Aber was ich weiß von ihm , reicht aus . Das ist das mannhafteste Mannsbild , das ich je gesehen hab auf der Welt . Ist schlechter als schlecht und besser als gut . « Die wunderliche Neugier der Königin wuchs . » Der beweist das Leben und widerlegt den Tod . Schon siebenmal hat er im hänfenen Strick gehangen und ist jedesmal aus der Schling lebendig wieder herausgesprungen ins unsterbliche Lachen . « » Siebenmal gehangen ? Und siebenmal wieder auferstanden ? « Die Königin hatte die glänzenden Augen eines staunenden und begehrlichen Kindes . » Den will ich sehen . « Der Herzog sagte scherzend : » Aber da müßt Ihr Eure Zofen ermahnen , daß sich keine in ihn verliebt . Der Mann ist so keusch wie ein steinernes Heiligenbild . « » Gibt es solche ? « » Der ist einer . « » Das glaub ich nicht . « Belustigt schüttelte die schöne Frau das von kupferroten Locken umzitterte Köpfchen , das die zierliche Krone trug . » Heilige gibt es nur im Himmel . Auf Erden sind auch die Männer selten . « Als der König mit anmutsvollen Handbewegungen das jubelnde Volk zum Abschied grüßte und dem Hochsitz der Fürstentafel zuging , hängte sich Königin Barbara an den Arm des kleinen Herzogs . Über dem bunten Farbengewirr der sieben lärmvollen Tafeln schimmerte der große , schöne Saal von strahlendem Licht . Der Wein begann schon die Stimmen rauh und laut zu machen . Das Schwatzen wurde zum Geschrei , die Heiterkeit zum Gebrüll . Der König , der die Ausbrüche trunkener Stunden kannte , hatte seiner Gemahlin schon einen Wink zum Aufbruch der Frauen gegeben . Das wollte die Königin nicht bemerken ; in Eifer und mit schimmernden Augen lauschte sie den seltsamen Dingen , die Herzog Heinrich von seinem Galgenvogel Malimmes berichtete . Zwei Ratsherren kamen mit dem Goldenen Buche der Stadt zur Fürstentafel , damit der Herrscher und die Herzöge den festlichen Tag durch weise Worte verewigen möchten . Freundlich plauderte der König mit den beiden Bürgern über die Not der Zeit und schrieb in das Buch : » Streitigkeiten sollte man mit guten Worten schlichten , nicht aber mit bösen Streichen . « Diesen Weisheitsspruch der Majestät glossierte der Narr durch die Anmerkung : » Könige wissen immer das Rechte . Aber sie tun es nie . « Darunter schrieb Herzog Ernst von Bayern-München : » Gott hat den Frieden erfunden , der Teufel erfand den Krieg . « Friedrich von Zollern schrieb : » Wird ein Bauer erschlagen , so zittert die Krone seines Fürsten ; wird ein Bauer geboren , so wächst das Reich . Das Volk ist Volk auch ohne uns Fürsten , wir sind nicht Fürsten ohne das Volk . « Als Herzog Heinrich diese Worte las , nickte er seinem Schwager lächelnd zu und schrieb mit seinen flinken , kritzeligen Buchstäbchen darunter : » Leichter als den Verlust eines Dukaten verschmerzt die Welt den Totschlag von tausend Menschen . Wo Menschen sterben , gewinnt das bleibende Leben . Da werden die Leute tüchtiger , weil vier Fleißige leisten müssen , was früher zehn Faule nicht zustande brachten . « Herzog Wilhelm von München , der nicht las , was die anderen geschrieben hatten , bereicherte das Goldene Buch durch den alten Vers : » Was du weißt , verschweig , Wo dir wohl ist , bleib , Was du hast , behalt , Werd mit Lachen alt ! « Kardinal Branda schrieb lateinisch : » Gott und Petrus . Dann das andere . « Der Ingolstädter , als man das Buch vor ihn hinlegte , lachte heiser , tat aus seinem Becher einen schweren Trank , sah zum Ende der Tafel hinunter , wo der Bucklige in guter Laune zwei junge Damen der Königin zu verlegenem Gelächter brachte - und schrieb : » Ich hab an einer Gewohnheit gelitten : So oft ich bin von Haus geritten , Tat ich zu Gott ein heiß Gebet , Daß ich bald wieder heimkommen tat . Jetzt bitt ich meinen Herrgott sehr , Daß ich heimkomm nimmermehr . « Als das Goldene Buch nach langem Wandern zum Ende der Tafel kam , schrieb Ludwig Höckerlein mit zierlicher Klosterschrift ein einziges Wort unter die Verse seines Vaters : » Amen ! « Während er neben dieses Wort ein gekröntes Kreuzlein malte , gab es im Saal einen scharrenden Lärm . Frau Barbara hatte sich erhoben . Der König küßte seine schöne Gemahlin vorsichtig auf beide Wangen . Geführt von Edelknaben mit Windlichtern , unter einem Schmettertusch der Musikanten und unter den jubelnden Zurufen der Fürsten , Ritter und Ratsherren verließ die Königin mit allen Frauen den Saal . Ihrer Sänfte gingen die städtischen Pfeifer voran , und in den lichtschimmernden Gassen begleitete sie der fröhliche Jubel des Volkes bis zur Türe des Gumbrechtischen Hauses . Eine Stunde später , als die strenge Bierglocke der Stadtpolizei schon geläutet hatte und die dunkelgewordenen Gassen zu veröden begannen , huschte eine verhüllte Magd durch ein enges Gäßlein . Sie lief zum Platze vor dem Stadthaus und blieb da wartend in einem Winkel stehen . Droben im Saal war die Bankettmusik verstummt . Doch hinter den erleuchteten Fenstern tobte noch immer der heitere Lärm der betrunkenen Herren . Vornehmen Gästen , die den Saal verließen , wurde mit Wachsfackeln heimgeleuchtet . Mancher ging aufrecht , mancher taumelte . Den Herzog Heinrich , dem sehr übel geworden war , trug man zum Mallerschen Hause auf den Wadmarkt . Dann kam eine kleine Schar junger Hofleute . Bei ihnen war der Narr des Königs und ein Mißgestalteter in schimmerndem Festkleid . Er benahm sich sehr übermütig und machte Scherze , die seine Begleiter bei stetem Gelächter erhielten . Inmitten dieser Überfröhlichen ging ein hochgewachsener Mann mit anmutigem Schritt , schweigsam , über dem Kopf einen schwarzen Ratsherrenmantel . Die Nachtschwärmer zogen hinunter zum Latron . Hier lag , der alten Kapelle gegenüber , das von einem