hin und sagte in einem hohlen geisterhaften Ton : Horch ! sie kommen ! Die Erde zittert unter ihnen . Wie sie die Gäule peitschen , die es müde sind , immer neue Gewaltsmittel gegen das arme Volk herbeizuschleppen ! Da springen sie herab . Und nun stopft nur die ehernen Schlünde voll bis zum Bersten , wir wollen - Berger ! sagte Oldenburg , ihm die Hand auf den Arm legend . Berger zuckte zusammen , wie Jemand , der jäh aus einem tiefen Traume geweckt wird . Er blickte verstört umher . Was giebt ' s ? fragte er , Oldenburg anstarrend . Sie sind durch die übermäßigen Anstrengungen erschöpft , Berger , legen Sie sich eine Stunde hin . Ich will Sie rufen lassen , wenn es Noth thut . Erschöpft , sagte Berger , indem er wieder in seinen träumerischen Zustand zurückfiel ; ja wohl erschöpft , bis zum Tode erschöpft ; aber deshalb genügt auch eine Stunde nicht . Wenn ich schlafen soll , so sei es wenigstens den ewigen Schlaf ! In diesem Augenblick trat Schmenckel , der die Wache auf der Barricade gehabt hatte , an die Gruppe heran und sagte : Es ist halt etwas Besonderes im Werk ; ich glaube es geht jetzt mit Kanonen los . Berger fuhr in die Höhe . Sagte ich es nicht ? rief er , die Stunde der Entscheidung naht . Auf , auf , Ihr wackern Männer , allesammt ! Noch einen lustigen Tanz mit den schlangenhaarigen Furien des Lebens und dann zur ewigen Ruh ' in die kühle Todesnacht . Auf ! auf ! Bei diesem Ruf sprangen Einige der Kämpfer empor von ihren Lagerstellen am Feuer , griffen zu den Waffen und eilten Berger nach an ihre Posten . Andere blieben liegen und lachten über den tollen Alten und den blinden Lärm . Aber auch sie waren rasch genug auf den Beinen , als jetzt ein Schlag , der die Häuser in ihren Grundvesten erbeben machte , losschmetterte und Kartätschenkugeln in die Barricade gegen die Häuserwände prasselten . Jetzt wird es Ernst , sagte Oldenburg , sich zu Oswald wendend . Aber der Platz , wo Oswald gestanden hatte , war leer . Er weicht mir aus , sprach Oldenburg traurig ; und doch , mein Gewissen ist rein ; ich habe mir nichts gegen ihn vorzuwerfen . Er eilte nach der Barricade , wo jetzt die Anwesenheit des Hauptmanns nöthiger war als je . Zu der einen Kanone , die den Reigen eröffnete , hatten sich noch drei andere gesellt , und beinahe ununterbrochen krachte der Donner und rasselte der eiserne Hagel gegen die Barricade . Es war kein Zweifel : man wollte Bresche legen und dann den Sturm mit voraussichtlich besserem Erfolge wiederholen . Oldenburg , der das Leben der Leute nicht unnütz auf ' s Spiel setzen wollte , hatte Befehl gegeben , so gedeckt wie nur möglich sich aufzustellen und das Feuer der Belagerer nicht zu erwidern , sondern jeden Schuß bis zu dem Augenblick des Sturmes aufzusparen . Außerdem hatte er die Steinschleuderer auf den Dächern um das Doppelte verstärkt . Zuletzt wählte er die Männer , die sich bisher am muthigsten gezeigt hatten , zu einem Elitecorps aus , das sich dem stürmenden Feinde blindlings entgegenwerfen und kämpfen sollte , bis die Anderen Zeit gehabt hätten , sich hinter die Barricaden der Nebenstraße zu retten . Oldenburg hatte kaum diese Anordnungen getroffen , als die Batterie mit noch fürchterlicherer Gewalt zu arbeiten begann und dann plötzlich verstummte . Einen Augenblick tiefe Stille , Tiefe Stille , und dann der eherne Klang von zwanzig Trommeln , die den Sturmmarsch schlagen . Und mit jedem Schlage rückt die Colonne näher heran - eine lebendige Mauer , scheinbar unaufhaltsam in ihrem Andrang . Kein Laut erschallt auf der Barricade . Oben auf den Dächern stehen die Männer und Knaben , die schweren Steine in den Händen ; in den Fenstern der Häuser , an den Schießscharten der Barricade selbst lauern die Schützen , die Büchse halb zur Wange schon erhoben . Und mit dem Tacte der Trommeln rückt die lebendige Mauer heran . Deutlich schon sieht man die schmucken Gardeuniformen ; man sieht die bartlosen Gesichter der Leute und das schwarze , finstere , bärtige Antlitz des riesigen Officiers , der voranschreitet . Und jetzt ruft der Officier ein Commando , das die Trommeln verschlingen , und wie er mit dem blitzenden Degen winkt , rufen die Soldaten : Hurrah ! hurrah ! hurrah ! und stürzen eilenden Laufs heran . Aber ehe sie die Barricade erreichen , krachen zwanzig Feuerschlünde , schmettern Hunderte von Steinen in die lebendige Mauer und sie schwankt und wankt wie eine Meereswoge , die mit vorüberhängendem Kamm gegen den Felsenstrand heranschäumt . Doch rollt sie weiter und jetzt prallt sie gegen die Barricade . Der Officier reißt mit seinen Händen große Stücke heraus . Nichts scheint seiner Riesenstärke widerstehen zu können . Da springt ihm ein Mann im Sammtrock , der als Waffe den Lauf eines Gewehrs schwingt , von dem der Kolben abgebrochen ist , entgegen . Als der Officier den Mann erblickt , taumelt er wie vom Blitz getroffen zurück . Das bringt seine Leute in Verwirrung und hemmt für einen Moment ihr Anstürmen . Die Barricadenmänner benutzen diese Pause und geben eine volle Salve . Der Officier fällt mit dem Gesicht vornüber todt zur Erde ; mit ihm stürzt ein halbes Dutzend seiner Leute mehr oder weniger schwer verwundet . Ein fürchterlicher Schrecken bemächtigt sich der Soldaten . Vergebens suchen die Officiere sie in den Kampf zu treiben . Die Barricade ist abermals gerettet ; man schreit einmal über das andere Hurrah , man umarmt sich mit Thränen der Freude in den Augen . Aber der Sieg ist theuer erkauft . Während ein Theil der Besatzung die halb zerstörte Barricade wieder aufbaut , ist der andere Theil mit den Verwundeten und Todten beschäftigt . Der im Sammtrock trägt den Leichnam