trat aus der Luft des Todes in die des Lebens - aus der Knechtschaft in die Erlösung zurück . « » Ja , « sagte Judith gedankenvoll , » es mögen geheimnisvolle Einflüsse um uns tätig sein und wir bemerken es nicht ! oder wir fliehen wohl gar die heilsamen und suchen die unheilvollen auf . « » So hab ' ich es damals gemacht , als ich es vorzog , meinen Leidenschaften den Zügel schießen zu lassen , anstatt sie zu bändigen , « entgegnete Lelio . » Signora , « sagte Orest unmutig , » Sie scheinen nach Rom gegangen zu sein , um sich ausschließlich mit Signor Lelio zu unterhalten . « » Man folgt gern den Schicksalswendungen eines alten Freundes nach , « sagte sie . » Jetzt wollen wir uns aber aus dem Staube machen ! « rief Florentin . » Da kommt eine Prozession mit ihrem plärrenden , ohrenzerreißenden Gebet ! das ist unaushaltbar . « Durch den großen Eingangsbogen , vom Forum her , trat ein Kapuzinerpater , ein großes Kruzifix tragend , in die Arena , und eine Menge Menschen folgte ihm laut betend . » Ah , die Kreuzwegandacht ! es ist heute Freitag , « sagte Lelio . » Was beginnen diese Leute ? « fragte Judith ; » weshalb knieen sie alle dort nieder und was bedeuten die blassen Gemälde , die ich eben jetzt erst an der inneren Ringmauer der Arena bemerke ? « » Nachdem das Koliseum seine erste Bestimmung verloren hatte und kein Zirkus für Gladiatorenkämpfe mehr war - Dank dem frommen Einsiedler Telemach , der vom Geist christlicher Liebe aus seiner Felsenzelle getrieben , sich mitten in die Arena flehend und weinend warf « ... - » In was sich diese Mönche nicht überall einmischen ! « unterbrach Florentin Lelio ' s Bericht . » Die Civilisation hätte diese Spiele ja von selbst ersterben lassen ! « » Und daß bis dahin noch ein paar tausend Menschen von anderen Menschen und zum Vergnügen von abermals Menschen hingewürgt wurden , hat freilich in den Augen der Civilisation gar nichts - für den armen Einsiedler aber sehr viel zu bedeuten ; « entgegnete Lelio . » Die entmenschte Roheit war in diesem Punkte so hoch gestiegen , daß kein Gesetz des Kaisers Theodosius die blutgedrängte Arena in Rom zu schließen vermochte und noch weniger gelang es seinem Sohn , dem Kaiser Honorius . Telemach brachte es zu Stande , indem er sich opferte . Er stürzte sich zwischen die Kämpfer , um sie zu trennen , und rief die Zuschauer an , ihm beizustehen in diesem Bemühen . Allein die Gladiatoren , im Blutrausch des wütenden Kampfes , metzelten denjenigen nieder , der ihnen das Leben retten wollte , und Telemach ' s zerfleischter Leichnam lag vor den blutigen Schwertern beider Parteien . Da entsetzte sich das Volk über eine solche Barbarei , und nun wurde es dem Kaiser Honorius leicht , die Gladiatorenspiele aufzuheben . Wenig Jahre später wurde Rom von den wilden nordischen Völkern mehrmals bedroht und belagert , erobert und geplündert . Sie machten das Koliseum zu ihrer festen Burg und ihrem Lagerplatz . Als sie abzogen , war Rom verwüstet und durch Feuersbrünste verheert . Da wurde das Koliseum ein Steinbruch : aus seinen Blöcken erbaute man ganze Paläste . In eine unzerstörbare prächtige Ruine verwandelt stand es nun da , bis im Mittelalter die wilden Parteien des römischen Adels teils dem Papst , teils sich untereinander die Herrschaft der ewigen Stadt zu entreißen suchten und in blutigen Fehden , welche die fremden Könige zu ihrem Vorteil unterstützten und ausbeuteten , gräßliches Elend , Not und Schmach über die ewige Stadt brachten . Die Orsini und Colonna , Roms stolzeste Söhne , hausten schlimmer als Gothen und Vandalen , und das Koliseum mußte auch ihnen als Feste und Warte dienen , worin sie sich verschanzten und die Campagna überschauten . Dann wurde es wieder still um diese wunderbare Ruine , an die jeder Sturm in der Weltgeschichte heranbrauste , ohne ihre Schönheit zu beeinträchtigen . Im vorigen Jahrhundert lebte ein großer apostolischer Missionär , der selige Leonardo von Porto Mauricio , Franziskanerordens . Der erwog in seinem von Christusliebe glühenden Herzen , es gezieme sich , daß diese Stätte , über welche Martyrerblut in Strömen geflossen war , eine heilige Weihe empfange . So viele Kirchen Roms waren über den Gräbern derjenigen Martyrer erbaut , deren Namen , Taten und Leiden zur allgemeinen Kenntnis gekommen waren ; aber die Armen , die Namenlosen , die Unbekannten , die hier ihre Seele in ihrem Glaubensbekenntnis aushauchten und deren Grab niemand kennt als Gott : sie waren es wohl wert , daß das Leid , welches sie hier geduldet - hier auch mit dem göttlichen Leiden in Verbindung gebracht werde , welches allein ihre Kraft und Stärke war . Der heilige Vater Papst Benedikt XIV. genehmigte die Bitte und den Vorschlag des seligen Leonardo . Es wurden jene kleinen Kapellen an der inneren Ringmauer errichtet , die so unscheinbar sind , daß sie den Charakter des Koliseums nicht stören , aber ihm gleichsam eine christliche Seele geben . In jeder der vierzehn Kapellen ist ein Gemälde , welches einen Moment aus dem bitteren Leiden und Sterben des Herrn darstellt : seinen Kreuzweg ; also für jeden Christen der Weg und der Wegweiser zum Himmel , daher sehr heilsam zu betrachten und im Herzen zu erwägen und deshalb eine der beliebtesten Andachtsübungen des christlichen Volkes . Sehen Sie , Signora , vor jedem Bilde wird Halt gemacht - Station gemacht , ist der kirchliche Ausdruck - werden einige kurze Gebete gebetet , die sich auf den Moment des heiligen Leidens beziehen und eine kleine Nutzanwendung auf uns selbst machen . So wandelt die Seele an den vierzehn Stationen vorüber , im Geist den Herrn begleitend , von seiner Verurteilung bis zu seiner Grablegung , gekräftigt in ihrer Trübsal und zu ihren Kämpfen durch das leuchtende ,