weiß wie vielsten Male erzählen , wobei es dem Bübchen besonders aber um den Schluß zu thun war ; denn nachdem schon sehr viele Offiziere und Matrosen verzehrt sind , wirft man ihr die ganze Schiffsapotheke in den Rachen , worauf es der Schlange hundeübel wird und sie plötzlich stirbt . Da nun aber dergleichen Geschichten am heutigen Abend noch sehr viele erzählt werden mußten , mit deren Wiederholung wir den geneigten Leser jedoch verschonen wollen , bitten wir ihn , während dieser Zeit mit uns auf einige Augenblicke in das Zimmer der Madame Wundel , der Staiger ' schen Wohnung gegenüber , zu treten . Fünfzigstes Kapitel . Verschämte Hausarme . Hier wurde der Weihnachtsabend nicht wie bei den übrigen Mitchristen gefeiert ; Madame Wundel , die verschämte Hausarmen-Wittwe , fand es begreiflicherweise unpassend , am heutigen Abend mit irgend Etwas Gepränge zu machen . Ihre beiden Töchter waren erwachsen , weßhalb ihnen ein Christbaum auch weiter keine Freude gemacht hätte ; sich gegenseitig zu beschenken , wäre ebenfalls unnöthig gewesen , daher sie denn das Fest still unter sich und unter andächtigen Betrachtungen feierten . Das klingt für uns , die wir den Charakter von Mutter und Töchtern kennen , zwar unglaublich , aber es verhielt sich wirklich so . - Im Ofen brannte ein spärliches Feuer , so daß das Zimmer nur sehr mäßig erwärmt war ; der Tisch war mit einem groben Tuche bedeckt und auf demselben befand sich eine Schüssel mit Kartoffeln in der Schale neben einem Salzfasse , einem Stücke schwarzen Brode und einer Flasche voll klaren Wassers . Madame Wundel saß an diesem Tische , ihr gegenüber die älteste Tochter Emilie , und Beide hatten Gebetbücher vor sich , in welchen sie eifrig zu lesen schienen . Wir sagen : zu lesen schienen ; denn wenn man aufmerksamer hinsah , so bemerkte man wohl , daß die würdige Wittfrau die Nägel ihrer Finger besah , auch zuweilen an die Decke blickte , und daß Emilie den Kopf auf die Seite hielt , offenbar um auf den Gang und die Treppe zu lauschen , zu welchem Zweck auch die Stubenthüre halb geöffnet war . » Jetzt kann er wohl drunten sein , « sprach die Mutter nach einer längeren Pause . » Ja , mir scheint , er schleiche auf der untersten Treppe , « erwiderte die Tochter . - » Richtig ! da höre ich ihn auch husten . - Wenn der nur bald ausgehustet hätte ! « » Ein langweiliger , miserabler Kerl ! « meinte die Wittwe . » Und schleicht wie ein Gespenst in den Häusern umher , « entgegnete Emilie . » Bin ich doch wirklich erschrocken , als er vorhin fast unhörbar in ' s Zimmer trat und sein : Gott sei mit euch , ihr Frauen ! krächzte , - der alte Heuchler ! « » Ich bin gar nicht erschrocken , « lachte Madame Wundel : » ich wußte wohl aus alter Praxis , daß er diesmal am Weihnachtsabend kommen würde . Vergangenes Jahr kam er am Christfest selbst ; er wechselt immer so ab . - Das kann euch wieder ein Beispiel sein , « fuhr sie nach einer Pause fort , während welcher sie die Hand in die Tasche gesteckt und dort mit Geld geklappert hatte ; » daß ihr eurer Mutter unbedingt folgen sollt . Du hattest wieder Lust , zu sieden und zu braten , und wenn ich deinem Kopfe gefolgt wäre , so hätte uns der Armenpfleger überrascht , und - eine milde Gabe gereicht für Holz und Brod , « - diese Worte sprach sie mit demselben nachäffenden Tone wie ihre Tochter , - » während ein schöner Kuchen auf dem Tische stand und vielleicht eine Flasche Wein daneben . « » Leider ist es eine schlechte Welt , « erwiderte Emilie achselzuckend , » und für die paar miserablen Gulden , die sie uns an den Kopf werfen , leben wir doch in einer wahren Sklaverei . Gehe ich durch die Straßen , bei gewissen Häusern vorbei , da muß ich die Augen niederschlagen und darf höchstens nach einem kleinen Kinde sehen , das zufällig auf ' s Gesicht gefallen ist , um es aufzuheben und ihm aus christlichem Mitgefühl die rotzige Nase abzuwischen , - wenn das nämlich Jemand sieht . - Pfui Teufel ! Ihr hättet eigentlich wohl ein anderes Geschäft ergreifen können , als das einer verschämten Hausarmen . Uns ist dadurch jede Carrière abgeschnitten ; man kann sich nicht einmal mit einem anständigen Liebhaber einlassen , denn das wäre ja die größte Versündigung , wenn sie es erführen . « » Aber man lebt gut , « sagte die Wittwe mit einem breiten , behaglichen Lächeln . » Sei nicht undankbar , Emilie ; du weißt noch nicht , wie hart es ist , das Brod durch seine Händearbeit verdienen zu müssen . « » Aber dann bin ich frei und kann thun was ich will . « » Geht mir mit eurer Freiheit ! Man ist da abhängig von den Launen seiner Herren oder Herrinnen und erst ein rechter Sklave . « » Neulich ging ich in einen Laden , « fuhr Emilie ärgerlich fort , » und wollte mir zu meinem karrirtseidenen Kleide ein paar Ellen kaufen . Da sehe ich glücklicherweise noch früh genug den Armenpfleger , der mich lauernd betrachtete . Vor mir lag ein ganzer Stoß Seidenzeug , und da fragte er auf seine widerliche Manier : - Sie kaufen doch gewiß nicht von diesen eitlen Geweben ? - Was wollte ich machen ? - Ich mußte meine Augen niederschlagen und mit einer halben Elle grauen Futternessel abziehen . « » Was übrigens sehr klug von dir war , « erwiderte vergnügt Madame Wundel . » Glücklicherweise scheuen sich diese Spione , des Abend auszugehen ; und an gewisse Orte , wo wir uns sehr gut amusiren , kommen sie nie hin . « » Ja , wenn auch das