Nach Kronen schöß ' ich sie und Pfaffenglatzen ! Ich schleuderte sie mit des Blitzes Eile ! Ich peitschte sie auf freche Schergenfratzen ! Wie Feuerruthen ! hiebe sie als Beile In manch geheiligt Bollwerk , würd ' die Tatzen Der herrschenden Gewalt damit beschneiden , Seciren in des Staates Eingeweiden ! Ich schwänge sie als zischend Henkereisen , Auf Höflingsstirnen Brandmale zu drücken ! Bald nahte ich mit Tritten , schleichend-leisen , Und höhnte ihre Willkür hinterm Rücken ! Bald würde ich als Löwe mich erweisen Und brüllen , bis sich die Pagoden bücken , Der Sündfluth Herold ! Ach , Phantome nur ! Denn wir besitzen eine Preßcensur . » Nur dreißig Jahre Preßfreiheit « erklärte Für nöthig man , den Klerus zu besiegen . Ich wollt ' , daß man uns nur ein Jahr gewährte . Nicht , weil wir zweifeln dennoch zu erliegen , ( Denn stets das Kreuz Aposteln man bescheerte ) Nein , nur uns zu persönlichem Vergnügen , Um unsern Abscheu völlig auszuschrei ' n Mit Worten , dauernder als Erz und Stein . Ja wahrlich , Steine möchte man empören , Doch besser ist ' s , die Steine aufzuheben , Damit ' s die gähnenden Tyrannen hören , Die der Lectüre wenig sich ergeben . Doch wenn die Fenster klirren , wollt ' ich schwören , Daß ihre Taubheit man curirt fürs Leben ! Nach Plötzensee schickt man die lästige Wahrheit , Doch nur Kanonen bringen hier uns Klarheit . » Verirrter Jüngling ! Dynamit-Sprengler ! « rief Feichseler . » Aber man sieht doch wo und wie ! Und dazu ist dieser Buchsbaum ein sehr bescheidener Mensch , der nicht an Größenwahn leidet wie die Andern . « Hier schnitten Lämmerschreyer und Luckner , die den Jüngling kannten , freilich eine sonderbare Grimasse . Aber Feichseler bot sofort einen Beweis , vor dem alles verstummen mußte : » Drei Mal hat er mich schon besucht , um , wie er sagte , von dem Rathe eines älteren Meisters , dem er über alles vertraue , zu profitiren . « Lämmerschreyer lächelte heimlich . Wie oft hatte er mit Buchsbaum über den » lächerlichen stelzbeinigen kleinen dünnen Kahlkopf « gelacht - » klein und schmächtig « galt bei diesen Kraftbengeln als ästhetische Verurtheilung , da sie wie die Chinesen die Mandarinenweisheit am Leibesumfang maßen . Feichseler verlas dann noch einen begeisterten Brief Buchsbaum ' s an ihn , welcher » Hochverehrtester Meister « anhob und » Ihr ganz gehorsamster « endete . Hier flocht Gotthold Ephraim Wurmb die Bemerkung ein , daß er eigentlich Buchsbaum entdeckt und in letzter Zeit vielen Gedichten desselben die Spalten seines alleinseligmachenden Blattes geöffnet habe . Am schärfsten klopfte man auf Mokamaute los , weil dessen dämonisch-krankhafte Individualität durch ihre , wenn auch ungesunde , Wahrhaftigkeit die conventionellen Phrasendrescher abstieß . Doch auch Krastinik sprach seine besondere Antipathie gegen diesen Dilettanten aus . » Sein Leid ist so unnennbar groß und er versichert Jedermann , daß seine Seele nun völlig in der Lüste ekelm Schlund verdorben sei . Aber mit hartnäckiger Rüstigkeit bestellt er den Weinberg der Poesie weiter und setzt seine Leiden in edler Druckerschwärze wie eine vollgeladene Weltschmerzpistole der verachteten Welt auf die Brust . Dieser Kultus der Stimmungslyrik , diese Scheinpoesie , die naturgemäß zur Spielerei und Duselei verlockt , saugt ihm das letzte Mark aus den Knochen . In diesen Beiträgen ist er ja noch gar nicht in seinem esse . Man muß ihn in ätherischen Sphärenräumen herumfuchteln hören . Da löst er zuguterletzt alles in Wortmusik auf , als begnadeter Stimmungsfritze im Vollgefühl des einzig wahren Schöpfermysteriums . Sternenthau und Veilchenblau zu einem weinerlichen Reim verknüpfen - das eigene Persönchen , das weltverachtend nach Weltlust lechzt , selbstverleugnend dem All vermählen , um desto brünstiger die Befriedigung unersättlicher Ichsucht zu genießen - das ist so der richtige Lyriker von Gottes Gnaden ! « Diese herben Worte , welche der männliche Sinn des Ungars ihm entpreßte , gingen besonders dem Herausgeber Lämmerschreyer wie Oel ein . Seine stumpfe griechische Nase blähte sich , als genösse sie einen fetten Bratengeruch , und sein Schlangenäuglein blinzelte tückisch . Nun kam Krastinik selbst an die Reihe . Graf Xaver Krastinik . Lebensritte . Dem Thoren scheint Thorheit , was der Weise spricht , Der Dinge Innerliches versteht er nicht . Was sind die Außenformen ? Ein Wirbel von Monaden . Der Geist in seiner Klause nur webt den rothen Faden , Der regelrecht sich hinzieht durchs Wirrsal der Erscheinungen . Doch blind ist Eure Wahrheit und Eure Fakta : Meinungen . Zu jedem Laster , sei es noch so arg , Liegt in Dir selbst der Keim , o Pharisäer ! Drum sei mit Deinem Tadel lieber karg ! O säh ' Dein eigenes Innere ein Späher ! Alles ist ein Wunder in der weiten Welt , Räthsel Dich umgeben , wohin Dein Auge fällt . » Ueber nichts Dich wundern « rieth ein Weiser zwar . Aber wer ' s befolgte , nie ein Weiser war . Alles will ich gern ertragen , Gern des Elends Fülle kosten . Eins nur mag ich nimmer wagen : Thatlos langsam zu verrosten . Doch wer mit der Welt der Kleinen Sich entwürdigend verschwistert , Muß sich ewig ihr vereinen , In ihr Stammbuch einregistert . Der Teufel hole das Nörgeln und Zaudern , Das Zupfen an jedem Eselsohr ! Kleckse machst Du über dem Plaudern ! Schmiere frisch darauf los , Du Thor ! Es gleicht der Leidenschaften Weg Dem Niedergang vom Bergessteg . Gleitet aus ein falscher Schritt , Reißt uns alle der Absturz mit . Was Optimist , was Pessimist ! O Don Quixot-Gerede ! O Fechten um des Kaisers Bart ! Windmühlenflügel-Fehde ! Die Welt lacht sich ins Fäustchen nur , Wenn Idealisten sich zanken , Und klatscht sich mästend Beifall gar Dem hungernden Gedanken . Und ist Euch nichts geblieben mehr , So gebt den letzten Thaler her Und kauft ein Stückchen