den ehrwürdigen Hans Sachs gesellet ; dieser stellte sich dar in dunkelfarbigem Pelzmantel , ehrbar und stattlich wie ein wohlgelungenes Leben und doch mit dem Sonnenschein ewiger Jugend um das weiße Haupt . Das junge Weib mit voller Brust und rundem Leib , wie Goethe sang , hatte ihm gezeigt : » Der Menschen wunderliches Weben , Ihr Wirren , Suchen , Stoßen und Treiben , Schieben , Reißen , Drängen und Reiben , Wie kunterbunt die Wirtschaft tollert , Der Ameishauf durcheinander kollert ! - Unter dem Himmel allerlei Wesen , Wie ihr ' s möcht in sein ' n Schriften lesen . « Welcher auch das alte Weiblein zu ihm gleiten sah : » Man nennet sie Historia , Mythologia , Fabula . Sie ist rumpfet , strumpfet , bucklet und krumb , Aber eben ehrwürdig darumb « - auch welcher tat einen Narren spüren » mit Bocks- und Affensprüngen hofiren « ; welchem endlich stieg » auf einer Wolke Saum Herein zu ' s Oberfensters Raum Die Muse , heilig anzuschaun Wie ' n Bild unsrer lieben Fraun . Die umgibt ihn mit ihrer Klarheit , Immer kräftig wirkender Wahrheit . « - Und obgleich hier der Sängergreis ganz erschien , wie ihn sein wackerer Schüler Puschmann beschrieben : » In dem Saal stund unecket bedecket ein Tisch mit Seiden grün , am selben saß ein Alt Mann , was Grau und weiß , wie ein Taub dermaß , der hett ein ' n großen Bart fürbas ; in ein ' m schönen großen Buch las mit Gold beschlagen schön « ; so verstand der Darsteller doch sein Urbild so wohl , daß man ihm noch ansah , was Goethe wieder sang : » Ein holdes Mägdlein sitzend warten Am Bächlein beim Holunderstrauch ; Mit abgesenktem Haupt und Aug Sitzt ' s unter einem Apfelbaum Und spürt die Welt rings um sich kaum ; Hat Rosen in ihr ' n Schoß gepflückt Und bindet ein Kränzlein gar geschickt Mit hellen Knospen und Blättern drein . Für wen mag wohl das Kränzel sein ? - - Wie er den schlanken Leib umfaßt , Von aller Müh er findet Rast ; Wie er ins runde Ärmlein sinkt , Neue Lebenstäg und Kräfte trinkt . - - So wird die Liebe nimmer alt Und wird der Dichter nimmer kalt . « - So ging er jetzt im Schmucke des Alters und der Poesie daher , ein großes Buch tragend . Aber das bürgerliche Lied war dazumal so reich und überquellend , daß es mit jeder Meisterschaft unzertrennlich war und hauptsächlich auch unter dem Banner der nun folgenden Baderzunft hinter Schermesser und Bartbecken herging . Da war unter den kränzegeschmückten Gesellen Hans Rosenplüt , genannt der Schnepperer , der vielgewanderte Schalks-und Wappendichter , ein krummbuckliger munterer Gesell mit einer großen Klistierspritze im Arm . Mit langen Schritten folgte diesem der hochbeinige magere Hans Foltz von Worms , der berühmte Barbier und Dichter der Fastnachtsspiele und Schwänke und als solcher Genoß des Rosenplüt und Vorzünder des Hans Sachs . Zwei Bartscherer und ein Schuhmacher pflegten so das zarte Schoß des deutschen Theaters . Liederreich waren alle die alten Zünfte , die jetzt folgten in ihren bestimmten Farben an Kleid und Banner ; die Schäffler und Brauer , die Metzger , welche in rotem und schwarzem , mit Fuchspelz verbrämten Zunftgewande höchst tüchtig aussahen , sowie die hechtgrauen und weißen Bäcker ; die Wachszieher , lieblich in Grün , Rot und Weiß , und die berühmten Lebküchler , hellbraun mit Dunkelrot gekleidet ; die unsterblichen Schuster , schwarz und grün , in die Farbe des Peches und der Hoffnung gehüllt ; buntflickig die Schneider ; die Damast- und Teppichwirker , bei welchen das Künstlichere den Anfang nahm und schon meisterliche Namen aufzeichnete ; denn diese webten und wirkten die fürstlichen Teppiche und Tücher , mit denen die Häuser der großen Kaufherren und Patrizier angefüllt waren . Alle nun folgenden Zünfte waren angefüllt mit einer wahren Republik kraftvoller , erfindungsreicher und arbeittreuer Handwerks- und Kunstmänner . Die Tüchtigkeit teilte sich sowohl unter die Gesellen , welche manchen handlichen berühmten Burschen aufzuweisen hatten , als unter die Meister . Schon die Dreher zeigten den Meister Hieronymus Gärtner , welcher mit kindlich frommem Eifer aus einem Stücklein Holz eine Kirsche schnitzte , so zart , daß sie auf dem Stiele schwankte und die Fliege , welche auf ihr saß , mit den Flügeln wehte und auf den Füßen sich bewegte , wenn man daran hauchte - der aber zugleich ein erfahrener Meister und Errichter von Wasserwerken und kunstreichen Brunnen war . Unter den Hufschmieden , rot und schwarz gekleidet wie Feuer und Kohle , ging Meister Melchior , der die großen eisernen Schlangengeschütze aus freier Hand schmiedete ; unter den Büchsenmachern der erfindungsreiche Geselle Hans Danner , welcher schon dazumal von den harten Metallen Späne trieb , als hätte er weiches Holz unter den Händen , und sein Bruder Leonhard , der Erfinder von mauerstürzenden Brechschrauben . Da ging auch der Meister Wolff , Danner , der Erfinder des Feuersteinschlosses an den Gewehren und Büchsen , die er trefflich schmiedete und künstlich ausbohrte , und neben ihm Böheim , der Meister der Geschützgießer , welche ihre gleißenden , wohlverzierten Geschützröhren , Kanonen , Metzen und Kartaunen durch alle Welt berühmt machten . Überhaupt war der Krieg die zehnte Muse . Die Zunft der Schwertfeger und Waffenschmiede allein umfaßte eine mehrfach gegliederte Welt kunstreicher , feiner und fleißiger Metallarbeiter . Der Schwertfeger der Haubenschmied , der Harnischmacher , jeder von diesen brachte den Teil der kriegerischen Rüstung , der seinem Namen entsprach , zur größten Gediegenheit und Zierlichkeit und bewährte darin ein nachhaltiges Künstler dasein . Wunderbar löste sich diese strenge Einteilung und Beschränkung in die Freiheit und Allseitigkeit , mit welcher die schlichten Zunftmänner wieder zu den wichtigsten Taten und Erfindungen vorschritten und alle wieder alles konnten , oft ohne lesen und schreiben zu können . So der Schlosser Hans Bullmann , der Verfertiger großer Uhrwerke