Blei ! Ein leichter Druck , es ist nicht schwer , Und alles ist vorbei ! Euch betäuben , dumme Jungen , Vor dem großen Weltenweh Durch ein liederlich Juchhe , Bis Ihr gleich der Welt marode ? Endlich sind doch aus der Mode Solche Trug-Entschuldigungen . Wolle nicht wider die Sünde kämpfen , Das wird nie Deine Begierden dämpfen . Ihr zu trotzen will nicht taugen , Sonst verzaubern Dich ihre Augen . Aber wende ihr stracks den Rücken . So wird Dir die Rettung glücken . Freude entflieht mit dem Wind in die Wette , Sorge hängt zähe wie eine Klette . Oft schreiben wir der geistigen Arbeit zu , Was andrer Kraftvergeudung wir verdanken . Sei nimmer müßig , immer mäßig Du ! Ich glaube nicht an solche Arbeitskranken ! Dir selber nur , Dir kannst Du nicht entrinnen . Die Ketten der Gedanken schleppst Du mit . Den Abgrund , der sich öffnete tiefinnen , Mit leichtem Fuß noch Keiner überschritt . Ein Opfer braucht er , wenn er einmal klaffte . Komm , Curtius ! Im Tod er erst sich schließt ! Ach , seinem Ich nur Der sich je entraffte , Wer selbstlos mit den Anderen genießt . Ach , brauchte man nach jeder Fête Als Soda doch ein Schlückchen Lethe ! Den Kummer der Vergangenheit Kann ein Gedanke mindern , Der uns von Reue nicht befreit , Doch wohl sie weiß zu lindern . Was Du auch thatest , gut und schlecht , Das hat geformt Dein Wesen . Und jedes Wesen hat sein Recht . Sei , was Du Dir erlesen ! Kein Epigramm Dich weiht So beißender Satire , Als Deinen » guten Freunden « ihre Erinnerung verleiht . O Unglücksmutter Unersättlichkeit ! Wer ist denn reich ? Wer seines Theils sich freut Und hartes Brot wie Trüffeln wiederkäut . Und statt der tausend Weiber , die ihn locken , Sich nur begnügt mit einem Liebesbrocken . Enthaltsamkeit - das ist Zufriedenheit . Trübe Stimmung wird bemeistert , Wenn man ihren Grund durchdacht . Blitz zuckt auf aus Nebelnacht , Gram zum Schaffen Dich begeistert . Wir bringen vom Meer der Vergangenheit Nur billige Waare für künftige Zeit . Die ganze Fracht der Meerbefahrung Ist unverkäuflich : die Erfahrung . Mutter Natur , mir hast Du Dich entschleiert Und jedes Würmchen ist mir lieb und traut . Der jungen Pflanzen Triebe , stets erneuert , Mein Auge freudetrunken schaut . Die Schöpfung liebe ich wie eine Braut . Denn Du verliehst ja Wolken , Wellen , Winde Als Brüder , o Natur , mir Deinem Kinde . Gewohnheit ist die Sünde wie die Tugend . Vorm Keim des Lasters wahre Deine Jugend ! Umsonst sucht ' s dann die Mannheit auszurotten . Die starken Wurzeln Deines Wollens spotten ! Dieser Grundsatz möge stützen Deinen Wandel bis ans Grab : Wisse Deine Zeit zu nützen , Gieb Dich nicht mit Skrupeln ab ! Denn vergeudest Du Sekunden , Werden leicht Minuten draus . Jahre werden so aus Stunden . Und Du wirst - ein altes Haus . Zweifel , Reue , das sind Ketten . Taste nicht nach gutem Rath ! Arbeit kann Verzweiflung retten Und Befreiung ist die That . Der Bach war unzufrieden Mit seiner Kleinheit . Und rief den Regen . Und trat mit unruhvollem Sieden Aus seinem Bett . Doch war ihm das kein Segen . Denn er verlor darüber seine Reinheit . Nun floß er durch Einöden , war voll Schlamm . Mit Wehmuth drum gedachte er der Bäume Und Blumen , die einst seine Ufersäume Geschmückt . Was schwoll ihm auch so hoch der Kamm ? Die rothe Sonne funkelt Pfeilscharf durch schwarze Rüstern Und überm See es dunkelt , Die Wogen flüstern . Ich bin gesund und munter . Doch in der Sehnsucht Wogen Geh ' ich urplötzlich unter , Hinabgezogen . Mehr Geistiges zu geben Dem Menschen Gott vergönnte , Als für das Erdenleben Er brauchen könnte . Ja , dieser Schmerz , uns nahend , Wenn die Natur uns offen , Ist ein Beweis , bejahend , Was wir erhoffen . Am Apfelfall fand Newton , heißt es , Das Gravitationsgesetz . Was sollten wir nicht finden jetzt Im kleinsten Fall Gesetze des Geistes ? Und sätest nie den wilden Hafer Du Und opfertest den Sinnen keck , Warst nie ein Lidrian und Geck , So traue ich Dir auch nichts Großes zu . Ich soll mich der Wahrheit schämen , Hör ' ich den Michel toben ? Ich werde mich dann erst grämen , Wollt Ihr mich loben . Ich wußte , Liebe scharfe Pfeile wetzt , Doch daß der Pfeil vergiftet , spür ' ich jetzt . Und wenn sich selbst herunterdrücken Die Kaiser zum Steigbügelhalter , Des Papstes weltlichem Verwalter , Tritt Dante auf der Päpste Rücken . Der Arzt , der zu studiren beginnt , Keinem Leiden selber entrinnt , Hält mit seiner Wissenschaft Schritt , Macht jede Erscheinung der Krankheit mit . Nur was wir im innersten Wesen erkennen , Wissen wir auch beim Namen zu nennen . Drei Menschengattungen giebt ' s in der Welt . Zuerst die sinnlich stumpfen Massen , Die nichts verehren als Genuß und Geld Und das Gefühl wie den Gedanken hassen . Doch dann der Edleren geringe Zahl , Zu zart durch Denken und Gefühle , Sie gehen unter , höhnisch und brutal Zerstampft und übersehn im Weltgewühle . Denn sie sind Silber und das Silber sinkt Im seichten Strom des Tages . Doch inzwischen Die falsche Alphenide prahlt und blinkt . Dem Silber laßt uns Eisen mischen ! Nein , fliehet nicht den rauhen Lebenskrieg , Kämpft mit für der Verkannten Sache ! Ein jeder Genius im Glück und Sieg Uebt für Myriaden Unterdrückter Rache . » Fort Ihr ! Vergangenheit , weich ' Du zur Linken ! Und Du zur Rechten , Zukunft ! « stolz ich rief Und stürmte auf und nieder bis zum Sinken . Nur dieser Worte