Schlurck fort , frappirt mich ; denn ich weiß in der That nicht , da ich die ganze Last dieser Überschuldung auf mir liegen habe , wie ich es mit den laufenden Ausgaben z.B. für die noch nicht an den Staat übergegangene Gerichtspflege und etwa ein Dutzend Angestellter des Fürsten halten soll . Sie haben ganz Recht , Herr Ackermann , daß es Unrecht war , ein Capital , von dem nur die Rente disponibel hätte sein sollen , zur Masse zu schlagen . Aber ein Familienstatut , ein Majorat existirt nicht . Was thun , um diese Löcher all zu stopfen ? Ich will , sagte Ackermann , in ruhiger Auseinandersetzung , ich will noch die sechstausend Thaler für Gerichtspflege und Amtskosten auf den Ertrag der Güter mit übernehmen , wenn ich die ganze Verwaltung der Grundrenten mit überkomme und mir die Ablösungen zur Verfügung und Durchsicht gestellt werden . Schlurck erhob sich , schüttelte mit dem Kopfe und sagte : Alles recht schön ! Recht schön ! Aber man kann Das nicht übers Knie brechen ! Es thut mir leid - Damit deutete er an , daß die Unterhandlung abgebrochen wäre .. Offenbar erfüllte ihn das sonderbare Drängen dieses Landwirthes mit Mistrauen . Er sah in ihm etwas Andres als einen Ökonomen , der nur landwirthschaftliche Versuche anstellen wollte . Die Zumuthung , Einsicht in die Bücher zu bekommen und gleichsam die frühere Verwaltung zu controliren , war ihm vollends lästig . Er war sich zwar , soweit er sich auf Bartusch verlassen konnte , keiner auffallenden Verstöße bewußt , fürchtete aber doch alles Schroffe , Übereilte , Leidenschaftliche und das Allzuwißbegierige und Unbequeme ohnehin . Da Ackermann nicht nachgab , so antwortete er , um nur eine Ausflucht zu haben : Überdies gesteh ' ich Ihnen , wir haben noch andere Anerbietungen , die vielleicht günstiger sind . Er wollte gehen und kniff Selmar ' n freundlich wie zum Abschied in die Backen . Ackermann schwieg einen Augenblick , fixirte dann aber noch einmal den offenbar sich unbehaglich fühlenden Mann und sagte mit vieler Ruhe und Kälte : Herr Justizrath , wenn ich die Verwaltung der Güter bekäme , würd ' ich erkenntlich sein . Ich bot zehntausend Thaler Caution und verlange nichts , gar nichts vom Fürsten , um in die Ameliorationen etwas hineinzustecken .. Ich gebe das Alles selbst her , weil ich leidlich vermögend bin . Es ist mir nur um die Gelegenheit zu thun , eine große Wirthschaft zu führen und den deutschen Landwirthen amerikanische Erfahrungen zu zeigen .. Ich biete Ihnen ein kleines Gratial .. zweihundert Louisd ' ors ... Herr Justizrath , wenn wir ins Reine kommen . Dies gewagte Wort sprach Ackermann ganz ruhig hin und legte nicht den geringsten Accent darauf . Schlurck aber sah ihn von der Seite an , zog seine Dose , nahm eine Prise und machte eine sehr lange Pause . Dann wandte er den Kopf empor , lächelte , schnellte den Rest des Tabacks aus den Fingern und sagte : Hm ! Hm ! Noch einmal dann den Fremden , der ihn sicher und vertrauend und seines Mannes gewiß anblickte , fixirend , fragte er mit einem Tone , der etwa sagen wollte , als verstünde sich Das von selbst : Jährlich ? Es war ein gewagtes Wort dies Jährlich ! Es ließ einen tiefen , gefährlichen Blick auf Schlurck ' s Lebensphilosophie und die ganze Geschichte seines Berufes werfen ... Er sprach es aus , nicht etwa mit gemeiner schmeichelnder Gewinnsucht , die ihm fremd war . Er sprach es mit dem Tone eines Weltmannes , der gleichsam zum Andern sagen wollte : Die ganze Welt ist eine Komödie , wo Einer den Andern prellt . Was wollen wir Narren sein und die Tugend lieben ? .. Der alte Fürst hatte ihm ja immer erlaubt , bei Gelegenheiten , wo er den Mäkler machte , auch an sich zu denken und von den geschriebenen Rechnungen allein war der ungeheure Aufwand , den er machte , nicht zu bestreiten .. Er fand es in der Ordnung , daß er bei einem guten Dienst , den er dem Andern leistete , auch eine Erkenntlichkeit für sich in Anspruch nehmen durfte ... Aber ... » Jährlich ? « .. diese Frage war doch gewagt . Es war ihm eigentlich fremd , so zu feilschen und sein Gewissen in Fallen zu locken . Er liebte es nicht , daß er fodern sollte ; er nahm , was man gab . Seine Lebensphilosophie haßte das Moralisiren auch nach dieser Seite hin und wenn man ganz die Wahrheit sagen will , so war er im Grunde doch viel weniger schlecht , als er sich im Allgemeinen schlecht gab . Es war ihm eine solche Bestechungs-Angelegenheit nur der Humor des Lebens , der uns die Langeweile der Alltäglichkeit ausschmückt . Er hielt sich auch nicht lange bei solchen Verhandlungen auf und hätte vielleicht jetzt , wenn Ackermann die Achseln gezuckt und gesagt hätte : Nein , nur Einmal ! Jährlich ist mir zu viel ! gelacht und die tausend Thaler hingenommen , die er brauchen konnte , trotzdem , daß man ihn für reich erklärte .. Er war nicht reich . Er nahm viel ein und daß er viel einnahm , dazu gehörte gerade , daß man sich über tausend Thaler , in Gold baar auf den Tisch gelegt , nicht zuviel weitläufige Scrupel machte ... Aber schlimm ! Tausend Thaler auf einmal waren Schlurck nichts werth , wenn er die Administration dafür auf immer in andere Hände geben sollte . Er behielt zwar die Controle des Generalpächters , er vermittelte zwar die Ansprüche der Gläubiger , aber es trat ein neuer Mensch in seine Kreise ein , zwei neue , scharfe Augen sahen in seine Bücher und das für einmal eintausend Thaler in Gold ? Das hätte ihm in diesem Falle lächerlich erscheinen müssen und deshalb wiederholte er noch einmal : Jährlich ? Aber nun war es übel ,