allen Seiten Boten , Abgesandte und Deputationen bei uns , um Dank und Anerkennung auszusprechen und , was besonders Freude machte , den Beitritt ganzer Ortschaften oder Korporationen zu melden . Diese Besuche und Audienzen nahmen mehrere Stunden in Anspruch , so daß wir viel später zum Essen kamen , als es bestellt worden war . Für die Anmeldung Einzelner oder kleinerer Trupps zur » Shen « war unten im Parterre ein besonderes Bureau angelegt worden . Da wurde ein Jeder eingeschrieben und erhielt dann als Erkennungszeichen eine Arekanuß mit dem betreffenden , eingegrabenen Worte . Schon am Nachmittage gab es in ganz Shen-Fu keinen Menschen mehr , der nicht durch eine irgendwie geformte Betelnuß bewies , daß er ein Kind der » Menschlichkeit « , ein Glied der großen , edlen » Shen « geworden sei . Der » Shen-Ta-Shi « , der große Tag der » Shen « , fiel auf heut ; damit ist aber nicht gesagt , daß dieses Fest mit heut zu Ende gehen sollte . O nein ! Heut war der Anbeginn ; es dauerte mehrere Tage , und das Ende konnte erst dann ersehen werden , wenn die vielen , auf den Plan gesetzten , wichtigen Berichte und Verhandlungen vorüber waren . Die Auslandsreise unsers Fu hatte große , wenn auch noch nicht besprechbare Erfolge gehabt . Man war aufmerksam geworden . Man hatte sich vorgenommen , zu beachten , zu studieren . Da galt es , deutlicher zu werden , bestimmter aufzutreten , das bisherige Feld zu erweitern , den Ahnungslosen die Augen zu öffnen , Jahrtausend alte Vorurteile zu beleuchten und die guten Regungen der Gegenwart mit allem Nachdruck zu unterstützen . Kurz , es lag eine Arbeit vor , die hohe Kraft erforderte , aber auch einen Segen verhieß , der gar nicht zu ermessen war . Wenn ich so still dasaß und zuhörte , stieg das Bild der » Shen « immer größer , immer höher , immer edler , schöner und mächtiger in mir auf . Ich kam mir so klein vor , obgleich ich hier so deutlich sah , was selbst der Kleinste zu wirken vermag , wenn er für Großes sich begeistert ! Zum endlich beginnenden Festmahle waren alle die Personen geladen , welche man im Abendlande als die » Spitzen der Gesellschaft « von Shen-Fu bezeichnen würde . Wir hatten kaum zu essen begonnen , so drängte sich Jemand herein , der sich von der draußen stehenden Dienerschaft nicht zurückweisen ließ , sondern sie zur Seite schob . Das war Robert Waller , genannt Dilke ! Im folgten auf dem Fuße fünf oder sechs Chinesen , welche Blasinstrumente in den Händen hatten . Er befand sich offenbar in großer Erregung . Sein Gesicht war wie verstört ; sein Anzug hatte gelitten . Er trat mehrere Schritte vor und fragte , sich an uns alle wendend : » Ich suche den Mandarinen erster Klasse und Ritter der gelben Flagge Ki Ti Weng . Welcher von Euch ist dieser Mann ? « » Ich bin es , « antwortete Fu sofort , fügte aber in strengem Tone hinzu : » Wer wagt es , mich hier zu stören , ohne zu mir befohlen worden zu sein ? ! « Dilke hatte chinesisch gefragt und die Antwort also auch in dieser Sprache erhalten . Er behielt sie bei , während er weiter redete . Er sprach nicht fließend , aber deutlich , nicht richtig , aber verständlich , und wendete den nicht sehr großen Wortschatz , den er besaß , nach den Regeln seiner heimatlichen Grammatik an . Also , um ihn ganz begreifen zu können , mußte man der englischen Sprache mächtig sein . Er richtete sich bei den Worten Fu ' s hoch und stolz auf und antwortete : » Wagen ? Ich bin ein Mann Gottes , ein christlicher Missionar ! Für mich kann es also nie ein Wagnis geben ! Ich bin gekommen , Euch selig zu machen , indem ich Euch von Eurem Heidentum und seinen Götzentempeln befreie . Ich habe Euch zu belehren , mit Euch zu sprechen , zu Euch zu reden und zu predigen . Aber diese Eure Musikanten lassen mich nie zu Worte kommen . Wohin ich nur gehe , da gehen sie mit , durch die ganze Stadt , durch alle Gassen . Und wo ich nur stehen bleibe , da bleiben sie auch . Und sobald ich den Mund öffne , um zu sprechen , übertäuben sie mich mit dem höllischen Gequieke ihrer teuflischen Instrumente . Meine Nerven sind schon alle vollständig abgerissen ; meine Ohren schmerzen , meine Seele zittert , und wenn ich das nur noch eine Stunde lang ertragen soll , so werde ich verrückt . Darum habe ich mich nach dem höchsten Mandarinen dieses Landes erkundigt , und bin gekommen , ihn über dieses unverschämte Verhalten seiner Bevölkerung zur Rede zu stellen . Ich bin nicht etwa ein hiesiger Mensch , sondern der Untertan einer fremden Macht und der Prediger einer fremden Religion . Als dieses Beides habe ich größere und unantastbarere Rechte als Jedermann , den ich hier vor mir sehe ! Wer einem heidnischen Volke die einzig wahre Religion und die einzig wahre Bildung bringt , der muß befehlen dürfen ; das ist es , was ich fordere . Und darum erkläre ich hiermit - - - « Er kam nicht weiter . Die Musici hielten ihre Augen auf John Raffley gerichtet . Dieser hob die Hand zum Zeichen , und sofort gab es einen Lärm , als ob zehn Schweinen die Ohren und fünfzig jungen Hunden die Schwänze abgeschnitten worden seien ; so viele schändlich quiekende Stimmen schienen zu hören zu sein ! Dilke fuhr mit beiden Händen nach den Ohren und machte eine ganz unbeschreibliche Grimasse . Er wartete aber doch , bis der Skandal vorüber war und fuhr dann fort : » Ich erkläre also Folgendes : Wenn diese satanische Bande nicht auf der Stelle in Strafe genommen