nehmend . In diesem Augenblick verstummte das Vögelchen , das oben in der Fensternische gesessen hatte und flog in einen der Bäume . Das bleiche , von dunkeln Locken eingerahmte Gesicht eines Knaben erschien in der Höhlung und schaute herunter , um sofort , nachdem es die Beiden erblickt hatte , wieder zu verschwinden . Daß Sie doch noch immer zum Scherz aufgelegt sind , lieber Felix ! sagte die Baronin . Noch immer ? erwiederte Felix , was ist denn geschehen , weshalb ich weinen sollte ? Sie können wohl nicht vergessen , was ich neulich Abends sagte ? Pah ! ich habe mich lange von dem Schreck erholt ; es war ein blinder Schuß , glauben Sie mir ! Ich wollte , ich könnte Ihre Zuversicht theilen , lieber Felix ; aber ich habe meine guten Gründe , anderer Meinung zu sein . Ich habe Helene seitdem genauer beobachtet ; ich kann mich von dem Gedanken nicht losmachen , daß doch etwas an der Sache ist . Aber , verzeihen Sie mir , Tante ; Sie haben ein bewunderungswürdiges Talent , Alles schwarz zu sehen . Es war ein kindischer Einfall von der kleinen Breesen ; sie wollte mich ärgern - voilà tout ! Ich kann Helenen nicht zutrauen , daß sie mir einen Schulmeister vorzieht . Es wäre ja lächerlich , horriblement lächerlich , sagte der Ex-Lieutenant und betrachtete wohlgefällig seine lackirten Stiefel . Und gesetzt auch , Helene könnte sich nicht so weit vergessen , - daß es nur die thörichte Laune eines Augenblicks wäre , versteht sich ohnehin von selbst - sind Sie denn mit ihrem Betragen , Ihnen gegenüber , zufrieden ? Sie wird ihr Betragen ändern , sobald sie sieht , daß wir Ernst machen . Und wenn sie sich nicht ändert ? Nun , so sind wir Gott sei Dank noch nicht verheirathet ; sagte Felix in der Bewunderung seiner Stiefel verloren , wahrscheinlich nicht genau wissend , was er sagte . Dann dürfen wir ja auch unser Gespräch abbrechen , sagte die Baronin sich erhebend ; wenn Sie mit einer solchen Gleichgültigkeit von dem Scheitern eines Planes sprechen können , an dessen Ausführung , sollte ich denken , uns Beiden gleichviel gelegen sein muß , so verlohnt es sich auch nicht der Mühe , weiter darüber zu reden . Aber theuerste Tante , sagte Felix aufspringend und der Baronin die Hand küssend ; Sie sind auch wahrlich heute in einer schauerlichen Laune . Wie können Sie ein Wort , bei dem ich mir , auf Ehre , nicht das Mindeste gedacht habe , so übel nehmen ? Es fuhr mir so heraus . Sie wissen ja , daß meine Zunge Vieles spricht , was ich bei Leibe nicht verantworten möchte . Setzen Sie sich wieder , ich bitte Sie . Sie sagten , wenn Helene ihr Betragen nicht ändert ? meine ernste Antwort ist : so heirathe ich sie doch . So etwas findet sich , wenn man nur ernst im Wagen sitzt ; auf der ersten Station wird geweint : auf der zweiten wird geschmollt ; auf der dritten fängt man an zu lächeln ; auf der vierten - Genug ! sagte die Baronin , Sie sind ein unverbesserlicher Leichtfuß , der - Ueberall da hingelangt , wo er hingelangen will . Und deshalb lassen Sie Ihre Bedenken fahren und uns zum Kaffee gehen , der sonst wahrlich kalt wird . Nicht so schnell ! sagte die Baronin ; wozu rathen Sie denn nun ? Wozu ich immer gerathen habe . Sagen Sie Helenen - da ich ja doch einmal mich auf keinen Fall direct in die Sache mischen soll - Du heirathest Deinen Vetter , Baron Felix von Grenwitz , und zwar binnen hier und irgend einer beliebigen Zeit . Abgemacht , Sela . Ist das Ihr Ernst ? Mein wohlerwogener Ernst . Wann wollen Sie den großen Ball geben ? Uebermorgen . Gut . Das ist eine vortreffliche Gelegenheit , der Gesellschaft unsere Verlobung anzukündigen . Sagen Sie Helene : wenn Du am Donnerstag Abend nicht Felix ' Verlobte bist , gehst Du am Freitag früh in die Pension zurück . Sie sollen sehen : das hilft . Ich fürchte , die Drohung dürfte den entgegengesetzten Erfolg haben . Man hat Helene in Hamburg viel zu sehr verwöhnt . Ich glaube , sie ginge lieber heute zurück , als morgen . Eh bien ! so schicken Sie die kleine Widerspenstige nach Grünwald in die Musterpension von Fräulein Bär . Es ist das freilich , wie mir die kleine Breesen , die dort erzogen ist , neulich mittheilte , eher eine Strafanstalt als eine Pension ; aber je schlimmer , desto wirksamer - ich meine , die Drohung , denn daß es ma chère cousine nicht zum Aeußersten kommen lassen , sondern sich , genau zur rechten Zeit , besinnen wird , darauf hin will ich mich hängen lassen . Verzeihen Sie , Tante ; ich weiß , Sie lieben die starken Ausdrücke nicht . Es ist wirklich eine recht üble Angewohnheit von Ihnen , sagte die Baronin , sich erhebend , während Felix ihrem Beispiele folgte . Die ich Ihnen zu Gefallen ablegen werde , erwiederte er , der Baronin den Arm bietend . Noch eins , sagte diese , stehen bleibend ; glauben Sie , daß Grenwitz darein willigen wird ? Ob ich das glaube ? rief Felix mit einem für den alten , guten Baron wenig schmeichelhaften Lachen ; ob ich das glaube ? Ma foi , chère tante , da müßte mein sehr würdiger Onkel doch nicht beinahe zwanzig Jahre unter Ihrem Commando gestanden haben . Wie lange habe ich denn die Ehre , unter Ihnen zu dienen ? ein paar Wochen , und ich dächte , ich wäre schon ganz passabel gedrillt . Sie sind ein Schmeichler , sagte die Baronin gütig , aber man kann Ihnen nicht bös sein . Und das Paar entfernte sich , Arm in Arm . Als die Stimmen