessel vor einem kleinen Tisch , auf dem eine Platte mit Früchten , ein schwerer Krug und fünf zierliche Becher standen . Hinter dem Tisch eine geschnitzte Bank mit roten Polstern . Da saßen vier junge schmucke Weiblein , alle gleich gekleidet wie die Dienerinnen einer fürstlichen Frau . Jede von ihnen hatte um den Kopf einen rötlichen Schleierbund , der die Stirn , die Augen und auch das halbe Naschen bedeckte . Malimmes guckte rasch über die vier Frauen hin , und forschend blieb sein Blick an der einen haften , die zierlicher war als die anderen ; sie hatte ein rosiges , heiteres Mädchengesicht ; doch die schweren , schwarzen Locken , die wie zwei starre Wände über die nackten Schultern bis zu den halb entblößten Brüsten herunterhingen , machten das kleingesichtige Köpfchen ein bißchen unförmig . Und immer betrachtete sie den Malimmes , immer lächelte sie ; er schien ihr zu gefallen . Der lange Söldner tat einen schwülen Atemzug ; dann sagte er ruhig : » Da sieht man so viel schöne Sachen , daß man gar nimmer weiß , wo man hinschauen muß . « Er sah die Platte mit den Früchten an . » Das tät mir taugen . Am Abend bin ich nit zum Speisen gekommen . Da hab ich nötige Sachen erledigen müssen . Jetzt hungert mich . Darf ich zugreifen ? « Die mit den schwarzen Locken sagte : » Alles darfst du ! « Die drei anderen kicherten . » Das wär ein lützel zu viel . Man muß genügsam nach dem Besten greifen . « Er nahm die schönste Birne von der Platte , ließ sich auf den Sessel nieder und biß in die Frucht . Sie schmeckte ihm , und während er wortlos schmauste , guckte er ein bißchen spöttisch die vier jungen Frauen an . Auch gab er sich Mühe , nett und reinlich zu essen . Bevor er nach einer neuen Birne griff , säuberte er an seinem braunen Langhaar die Finger . Mit vorgestreckten Hälsen sahen ihm die munteren Weibchen in wunderlicher Neugier zu . Immer hatten sie über ihn zu lachen . Halb war ' s ein Auslachen , halb ein Gekicher des Wohlgefallens .