Gewitter , das die schwüle Luft reinigt . « » Mit Menschenblut ! Und darunter die Besten . Die Kugel wählt nicht die Schlechten . « » Wenn nun in der Natur ein solches verborgenes , furchtbares Gesetz bestünde , das Menschenblut fordert ! « fuhr die Fürstin fort , die sichtlich in ein neues Gedankengewebe sich hinein spann oder zu einem Phantasieflug erhob , der über die Fassungskraft ihrer Gesellschafterin hinaus ging . Sie wollte , obgleich die Wahrnehmung sie interessirte , daß die Leidenschaft auch eine Eitelbach weit über sich erhoben hatte , sich selbst in eine Sphäre erheben , wo Jene ihr nicht folgen konnte . » Ja , es existirt dieses Gesetz ! Und der Soldatenstand ist der geehrteste , weil er auf diesem großen Gesetz der geistigen Welt beruht . Warum heißt Gott in der Bibel der Herr der Heerscharen ! Es ist das nicht ohne tiefen Grund . Wie herrscht in dem weiten Reiche der lebendigen Natur eine , wir können sagen , gesetzliche Wuth aller Wesen gegen einander ! Es giebt keinen Moment in der Zeit , meine Freundin , wo nicht ein lebendes Wesen von einem anderen verzehrt wird . Der Mensch aber ist unter diesen zahllosen Arten von Würgethieren die allerfurchtbarste . Er tödtet um zu essen , nm sich zu kleiden , sich zu schmücken , ja aus Vergnügen , er tödtet um zu tödten . Der Mensch , dieser entsetzliche Herrscher der Natur , will alles an sich reißen , vom Lamme seine Eingeweide , um die Harfe widertönen zu lassen , vom Wallfisch seine Barten , um das Mieder des jungen Mädchens zu halten ; seine Tafeln sind bedeckt mit Kadavern . Ja , dem Menschen ist in dem unerforschlichen Rathschluß des Ewigen das Amt gegeben , den Menschen zu erwürgen , und der Krieg ist ' s , der den Spruch erfüllt . Die Erde selbst schreit nach Blut . In Erfüllung des großen Gesetzes , das gewaltsame Zerstörung unter den lebenden Wesen fordert , ist die ganze Erde , fortwährend von Blut getränkt , nur ein ungeheurer Altar , auf dem Alles geopfert werden muß ohne Ende . Ja , meine Theure , zweifeln Sie daran , wenn Sie die Weltgeschichte durchblättern , wenn Sie die rothen Schlachtfelder überblicken , mit denen der gekrönte Korse die Länder füllt , daß der Würgeengel sie umkreist wie die Sonne , und eine Nation nur aufkommen lässt , um andere zu schlagen ! Wenn die Verbrechen sich gehäuft über das Maß , dann verfolgt mit Hast der Engel , ohne Maß zu kennen , seinen unermüdlichen Flug . Die sicht- und greifbaren Anlässe erklären den Krieg nicht ; Jeder kennt ja das Uebel ; wenn sie wollten , könnten sie ihm ja leicht vorbeugen . Aber es ist der Durst dieser großen Sünder nach der Strafe , von der sie fühlen , daß sie sie verdienet , sie stürzen darnach , wie die Hirsche zum Quell , um dadurch gesühnt zu werden . Sehen Sie , Theuerste , wenn wir ihn so betrachten , müssen auch die Schrecken des Krieges geringer werden ; ja wenn wir uns versenken in den berauschenden Gedanken , daß Er es ist , der von dem sündigen Menschengeschlecht im Augenblick seiner höchsten Noth gerufen , in seiner Donnerwolke eintritt , um die Ungerechtigkeit , welche die Kinder dieser Welt gegen ihn begingen , zu strafen und vernichten , dann wird der Krieg selbst in unsern Augen zu etwas Göttlichem und seine Schrecken schwinden vor dem geängsteten Gemüthe . « Wir wissen , daß dies nicht die eigenen Ansichten der Fürstin Gargazin waren , sondern daß sie dieseben in Petersburg aus dem Munde eines französischen Fanatikers vernommen hatte , der , damals noch wenig beachtet , später aber von so unheilvollem Einfluß ward , noch heute dauernd , aber noch heute zweifelhaft , ob von schlimmerem auf die Völker oder die Fürsten , indem er ihr Thema , die Erblichkeit der Rechte , auf keinen festern Grund zu bauen wusste als auf die Erbsünde der Menschen ! Die Fürstin hatte erreicht was sie vorhin wollte , sie hatte die Baronin zum Schweigen gebracht ; aber die stumme Sprache der Seufzer ward ihr noch peinlicher als die vehementen Liebesklagen , von denen sie sich debarrassirt . Sie drückte sanft die Hand ihrer Begleiterin , sie bedauerte , wenn ihre Phantasien einen zu tiefen Eindruck auf ihr Gemüth gemacht , auch sei der Krieg ja noch nicht bestimmt erklärt , und wenn er ausbreche , wache ein Auge dort oben über Alle , und wisse die Schuldigen von den Unschuldigen zu unterscheiden . » Nur die Schuldigen trifft sein Zorn ! Er richtet nicht wie ein menschlicher Richter , der nur auf die offenkundigen Thaten sieht , er prüft die Nieren und sieht das Herz . Mancher , der uns als großer Sünder erscheint , geht vor ihm frei aus , weil sein Herz rein geblieben , nur die Gewalt der Umstände ihn zur That trieb . Dagegen wie Mancher , der nichts gethan , was die Sinne fassen , ist schon verdammt , weil er in der Stille seinen sündhaften Regungen nachging , weil er in Gedanken gegen Gottes Gesetze sündigte . Wie leicht lullen wir uns in süße Verstellung ein , es sei nicht schlimm was wir denken ; wir lügen uns edle Absichten vor , oder glauben , es sind ja nur Phantasieen , und wenn es zur Ausführung kommt , so würden wir stark sein und ihnen widerstehen . Ach , meine Liebe , wir sind nicht stark , und Gedankensünden sind oft die schwersten , die wir begehen können . « Die Fürstin musste heute selbst so von ihren eigenen Gedanken bedrängt und verwirrt sein , daß ihre diplomatische Kunst sie in dem , was sie laut sprach , zu verlassen schien . Sie hatte nichts von dem neuen peinlichen Eindruck gemerkt , den diese Tröstung auf die Baronin hervorgebracht , die