und erkannten nach langer Anstrengung zuweilen dieselben Orte wieder , von wo wir vor mehreren Tagen ausgegangen waren . Da wir uns nur die allernothwendigste Nahrung erlauben durften , so wurden unsere Kräfte erschöpft , und doch mußte auch diese Nahrung noch beschränkt werden , denn wir hatten bald gar keine Mittel mehr . Zwei Tage , ehe Sie uns fanden , war es uns schon nicht mehr möglich , ein wenig Brodt von den Bauern einzuhandeln , denn wir hatten auch nicht das kleinste Stück Geld übrig . Wir versuchten es , uns durch Beeren und Wurzeln zu ernähren , und wir wären gewiß verloren gewesen , hätte der Zufall Sie nicht zu unserem Beistande herbei geführt . Der Graf Robert umarmte seine Freunde in heftiger Bewegung , und sein Oheim wendete sich ab , um seine Rührung zu verbergen . Er sagte den beiden jungen Männern , daß er hoffe , sie seien auf Schloß Hohenthal in vollkommener Sicherheit , daß er aber zu ihrer Beruhigung noch nähere Erkundigung einziehen wolle . Da die Erzählung der Geschichte ihres Unglücks die Kranken sehr aufgeregt hatte , so rieth ihnen der Graf dringend , den Schlummer zu suchen , damit sie nicht , wie er lächelnd hinzufügte , sich den Tadel des Arztes und ihrer strengen Wärterin zuzögen . Er führte darauf den Grafen Robert mit sich hinweg und sagte : Ich bin vollkommen überzeugt , daß beide junge Männer ohne Gefahr hier bleiben können , wenn es nicht verrathen wird , daß sie mit Schill in Verbindung waren . Deßhalb müssen wir auf eine bestimmte Erklärung des jämmerlichen Zustandes sinnen , in dem wir sie fanden , denn glauben Sie mir , der Prediger wird nicht mit allgemeinen Antworten zufrieden sein . Und wenn er auch thäte , als wäre er es , so wird er so viele mißtrauische , spöttische Winke fallen lassen , daß er unfehlbar Argwohn erregen wird , und doch möchte ich auch ungern ihm das Geschick Ihrer Freunde aufrichtig vertrauen , denn er würde dieß Vertrauen zwar um keinen Preis mißbrauchen , sie unglücklich zu machen , aber er würde dadurch ein solches Uebergewicht erlangt zu haben glauben , daß er Ihnen , bester Vetter , oft unerträglich lästig sein würde . Der Graf Robert , der die Menschen nicht immer so milde betrachtete , wie sein Oheim , und der daher dem Prediger nicht sonderlich geneigt war , sah die Wahrheit des Gesagten ein . Nach langer Berathung kamen die beiden Verwandten überein , dem Prediger zu vertrauen , die beiden jungen Männer hätten sich nach Frankreich gewagt , um das Schicksal der Schwester des Einen und der ehemaligen Braut des Andern zu erforschen , und wären auf den französischen Obristen gestoßen , mit dem Wertheim das Duell der Schwester wegen gehabt habe . Die eingeleitete Verfolgung habe die jungen Männer zur Flucht genöthigt und sie gezwungen , sich ängstlich zu verbergen . Dadurch wären ihnen die Hülfsmittel ausgegangen und sie endlich in den kläglichen Zustand gerathen , worin man sie gefunden . Daß das französische Regiment abgelöst war , gab der Fabel einige Wahrscheinlichkeit , und da der Pfarrer bei seiner Neugierde im Grunde leichtgläubig war , so ließ sich hoffen , er würde die Unwahrscheinlichkeiten in dieser Erzählung übersehen . Der Graf Robert übernahm es , seine Freunde davon in Kenntniß zu setzen , auf welche Weise ihre Erscheinung auf dem Schlosse erklärt würde , damit sie im Stande wären , die Fragen gehörig zu beantworten , die der Geistliche unfehlbar an sie richten würde . Der große Tag war erschienen , an welchem das glänzende Manoeuvre des Baron Löbau Statt finden sollte . Er hatte alles gethan , um die Waffenübung des Grafen Robert zu übertreffen , den er mit einigem Verdruß als seinen Rebenbuhler betrachtete , ohne zu bedenken , daß er niemals auf die Idee gekommen wäre , Beschäftigungen der Art anzuordnen , wenn ihm nicht die Einrichtungen des Andern dadurch , daß sie das Streben ihn zu übertreffen in ihm weckten , eine Anregung gegeben hätten . Als die beiden Grafen erschienen , bemerkten sie eine Batterie von Kanonen , die ein Mittelding zwischen Scherz und Ernst , ein Spielwerk für Erwachsene genannt werden konnten . Mit leuchtendem Gesicht machte der Baron sie darauf aufmerksam , und er hatte die Genugthuung , daß der Graf alle seine Pläne lobte . Die Batterie wurde genommen und die Kavallerie auf den schönen Pferden entschied im bedächtigen Schritt , wie es angeordnet war , den Sieg . Es ist so kindisch , sagte der Graf Robert , als sie sich von dem entzückten Baron getrennt hatten , daß man nicht einmal darüber lachen kann . So ist es doch auch harmlos , erwiederte der Graf , und wird Niemand verletzen . Es liegt in jedes Menschen Seele eine gewisse poetische Sehnsucht , aus dem alltäglichen Leben heraus zu treten , etwas Besonderes vorzustellen . Sie offenbart sich schon bei dem Kinde in der Neigung zu Verkleidungen . Bei Niemandem von meinen Bekannten habe ich aber diese Sehnsucht so groß gefunden , als bei unserm guten Baron . Sie werden dieß in jeder kleinen Geschichte bemerken , die er erzählt , und ich habe mir oft gedacht , wenn er Talent genug zur Darstellung besäße und seine Phantasie dadurch befriedigen könnte , daß er Novellen und Romane schriebe , so würde er im gemeinen Leben der Wahrheit näher bleiben . So wäre also , rief der Graf Robert lachend , ein Lügner im Grunde nur ein verunglückter Dichter ? Warum wollen Sie es nicht so milde betrachten ? erwiederte sein Oheim , da zudem in jedem Menschen , auch in dem edelsten , sich eine kleine Neigung für diese Schwäche findet . Es ist wahr , sagte Graf Robert , ich möchte wohl den Menschen sehen , der sich rühmen könnte , nie die Unwahrheit gesagt zu haben , und es ist mir lieb , wenn ich mich künftig einmal auf