Depesche verbergend , stürzte Tassilo ins Haus . Graf Egge war ohnmächtig geworden , kaum daß er die heilige Wegzehrung empfangen hatte . Mühsam entkleidete man den Bewußtlosen und brachte ihn zu Bett . Seine Ohnmacht ging in Schlummer über , in stille Delirien . Das währte die ganze Nacht . Gegen Morgen kam er zur Besinnung und wischte sich mit der Linken den Schweiß vom Gesicht . » Wer ist bei mir ? « Tassilo faßte seine Hand . » Ich , Vater , deine kleine Geiß und die Gundi Kleesberg . « » Einer fehlt . Und ich weiß , er kommt nicht mehr . Tas ! Nimm du dich seiner an ! Aber ich fürchte , daß ihm nicht mehr zu helfen ist . « Ein schwerer Seufzer löste sich aus der Brust des Kranken . » Ist das deine Hand , Tas , die ich halte ? « » Ja , Vater ! « Tassilos Stimme war tonlos . » Und du , Geißlein ? Komm ! Leg ' deine Hand dazu ! Tas wird dir den Vater ersetzen , und die Kleesberg wird dir eine Mutter sein - freilich eine etwas rapplige - , nichts für ungut , Sie guter alter Haubenstock ! Die beiden , liebe Schmalgeiß , werden sorgen für dein Glück - « » Vater ! Vater ! « Schluchzend schmiegte Kitty ihre Wange an die Schulter des Vaters . » Was machst du da für Geschichten , kleine Geiß ! Nimm dich zusammen ! Sei meine Tochter ! Stark ! - Gundi ! Nehmen Sie das Kind ! - Und du , Tas , laß unsere Leute kommen ! Und die Jäger ! Meinen braven Franzl ! Der hat fest zu mir gehalten . Jetzt soll er mir auch Waidmanns Heil wünschen zur Pirsch über alle Berge . Den halte dir warm , Tas ! Das ist ein feiner Kerl . Sei auch den anderen ein guter Jagdherr ! Sie verdienen es . Nur einer nicht ! « Graf Egges Stimme klang heiser , und zwischen den verzerrten Lippen blinkten die Zähne . » Tas ! Ich warne dich vor ihm . Der Schuft hat Aasgeruch an sich wie der Horst in der Hangenden Wand . Und Fänge hat er wie mein letzter Adler . Das zuckt nur ein bißchen - du merkst es nicht - und bist vergiftet ! Setz ' ihn hinter Schloß und Riegel ! In den Käfig ! Nein , Tas - den Käfig - reiß den verfluchten Käfig nieder - er stinkt ! Ich hab ' den Geruch in der Nase - zum Henker auch , so macht doch das Fenster zu ! Der Käfig stinkt ! Das Fenster zu ! « » Aber es ist ja geschlossen ! « stammelte Gundi Kleesberg . Graf Egge schien nicht zu hören ; immer wirrer wurden seine Reden , und seine Stimme versank in neubeginnendem Taumel . Eine Stunde lag er still , in dumpfem Schlaf . Als die Dämmerung des erwachenden Tages durch die Fenster graute , wurde er unruhig , und wieder begann das Raunen und Gemurmel : Jagd , Jagd , immer Jagd - und Willys Name . Während die Kirchenglocke ihren Morgensegen in die wachsende Helle sang , hob Graf Egge sich ächzend auf und griff mit der Linken unter die Kissen . Er zog einen Schlüssel hervor und drückte ihn in Tassilos Hand . » Nimm , mein guter Junge , nimm ! Sperr ' den Schrank auf ! Deine Hand ist sicher . Sperr ' auf und bring ' mir die Rubinen ! Links in der Lade liegen sie obenauf . So tu es doch ! Hörst du nicht , was ich sage ? Die Rubinen bring ' mir ! « Tassilo erfüllte den Willen des Vaters , obwohl er sah , daß das Fieber aus ihm redete . Graf Egge , als die Tablette mit den blutrot funkelnden Juwelen auf seinem Schoße lag , tastete mit zuckenden Fingern von Stein zu Stein und raunte : » Stimmt ! Stimmt ! Alle . Nur einer fehlt . Den hab ' ich dir geschenkt . Komm , mein guter Junge , nimm den da auch noch ! Es ist mein schönster . Ich schenk ' ihn dir . Aber zeig ' mir nicht dieses weiße , wächserne Gesicht . Oder willst du jagen ? Komm , ich weiß für dich einen Kapitalhirsch . Meinen besten . Komm , ich führe dich . Und meine Büchse laß ich daheim . - Ich kenne mich . Du sollst ihn haben ! Du ! Hast du Patronen ? Gut ! Alles gut . Aber dreh ' den blauen Rock um - die goldenen Knöpfe blinken - und wirf diese dummen Blumen weg , sie verpesten mir den Wald . Leiser ! Leiser ! Nimm die Schuhe besser in acht - « Graf Egges Züge verschärften sich , seine Nase wurde spitz und veränderte die Farbe ; sein Oberkörper schrumpfte in sich zusammen , und die starren Augäpfel quollen aus den Lidern . » Siehst du ihn ? Dort , im Lager ! Flink ! Er verhofft schon - « Keuchend ging der Atem des Sterbenden . » Her mit der Büchse ! Du fehlst ihn ja doch ! « Eine zuckende Bewegung des Armes , ein Laut wie ein Jauchzer , der in mattem Stöhnen erlosch - und Graf Egge fiel schwer zurück . » Die Kugel sitzt . Da liegt er - « Seine Glieder streckten sich . Die Tablette mit den Rubinen glitt zu Boden , und kollernd hüpften die funkelnden Steine nach allen Seiten über die Dielen . Von Jammer und Grauen erfüllt und den Ernst des Augenblickes ahnend , starrte Kitty zu ihrem Bruder auf . Als er die Arme nach ihr streckte , verstand sie , daß sie den Vater verloren hatte . Jetzt , in diesem fassungslosen Schmerz der ersten Trauerstunde , konnte sie leichter hören , was ihr Tassilo