anheimgegebenen Eigentum , sie bewegt den Geist , daß er ganz eigentümlich das Eigentümliche fasse . So macht ' s die Liebe mit mir , in Dir werd ich meines Geistes mächtig , - und Du ? - Das leuchtende Grün , was der Baum in erneuter Frühlingskraft hervortreibt , das gibt Zeugnis , daß die Sonne ihm ins Mark dringt . - Und Du bist erfrischt durch diese Liebe , nicht wahr ? - Wer Dich mit leiblichen Augen sieht und sieht Dich nicht durch die Liebe , der sieht Dich nicht , Du erscheinst nur durch sie dem liebenden beschwörenden Geist . Je feuriger , je kräftiger die Beschwörung : je herrlicher Deine Erscheinung , je mächtiger Deine Einwirkung . Lieber Freund ! Meiner Beschwörung hast Du Dich aufs innigste vergegenwärtigt , ich habe Dich in jedem Gedanken als in einem magischen Kreis umfaßt , und der Inhalt mag sein , welcher er wolle , Du durchwaltest ihn und wohnst in jeder Gestalt , die mein Geist ausspricht . - Es ist wahr , Zauber ist Zauber , er hebt sich in sich selber auf , und darum leugnen sie seine Wirklichkeit ; sie glauben : nur was sinnlichen Leib habe , sei wirklich , und ihnen muß Verstand nur als sinnlicher Boden gelten . Das Werk Gottes aber ist Magie , die Liebe in unserer Brust , die Unsterblichkeit , die Freiheit sind magische Erzeugnisse Gottes , sie werden nur durch die Kraft seiner Beschwörung in uns erhalten , sein Hauch ist ihr Leben , sie sind unser Element , und in diesem verewigen wir uns , und ob auch Zauber ins Nichts verschwinden könnte , wie leicht ! - so ist er doch die einzige Basis der Wirklichkeit ; denn er ist Wirkung des göttlichen Geistes . Das Geborenwerden der göttlichen Natur ins irdische Leben und sein Sterben im vorbereiteten Schmerz ist magische Beschwörungsformel . Schmerz liegt in der Natur als der mächtige Übergang aus dem Nichts ins magische Leben . Leben ist Schmerz , aber da wir nur so viel Leben haben , als unser Geist verträgt , so empfinden wir diesen Schmerz gleichgültig , wär unser Geist stark , so wär der stärkste Schmerz die höchste Wollust . In meiner Liebe , sei ' s Abschied oder Willkomm , schwankt mein Geist immer zwischen Lust und Schmerz , denn Du machst meinen Geist stark , und doch kann er ' s kaum ertragen . Übergehen ins Göttliche ist immer schmerzlich , aber es ist Leben . Jedes Aneignen im Geist ist schmerzlich , alles , was wir erlernen , erkennen , macht uns Schmerz im Erwerben , so wie es in uns übergegangen ist , so hat es unsern Geist erhöht und befähigt , dies Leben kräftiger zu fassen , und was uns früher weh tat , das wird jetzt Genuß . Die Kunst ist auch Magie , sie beschwört auch den Geist in eine erhöhte sichtbare Erscheinung , und der Geist geht auch über die Schmerzensbrücke bis innerhalb des magischen Kreises . Genie ist der vorgreifende , wollustahnende , durstende Instinkt , sein Trieb überwindet das schmerzliche Zagen und reizt den Geist zu ewig neuer Energie . - Je leidenschaftlicher der Genius im Menschen , je mehr wird ihm Seligkeit Bedürfnis , je gewaltiger überwindet er , je gewisser ist er seiner Befriedigung ; - dies bejahest Du mir . - Ich stehe in meiner Liebe zu Dir zwischen diesem Schmerz und dieser genialischen Begierde , die Trägheit meines Geistes zu überwinden und Beseligung zu empfinden . Manchmal fühlt sich der Geist ganz verlassen , und ein Nichts nimmt die Stelle dieser enthusiastischen Begeistrung ein , und alles ist verschwunden . Aber wie könnte ich mir dies gefallen lassen . Nein , Du mußt Dich verzaubern lassen . Wenn Gott mich aus dem Nichts hervorberufen hat , wenn er mein Wesen gebildet hat als reinen Anspruch an die Seligkeit , so erwerb ich diese in der Magie der Liebe ; und aus Bedürfnis , aus göttlich eingeprägter Sehnsucht nach dem Schönen erhebt der Genius immer wieder die ermüdeten Flügel und hält treu und fest dies Herz zu Deiner Wohnung und die Seele , Dich zu empfinden , und den Geist , Dich zu fassen und zu bekennen , alles wie Du bist in Deiner innern Wesenheit . Und wenn dies alles wahr ist , was ich hier sage , und wir werden einst uns wiedersehen in einem höheren Leben , dann denke , daß mein Genie Deinem Geist gewachsen sein werde . * * * An Goethe13 22. März 1832 Hier aus den Bergesschluchten hervor wag ich ' s und komme ungerufen , unerwartet , wie manchmal sonst auf Deinen Wegen . Im Böhmer Gebirg , wo ich wie ein Stoßvogel auf dem vorragenden Gefels über Dir hing , weißt Du noch ? - Und wie ich dann niederkletterte ganz erhitzt , daß mir alle Adern im Kopf klopften , und wie Deine Hand meine Augenwimper vom Staub reinigte , und Du die kleinen Reiser und Moose aus meinen Flechten sammeltest und legtest es sanft neben Dich auf den Sitz ? Du weißt ' s nicht mehr . Scharen sind an Dir vorübergezogen , die Dich begrüßten mit lautem Ehrenruf , Kränze haben sie vor Dir hergetragen , die Fahnen haben sie vor Dir geschwenkt , die Könige kamen und berührten den Saum Deines Mantels und brachten Dir goldne Gefäße und legten Ehrenketten um Deine freie Brust . Du weißt ' s nicht mehr , daß ich Dir die gesammelten Blumen , die wilden Kräuter alle in den Busen pflanzte und die Hand darauf legte , um sie fester zu drücken . Du weißt ' s nicht mehr , daß meine Hand gefangen lag inmitten Deiner Brust , und daß Du mich den wilden Hopfen nanntest , der Wurzel fasse da und dann hinauf sich ranke und Dich überschlinge und umwachse , daß nichts mehr an Dir zu kennen sei als bloß der