dichten , weitverhüllenden Regenmantel , welcher ihr zu ihrem Vorhaben geeignet schien . Hierauf sagte sie zu Elsen , die sich mit dem kleinen Johannes bei ihr eingefunden hatte : » Gute Dirne ! Du hast schon viele Heftigkeit von mir ertragen und meinem aufbrausenden Zorn stille Geduld entgegengesetzt . Nun , da ein böses Geschick mir die Augen geöffnet , und mir selbst Duldung zur Pflicht gemacht hat , danke ich Dir für Deine Nachgiebigkeit , welche immer mit der seltensten Treue gepaart war . Du hast treu bei mir ausgehalten , seit mich ein widriges Gestirn in die Tiefe des häuslichen Unglücks versenkte ; nicht Dein Mund , nicht ein Blick von Dir hat mich fühlen lassen , wie sehr die Gegenwart meine Vergangenheit in Schatten stellt . Empfange dafür meinen herzlichsten Dank , und gib mir Gelegenheit , Dir eine noch wärmere Dankbarkeit widmen zu können . Willst Du , meine gute Else ? « - Die Zofe staunte bei dieser ungewohnten und aufrichtigen Sanftmuth ihrer Herrin , und versicherte sie ihrer Bereitwilligkeit . - » Entsinnst Du Dich noch des Traums , den ich Dir vor manchen Monden erzählte ? « fuhr Margarethe fort ! » Ich spottete damals Deiner finstern Ahnung , obwohl mir der Spott nicht von Herzen ging . Nun aber erwahrt sich das Gebilde jener Nacht auf eine furchtbare Weise . Aus der Zeit ist eine Schlange erwachsen , aus Allem dem , was ich für das Theuerste achtete , ist ein Ungeheuer entsprungen , das mir das Herz abfrißt . Ich weiß , um diese Schrecken zu mildern , nur einen Ausweg , und diesen zu ergreifen , sollst Du mir behülflich seyn . « - Else küßte der Gebieterin Hand , und fragte unter Thränen : » Was soll ich thun , ehrsame Frau , das Euch genehm wäre , und das Mittel darböte , den Frieden in Euer Haus und Herz zurückzubringen ? Wenn eine schwache Magd vollbringen kann , was Ihr begehrt , so zählt auf mich . « - » Ich muß fort ; « sprach Margarethe mit gedämpften Tone weiter : » noch in dieser Nacht muß ich fort . Begünstige diesen Vorsatz ; hilf mir hinaus aus diesem Gebäude , wo mich Kummer und Angst tödtet . « - » Fort ? « fragte Else erstaunt : » Fort ? Ei , um unsrer lieben Frauen willen ? was wollt Ihr beginnen ? Wollt Ihr Euern Herrn verlassen , und Euern guten Leumund zu Grunde richten ? oder wollt Ihr Euch ein Leides anthun ? Ach , liebe Meisterin , unterlaßt doch dieses Vornehmen ! Ihr seyd jung , Ihr seyd Mutter und Hausfrau . Verzweifelt nicht an der Barmherzigkeit , die Allen hilft . Ist der Kummer unverschuldet , der Euch drückt , ... und wie könnte es anders seyn ? ... so wird er Euch nicht tödten , und der Allmächtige Euch nicht umkommen lassen . Die Wahrheit muß ja doch endlich an ' s Tageslicht kommen , und Eure Feinde verderben . Man lebt nur einmal , gute Frau , und was helfen Euch alle Ehrenkronen auf Euerm Grabe , so bald Ihr die Augen nicht wieder aufthun könntet . « - » Nicht doch ; « versetzte Margarethe mit schmeichelnder Überredung : » Gutes Kind , Du irrst . Ich will weder flüchtig gehen , noch mir das Leben nehmen , und , wenn die Sterne mir günstig sind , bin ich morgen bei guter Zeit wieder zurück . Sollte ich jedoch nimmer wiederkehren , so sage meinem Herrn , daß er von Deiner Mutter erfahren würde , wohin ich gegangen , und wie mein letzter Gruß an ihn gelautet . Du aber bete dann für meine Seele , Mädchen ! « - » Ihr wollt mich beruhigen , ehrsame Frau ; « begann Else nach einer kleinen Weile , in welcher sie die Gebieterin stumm betrachtet : » und dennoch mehrt sich meine Angst . Wohin wollt Ihr gehen , daß Ihr vielleicht nimmer lebendig wiederkehren dürftet . O , liebe Frau , denkt an Euern Knaben ! « - Sie führte den wehmüthig die Hände faltenden Johannes zu Margarethen . Die Altbürgerin betrachtete den Knaben kummervoll , legte die Hand auf seinen Kopf , und sagte : » Armer Junge ! Du bist die Quelle des Unheils , das uns betroffen , und doch unschuldiger , als wir Alle ! Traue auf Gott , und er wird wohl an Dir machen , was Menschensinn verdarb . Du wirst , wie auch Dein Geschick sich wende , an Herrn Diether einen Vater finden . « - » Das walte Gott ! « seufzte das Mädchen : » Was wird aber der rauhe , argwöhnische Herr an dem Knaben thun , da Ihr , die Mutter , so kalt von ihm scheidet ? « - » Du schiltst mein Mutterherz ? « fragte Margarethe heftig , und ihr Auge suchte weinend am dämmernden Himmel den Wohnsitz des verblichnen Sohns . Sie faßte sich jedoch bald wieder , und fuhr gelaßner fort : » Die Nacht bricht ein , mein Kind . Laß mich nicht vergebens bitten . Bleibe mir treu ; ich fordre es vielleicht zum Letztenmale von Dir . Berichte mir , wenn Herr Diether heut Abend das Haus verläßt , und öffne mir alsdann die Thür , wenn Du ' s vermagst . Ich selbst habe die Schlüssel des Hauses nicht mehr , da sie mein Herr mir abfordern ließ , allein ich denke ... « - » Gute Frau , « fiel Else ein : » ich habe Mitleid mit Euch . Herrgott ! so jung , so schön und reich zu seyn , und doch nicht glücklich ! Das kann uns armen Leuten nicht recht zu Sinne gehen , wenn wir nicht in Herrendiensten sind . Ich sehe es aber hier deutlich , und will gerne die Hand zu einem Schritte bieten , von welchem , wie