so durchdrungen , daß er sich über den Führer von hinten hergeworfen und ihn geknebelt hatte . Nachdem er dies vollbracht , hatte er erst die Klagen des alten Mannes vernommen , der ihm alles Gute vorwarf , was er ihm getan , er hatte sich über eine so schlechte Vergeltung geärgert und den alten Mann losgebunden ; kaum aber ist der Köhler in Freiheit gewesen , so hat der die Gelegenheit benutzt , als er es am wenigsten erwartet , ihn zu binden , der Ritter hatte seinen Tod für gewiß gehalten , der Alte aber hatte ihn stillschweigend an den Platz geführt , wo er die Fremden vermutete . Anton fragte den Köhler nach der Ursach seines Betragens , der Alte brummte ganz ruhig : » Einmal war der Herr nicht recht klug , da konnte er es wohl öfter sein . « Dagegen war nichts einzuwenden , alles Zutrauen ist doch nur die Folge davon , daß es niemals gebrochen ; Anton suchte mit einem frohen Trinkgelage alle zu versöhnen , wozu er ein nah gelegenes verlaßnes Schloß erwählte , dessen Rittersaal , mit wilden Rosen reichlich geschmückt , die große Menge stattlich und bequem umfing . Güldenkamm war unterdes mit der stolzen Katharina beschäftigt , sie kam häufig zu der Gesellschaft zurück , er aber suchte sie auf allerlei Art davon zu entfernen , besonders von Anton , dem sie nicht abgeneigt schien . Als sie wieder allein war mit Güldenkamm , fing sie an ihn milder anzublicken und versicherte , sie wolle ihm in der Nacht etwas vertrauen , er möchte nur zu ihr schleichen , sie würde sich unter der hohen Eiche nicht weit vom Schlosse finden lassen . Sie sprach so ernst bei dieser Einladung , daß Güldenkamm erst an ein Liebesabenteuer gar nicht denken wollte , sie aber sah ihn zuweilen so schelmisch an und sang dann mit leiser Stimme : Auf den Berg bin ich gezogen , Hab den Vögeln zugeschaut , Wie sie da gespielet haben , Daß die Federn sind geflogen , Und ich nahm die kleinen Gaben , Hab ein Häuschen draus erbaut . Auf die Wiesen sah ich nieder , Und die Lämmer , mit Gespött Jagten sich in Rosenhecken , Wolle blieb da hin und wieder An den Dornenzweigen stecken Und ich machte draus ein Bett . Als der Erntewagen kommen , Zog er auch am Rosenzweig , Weil er war zu breit geladen , Hat der Zweig davon genommen , Wär ' s verloren , war ' s ein Schaden , Was ich sammle , macht mich reich . Haus und Bett und Winterfutter Hab ich mir nun angeschafft , Einsam lieg ich in dem Bette , In dem Haus befiehlt die Mutter , Wenn ich einen Liebsten hätte , Wär ich frei aus dieser Haft . Güldenkamm war von dieser Annäherung sehr überrascht , doch ging er gleich zur näheren Untersuchung dieses gepriesenen Heiratsguts mehr aus Neugierde , als daß sein Herz darnach verlangte . Katharina erzählte ihm nun ausführlich , daß sie lange Gänse gehütet habe und Schafe und alle verlorne Federn und alle hängen gebliebene Wolle sich aufgesammelt habe , nun sei daraus ein schönes breites Bette geworden , auch habe sie mit Ährenlesen eine kleine Scheuer gefüllt , das alles sei ihr Eigentum und wenn sie nun erst den Grafen , ihren reichen Vater , gefunden , da werde sie in Überfluß leben . Güldenkamm fragte nach dem Namen dieses Grafen , sie verwies ihn auf die Nacht , wo sie ihm alles sicher erzählen könne . » Seht da « , sprach sie , » ich werde schon wieder gescholten werden von dem alten Niklas , der sich ganz trotzig für meinen Vater ausgibt , aber Ihr braucht ihn nur anzusehen , so werdet Ihr finden , das sei unmöglich . « Der alte Köhler kam jetzt vorbei und befahl ihr mit grimmigen Gebärden ihn nach Hause zu geleiten , es sei finster und er werde bald nicht mehr recht sehen können . » Alter , bleibt hier « , sagte Güldenkamm , » es ist für Euch reichlich gesorgt mit Speise und Trank ! « - » Ich kann nicht « , sagte der Alte , » die Mutter wartet mit dem Essen . « - » Die wird was Schönes zugekocht haben « , sagte Katharina , » kein Mensch mag mit der essen , heut ist so ihr Tag , wo sie Rattenschwänze statt Nudeln in die Suppe tut . « - Der Alte ward böse und wollte Katharinen mit Gewalt fortreißen , aber Güldenkamm warf sich dazwischen und nötigte ihn mit Ernst in das Schloß zurück , wo er ihn der Aufsicht der Knechte übergab , damit er ihm sein nächtliches Abenteuer nicht durchkreuze . Als er das veranstaltet , fühlte er selbst , wie zerschlagen er war durch die Anstrengung vergangener Nacht , durch den Tritt des Ebers in seine Rippen , er konnte sich kaum regen , wenn er sich einmal niedersetzte , und mußte vor sich selbst lachen , wie er so eifrig einem Vergnügen auflauere , das er wohl gar verschlafen müsse , doch fühlte er dabei , daß die Lust ihren eigenen Kopf hat , und an den Leib nicht gebunden ist . Im Schlosse ward es immer unruhiger , auf dem Hofe tanzte und schlug sich das Bauernvolk bei dem Biere ; da hatten sie bunte Federn auf ihre Kappen gesetzt , da hatte einer schon seinen alten rostigen Degen gezogen , weil der Nachbar seine Frau in einen Winkel gezogen , dort hatten ein paar Weiber einander bei den Haaren und die Männer gossen ihnen ruhig kaltes Bier über die Köpfe ; der Dudelsack ging nicht schlecht . Im großen Schloßsaale ging es beim Weine noch etwas still zu , das ganze Zimmer war mit wilden Blumen aller Art gestreut , Anton und die meisten seiner Gesellschaft lagen umher und schienen in der Behaglichkeit zur Träumerei übergehen zu wollen