sie reiten , die Schatten . Sie hatten sich am Zelte des Mirza geteilt , um an beiden Ufern gleichzeitig vorzudringen . Ihre Spitzen steckten schon tief in den Nebeln , aber ihre Zahl war so groß und ihre Kolonne so lang , daß nur ein sehr scharfes Auge den hinterherziehenden Troß zu erkennen vermochte . Wehe ihnen , wenn Ahrimann den Befehl gegeben hatte , daß diese ganze Menge den See besetzen solle ! Sie konnte sich ja nicht rühren ! Sie war genau so eingestopft wie die Ultra-Taki im geheimen Gange , nur daß hier die Flucht nach rückwärts offen stand ! Aber was für eine Flucht ! Während wir da hinausschauten , um sie heranziehen zu sehen , kam er hinter ihnen her - - - der Tag ! Er folgte ihnen ; er hing die Vorhut seines Lichtheeres an ihre Fersen und sandte uns , hoch über ihnen , den Odem seines Grußes zu . Dieser kraftvolle Atemstrom brach sich am Berge der Ruinen und wühlte dort die Nebel auseinander , um das Gemäuer , wenn auch nur vorübergehend , unsern Blicken preiszugeben . Da lagen die beiden Zelte . Das eine war von den Massaban umzingelt . Bei dem andern sahen wir Niemand . Aber vorn , auf der Mauerkante , saß Ahriman Mirza neben der Khanum Gul , und hinter ihnen standen die Diener . Die Stelle , welche sie sich gewählt hatten , lag so weit zurück , daß es ihnen selbst auch ohne die Nebel nicht möglich gewesen wäre , unsere Aufstellung unten im Duar zu bemerken . Sie befanden sich also noch immer in dem Glauben , daß die Dschamikun in tiefem Schlafe lägen . Da wieherte bei den Schatten ein Pferd . Ein anderes antwortete - - noch eines und noch eines . Das war in der Stille des Morgens weithin zu hören und für Ahriman ein Zeichen , daß seine Schatten angekommen seien . Er hatte sie schon des Nachts erwartet und war ungeduldig geworden . Warum den Duar erst leise und schleichend besetzen , wenn es nur einiger weniger Augenblicke bedurfte , ihn in schnellem Ansturm zu überrumpeln ? Der Morgenhauch war zum Winde geworden , welcher die Dünste zur rascheren Bewegung zwang . Er begann , sie zu drängen , zu zerreißen , zu peitschen . Sie flatterten auseinander . Sie stoben nach allen Seiten . Sie flohen in alle Lüfte , um dort zerrissen zu werden . Der lichte Morgen war am See erschienen und räumte mit ihnen auf . Von den Ruinen verschwanden sie zuerst , weil der von der Felsenwand zurückkehrende Luftstrom dort doppelt wirkte . Da sahen wir Ahriman stehen . Er hatte sich hoch und gebieterisch aufgerichtet und eine Pistole in der Hand , um das verabredete Zeichen zu geben . Er schaute hinaus , über den See . Er sah nur Schatten , nichts als Schatten , welche nun alle herangekommen waren und in dichtgedrängter Menge das Tal besetzt hielten . Er sah nicht die Dschamikun auf den Höhen , weil sie sich hinter Felsen , hinter Bäume und Sträucher verbargen . Und er sah , wie bereits erwähnt , auch nicht unsere kanonenstarrende Aufstellung unten an der vordersten Ruinenmauer . Darum gab er sein Signal ; die Pistole krachte . Nun war er selbstverständlich überzeugt , daß die Schatten sofort von beiden Seiten in das Dorf dringen würden . Das geschah aber nicht , jedenfalls zu seinem größten Erstaunen . Ihre Spitzen waren nahe genug herangekommen , um zu sehen , was vor ihnen lag . Sie hatten beim Anblicke der ihnen entgegengähnenden Geschütze ihre Bewegung eingestellt , und die Führer schienen sich zu beraten . Da schoß Ahriman den zweiten Lauf ab und winkte mit beiden Armen , indem er laute Befehle rief . Man sah seinen Bewegungen an , daß er zornig geworden war . Jedenfalls hatte er befohlen gehabt , sein Zeichen zu erwidern , denn die Päderan gaben nun auch ihre Schüsse ab , je einen auf beiden Seiten . Weiter vorzurücken aber unterließen sie , indem sie wiederwinkten und nach dem Dorfe zeigten . Ihre Schüsse schienen ein vielstimmiges und nicht enden wollendes Echo erweckt zu haben , und Aller Augen richteten sich nach oben , von wo es herunterklang . Da brannten die Warnungsfeuer zwar noch , aber blaß und fahl im Tageslichte . Die Wächter hatten sich auf dem sichern Felsen am Alabasterzelte zusammengezogen und sagten uns durch die Stimmen der mit hinaufgenommenen Gewehre , daß die Moräne zum Sturze auszuholen beginne . Und zu gleicher Zeit griff nun der Hauptmann in die Szene ein . Seine kommandierende Stimme erscholl . Auf seinen beiden Flanken donnerte je ein Geschütz , für dieses eine Mal nicht scharf geladen , und die acht rund um den See verteilten Kanonen fielen augenblicklich ein . Und nun sprangen auf allen Höhen die Dschamikun hinter ihren Verstecken hervor und ließen ihre Stimmen erschallen und ihre Gewehre ertönen . Das war wie ein einziger Schrei und wie ein einziger Krach , unter dem das ganze Tal und der See in ihm erbebte . Dann trat jene tiefe , den Atem an sich haltende Stille ein , welche nur entscheidenden oder gar fürchterlichen Ereignissen voranzugehen pflegt . Kein Mensch , so weit man sah , schien sich bewegen zu können , mit Ausnahme von nur einem . Das war der Chodj-y-Dschuna . Er ging nach dem Landeplatze , stieg in das Boot und ruderte es so weit vom Lande ab , daß er von Ahriman gesehen werden konnte . Dieser stand , noch immer hoch aufgerichtet , aber wie zu Stein erstarrt , auf seinem Platze . Begriff er das , was vor ihm lag ? Oder konnte er überhaupt nichts mehr begreifen ? Da erhob sich der brave Lehrer der Dschamikun von der Ruderbank und rief mit weithin hörbarer Stimme zu ihm hinauf : » Ahriman ! Die Sterbestunde deines Reiches naht . Die Mauern unter dir beginnen schon