solle , und - er gab dem Prätendenten Lohn ! - Zerstört ging sie in den Garten . Karl sprang ihr vom Schäfer entgegen , schüttelte in einem ledernen Beutelchen den klingenden Inhalt und rief jauchzend : » Ich hab ' mei ' Geld , ich hab ' mei ' Geld ! O was für ein glückseliger Tausendsassa bin ich ! Ich möcht ' den ganzen Markt von Cannstatt auskaufen . « - Emerentia versetzte nichts ; sie stand bleich und entsetzt da . - » So ist es denn also wahr « , sagte sie , nachdem Karl fort und auf seinen Schneckenberg gesprungen war , » daß ein fortwährendes Rollespielen mit der Rolle identifiziert . Dieser Fürst wird mir noch innerlich zum Bedienten , wenn ich nicht bald die Entscheidung herbeiführe . Fürs erste aber soll das gekränkte Weib zu jenem Verderblichen reden , über den ich mich so hart enttäuscht sehe . « Sie ging nach ihrem Zimmer und schrieb an Münchhausen : Mein Herr ! Ich bin fortan für Sie weder Diotima noch Emerentia , sondern das Fräulein von Schnuck . Die Linie , der ich angehöre , ist die Linie Muckelig . Verstehen Sie mich ? Nein , Sie verstehen mich nicht . Ich aber durchschaue Sie . Sie wollen mich erniedrigen . Sie wollen , daß mir der Bediente Bedienter bleibt . Armer Spötter ! In dem vollen Gefühle meiner Würde , erhaben über Ihre Possen Emerentia , Freiin von Schnuck-Muckelig in der Boccage zum Warzentrost Münchhausen verwünschte sein Los , als er diesen Zettel erhielt . » Das Geld an den Schlingel weggeworfen und nun das noch ! « rief er . » Was will denn dieses verrückte Fräulein , die mir wahrhaftig so unleidlich zu werden anfängt als - Pst ! Still , Münchhausen - Der Alte läßt mir keine Ruhe , ich weiß mir nicht Rat gegen seine verdammten Luftgedanken , und nun büße ich auch diesen letzten Stützpunkt ein . - O Münchhausen , Münchhausen , könntest du doch nur - - « Er wollte sagen : » Von deinen Renten leben « - vollendete aber nicht , sondern schrieb gleich ein zweites Billet , welches nichts als das Wort enthielt : Diotima ? ! Aber er fand es nach einiger Zeit uneröffnet vor seiner Türe wieder . Der alte Baron und Emerentia begegneten einander draußen in der Gegend zwischen dem Schlosse und dem Platze , wo die Luftsteinfabrik stehen sollte . Der Vater sah verdrießlich und zerstört , die Tochter kalt und stolz aus . - » Ich fürchte , Renzel « , sagte der Alte , » wir haben einen Phantasten im Quartier . Noch hängt meine Hoffnung an einem dünnen Faden , Gott gebe , daß der nicht reißt ! « - » Meine Hoffnung ist bei den Toten « , versetzte das Fräulein erhaben . » Edle Seelen werden leicht betrogen , ich schäme mich nicht , daß mich ein dürftiger Witzling täuschen konnte . Die Schuppen fallen mir von den Augen , nur Gemeines sehe ich noch , wo ich sonst gutmütig bewunderte . « - » Ich verachte ihn auch bereits recht herzlich « , sagte der alte Baron , » es ist nur der Punkt hier in Erwägung zu ziehen , daß auch solche Haselanten im Besitze wichtiger Fabrikgeheimnisse sein können , und wenn denn das doch der Fall wäre und man hätte ihn , ohne die Sache zu erfahren , aus dem Hause getrieben , so wäre es außerordentlich schlimm . Wir wollen ihm daher unsere Gesinnungen fühlbar machen , Renzel , aber so , daß ihm noch eine Hintertüre offenbleibt , damit womöglich seine Ambition erweckt wird , und mir das Syndikat nicht entgeht . Nur wenn alle Aussicht verschwindet , wollen wir ihm sagen , daß er sich packen könne . « Nach diesem Tage gaben der alte Baron und das Fräulein dem Freiherrn ihre Gesinnungen zu erkennen , d.h. sie behandelten ihn schlecht . Münchhausen , welcher fühlte , wie sehr er durch seine politischen Fehler sich die Stellung im Schlosse Schnick-Schnack-Schnurr verdorben habe , machte verzweifelte Anstrengungen sie herzustellen und ließ das glänzendste Brillantfeuer seines Witzes in tausend Einfällen , wunderbaren Capriccios und Mären spielen . Das Fräulein aber zeigte sich um so gelangweilter , je brillanter Münchhausen wurde . Sie wandte ihm bei den Colloquiis im Garten den Rücken , fiel ihm häufig mit einer Bemerkung über schlechtes Wetter in die Rede , oder sagte , wenn sie ihn hatte aussprechen lassen , weiter nichts , als : » Spaße für den Volkskalender . « - Ihr Verhalten drückte unbedingte Geringschätzung aus . Der Schloßherr knüpfte dagegen die seinige noch an Bedingungen . Die Summe seiner Reden ging dahin , daß er an den Erzählungen des Gastes , ehe und bevor die Fabrikangelegenheit in Ordnung gebracht sei , wenig Geschmack zu finden vermöge . Zuweilen hörten beide Schloßbewohner gar nicht zu , sondern sprachen miteinander von Wirtschaftsangelegenheiten , während der Freiherr die buntesten Wunder vortrug . So gingen mehrere Tage hin . Die Situation war für den Helden immer peinlicher geworden . Doch die Kräfte seines Geistes waren unerschöpflich und gerade in Verlegenheiten entfaltete sich erst deren ganzer Reichtum . Eines Abends , wo das Fräulein auf ihrem Zimmer an ihrem Tagebuche schrieb , der alte Baron und er aber stumm lange Zeit nebeneinander im Versammlungsgemache auf und nieder gegangen waren ; brauchte er die Rührung als großes , heroisches Mittel . Er fing nämlich plötzlich an heftig zu schluchzen , und da der alte Baron sich erstaunt umwandte , so stellte er sich mit den strömenden doppelfarbigen Augen vor seinen Wirt , nahm dessen beide Hände , sah ihm bewegt in das Antlitz und rief mit einer von Weinen gehemmten Stimme : » Könnt ihr es über das Herz bringen , du und deine göttliche Tochter , euren Freund so zu mißhandeln , wie ihr tut ? Nennen wir uns nicht du ? Bin ich nicht