nicht länger verschweigen durfte : daß der Tod mit diesem Tage zwiefach in Schloß Hubertus eingezogen war . Die Lampe , die noch im Zimmer brannte , warf ihren trüben Schein über den Toten und über die Geschwister , die sich umschlungen hielten . Und draußen erwachte der Frühlingsmorgen mit reinem Blau , mit Duft und leuchtenden Farben . Strahlend ging die Sonne über die Berge , alle Zinnen in Feuer tauchend . Immer schöner wuchs der Tag , während vom Kirchturm das Zügenglöcklein mit seinen dünnen , abgehackten Klängen über alle Dächer rief : » Betet , Leut - betet , Leut - betet , Leut - « Einer der erste , den die im Dorf umlaufende Kunde von Graf Egges Ableben erreichte , war Franzl . Atemlos kam er ins Schloß gerannt und stand erschüttert vor seinem still gewordenen Herrn . Als er hörte , mit welchen Worten Graf Egge in der letzten Stunde seiner noch gedacht hatte , fuhr ihm vor weher Freude das Blut ins Gesicht . » Moser , schau , er hat seine Mucken und Marotten ghabt , aber ' s Herz , ganz einwendig , ' s Herz is gut gwesen . Und a Jager ! Moser , so a Jager kommt nimmer ! Dös is noch einer gwesen aus der alten , guten Zeit . Oft hat er über d ' Schnur ghaut - ' s Jagerblut hat halt seine gachen Hitzen . Aber wenn ' s golten hat , is er gstanden wie a Baum . Und kein Unrecht hat er leiden können , gar keins ! Dös weiß ich , dös hab ich erlebt . Moser , Moser , so einer kommt so bald nimmer ! Weinen könnt ich um ihn , grad weinen ! « Franzl sagte das in der Bedingungsform - er schien nicht zu wissen , daß ihm der Bart von den Zähren tropfte . Die Veranda begann sich mit Leuten zu füllen . Das halbe Dorf kam gelaufen - die einen aus Pflicht oder Teilnahme , die andern aus Neugier . Zu Mittag kehrte der Wagen von der Bahn zurück . Gräfin Anna kam mit Hans Forbeck und Professor Werner . In wortloser Bewegung zog Tassilo die geliebte Frau in seine Arme , und Kitty klammerte sich schluchzend an ihren Verlobten : » Hans ! Wir dürfen glücklich werden ! Tas hat ihm alles gesagt . Und er hat genickt und gelächelt - sprechen konnte er nimmer . Er war dir gut , Hans ! Du hast ihm gefallen . Das hat er mir selbst gesagt . Und daß er deinen Taler noch immer hätte - als Erinnerung an dich ! « Während die beiden Paare im Sterbezimmer vor dem schlummernden Vater standen , fiel die Sonne durch das offene Fenster . Draußen im Frühlingslaub der Bäume pisperten die Meisen und Finken . Bevor es Abend wurde , fingen die Glocken zu läuten an . Zwei Schläfer wurden in einem Grab zur Ruhe bestattet , der Jäger neben dem Wildschützen - Jochl Schipper neben dem Bruckner-Lenzi . Jener Pirschgang vor vielen Jahren , am Morgen des Johannistages , hatte sie zu Kameraden für die Ewigkeit gemacht . Nach dieser stillen Feier im Kirchhof gab es keinen » Gsturitrunk « beim Seewirt . Die Leute , die der Bestattung beigewohnt hatten , zechten wohl bis spät in die Nacht , aber auf eigene Kosten . Die Ereignisse der letzten Tage wurden auf der Bierbank unter endlosem Disput erörtert , man erinnerte sich der » Grafenleich « vom vergangenen Herbst und sah der Wiederholung des Schauspiels mit Spannung entgegen . Diese Neugier blieb ungestillt . In der folgenden Nacht verließ ein stiller Kondukt den Park von Hubertus und nahm den Weg zur Bahn . Der Sarg wurde nach München gebracht , um in der Familiengruft der Egge seinen Platz zu finden , Seite an Seite mit einem anderen . Ein ruhiger Tag kam über Schloß Hubertus . Gräfin Anna , Kitty und die Kleesberg waren mit Hans und Werner schon am Morgen nach München abgereist . Tassilo blieb noch bis zum Abend , um alles Nötige zu ordnen . Für den Nachmittag waren die Jäger bestellt , um sich mit Handschlag ihrem neuen Jagdherrn zu verpflichten ; es stand auf ihren gebräunten , wetterharten Gesichtern zu lesen , daß sie unter dem neuen Herrn sich gute Zeiten versprachen ; ein ausgiebiges Teil ihrer Hoffnungen erfüllte sich schon beim ersten Rapport ; Tassilo erhöhte ihre Bezüge , und um den strengen Dienst zu erleichtern , den sie bisher zu leisten hatten , sollten zwei neue Jäger aufgenommen werden . » Der eine wird in den nächsten Tagen aus München kommen . Er ist ein abgestrafter Wilddieb , aber ich weiß , er wird ein braver Mensch und verläßlicher Jäger werden . Und ich erwarte , daß ihm keiner von euch aus seiner Vergangenheit einen Vorwurf machen wird . Nehmt ihn als guten Kameraden auf , er hat aus Leidenschaft gefehlt , und das ist verzeihlich . In diesem milderen Sinne will ich in meinen Revieren auch den Schutz geführt wissen . Tretet jedem ungesetzlichen Eingriff mit Strenge entgegen , aber erspart euch und mir die Folgen jähzorniger Übereilung . Ich will edles Weidwerk pflegen und in meinen Revieren den Boden grün erhalten . Und was den zweiten Jäger betrifft - Hornegger ? Glauben Sie , daß mit Patscheider zu reden wäre ? Der Mann war tüchtig , ich möcht ' ihn gerne wiedergewinnen . « » Mar ' und Joseph , Herr Graf , « stotterte Franzl in Freude , » an einzigs Wörtl , und der Michl springt wie narrisch . Ich weiß , er hat Heimweh . « » Gut , sprechen Sie mit ihm , Sie haben freie Hand , Hornegger ! Und nicht nur in dieser Frage . Sie sind von heut an mein Förster , der Leiter meiner Jagd . Es war der letzte Wille meines Vaters , seine Jagd im besten Stand zu