das gröbste Tuch , und saß am liebsten mit Verwaltern und Bauern in Wirtschaftsgesprächen zusammen . Die Grundstücke zu verbessern , durch Ankäufe abzurunden , und außer dem Liegenden noch ein beträchtliches Geldkapital zu hinterlassen , dies waren seine einzigen Lebenszwecke . Um sie zu erreichen , speiste er von Zinn , und versagte sich jeden Genuß . Noch zeigte man im Schlosse den Hut , den er dreißig Jahre lang getragen hatte . Er war zwar nicht , wie der in der Fabel , siebenmal verändert worden , aber durch Stutzen und Beschneiden von der ansehnlichen Größe eines dreieckigen bis zu der winzigen Gestalt einer sogenannten Lampe zusammengeschrumpft . Der Sohn vereinigte nun das gerade Gegenteil aller dieser Eigenschaften in sich . Prachtliebend , empfindsam , phantasievoll , gereichte er seinem Vater , sobald diese Seiten sich zu entwickeln begannen , auch nicht einen Augenblick zur Freude . Gern hätte er ihn enterbt , wenn er nur gedurft , allein er mußte ihn sogar seines eignen Weges gehen lassen , da Graf Heinrich mit der erlangten Mündigkeit Herr eines ansehnlichen mütterlichen Erbteils wurde . Er vermählte sich früh mit einem reizenden Fräulein , welcher aber der Gatte wenig zustatten kam , denn dieser reiste auch nach seiner Heirat viel allein , und hielt sich durch die Bande der Ehe in seinen Freuden nicht gehemmt . Zärtliche , an Schwärmerei grenzende Freundschaften schmückten sein Leben , bei den Weibern hatte er ein fabelhaftes Glück , eine zahlreiche Nachkommenschaft war die Frucht so mannigfacher Begegnungen . Um diese kümmerte er sich nicht . Was ihn bewogen , Johannen nach dem Tode seiner Gemahlin ausnahmsweise auf das Schloß bringen zu lassen , und sie halb und halb anzuerkennen , hat man nie erfahren . In dem Ernste des Enkels glaubte der Großvater eine Spur seines Charakters zu entdecken , und tröstete sich daran über den Leichtsinn des Sohns . Er hatte ihn beständig um sich , und man vermutete , daß er ihn besonders bedacht haben würde , wäre er nicht vom Tode überrascht worden . Wie dieser Enkel sich ausgebildet , erzählen Ihre Bücher . Das aber konnten sie nicht erzählen , und würden sie auch nie erzählen können , wie er ein Opfer der Schuld seiner Altvordern wurde . Nur ich weiß es . Ich habe keine Verpflichtung , ein Geheimnis daraus zu machen , und die Frauen , um derenwillen ich vielleicht schweigen müßte , werden , wenn ich mich irgendein wenig auf die weibliche Natur verstehe , keinen Blick in die gedruckten Memoiren werfen , nachdem sie schreibend dazu beigesteuert haben . Was aber über alles : Ich glaube , daß ich von Ihrer Leidenschaft für die Wahrheit durch Sie etwas angesteckt worden bin . In den Tagen , wo ich zwischen zwei Krankenbetten , dem der Herzogin und Johannas meine Sorgen zu teilen hatte , nahm der Prozeß über die Standesherrschaft eine besonders lebhafte Wendung . Es sollte zur Vorlegung des Adelsbriefs geschritten werden , und ich saß im Archiv , davon eine Kopie für den Herzog zu fertigen , welche er zurückbehalten wollte . Nach Wilhelmis Abgange und bei noch fortdauerndem Mangel eines tüchtigen Stellvertreters verrichtete ich manche Geschäfte , die ein Nichtjurist allenfalls besorgen konnte . Da hörte ich einen lebhaften Wortwechsel in einem Seitenkabinette , und sah nach einigen Sekunden den Herzog mit dem Amtmann vom Falkenstein heraustreten . Letzterer sah sehr erhitzt aus , und rief : » So wollen mich der gnädige Herr wirklich fortjagen ? « » Bedienen Sie sich anständigerer Ausdrücke , solange Sie noch in meinen Diensten sind « , versetzte der Herzog , welcher seine Fassung ziemlich beibehielt . » Übrigens sehen Sie selbst wohl ein , daß in einer wohlgeordneten Wirtschaft der Herr zu befehlen und der Untergeordnete zu gehorchen hat , und daß , wo sich die Sache umdrehen will , man schleunig Einhalt tun muß . « Der Amtmann warf einen höhnischen Blick auf meine Arbeit , murmelte : » Ich werde dazu gezwungen « - und verließ das Gewölbe . Ich fragte den Herzog , was vorgefallen sei , und erfuhr , daß er den Trotz und die Willkür dieses bösen Alten nicht länger dulden könne . Er scheine es darauf anzulegen , die Autorität der Herrschaft zu untergraben , und habe neuerdings in der Administration des Falkensteins Anordnungen getroffen , die im graden Widerspruche mit den Verfügungen des Herzogs ständen . Darüber zur Rede gestellt , sei nicht einmal eine Entschuldigung erfolgt , vielmehr das freche Erwidern , daß es so besser sei , worauf der Herzog ihm den Dienst gekündigt habe . Auch mir war das gemeine Wesen dieses Menschen , welches sich in der letzteren Zeit , und besonders , seitdem der Rechtsstreit über die Herrschaft anhängig war , immer mehr gesteigert hatte , sehr auffallend gewesen . Er tadelte laut seine Gebieter , hielt sich über sie auf , klatschte und verklatschte , benahm sich überhaupt so , als könne er hier schalten und walten , wie er wolle . » Das ist die Frucht davon , wenn die Leute zu sehr sich einnisten « , sagte der Herzog . - » Dieser Reinhard war schon bei meinem Großvater , und dessen rechte Hand . Nun muß ich zu einem Schritte gegen ihn übergehen , der mir leid tut , aber nicht abzuwenden ist . Der alte Erich wurde in seiner Heftigkeit beinahe zum Mörder und irrt vielleicht unter Räubern umher , und was soll der Amtmann beginnen , wenn ich ihn , wie ich muß , forttreibe ? Man wechsle auch mit den Menschen , wie mit den Kleidern , es wird viele Unbequemlichkeit dadurch erspart . « Er sah das Diplom an und fuhr mit einem trüben Lächeln fort : » Auf welchem schwachen Grunde die Pfeiler unsres Daseins stehn ! Dieses schlechte und dünne Pergament wäre denn nun die letzte Bürgschaft eines erträglichen Lebens , nachdem so manches sich in meiner Häuslichkeit verändert hat , und dieses