das plappernde Ding , die Ellen , lebt der Graf Crecy in finsterer , menschenfeindlicher Zurückgezogenheit und findet weder Trost , noch Freude ? « » Was willst Du mit ihm , Emmy ? « rief Reginald bebend ; - » was kümmert Dich der unglückliche Mann , der mein Wohlthäter war von Jugend auf , und dessen Trübsinn ich schmerzlich beklage ? « » Ha , schweig ' , « rief Emmy - » und spare Dein thöricht Mitleiden ! Dieser Wohlthäter , wie Du ihn zu nennen wagst , ist der Räuber Deines Namens , Deines Ranges - der Mörder Deiner Mutter - der größte Bösewicht der Erde und Dein rechtmäßiger Vater - Du sein erstgeborner , ehelicher Sohn ! « Mit einem Schrei sprang Reginald von seinem Platze auf - wild , außer sich , ergriff er Emmy - er schüttelte sie mit einer Kraft , daß sie bebte , und bleich , mit Schweißtropfen die Stirn bedeckt , schrie er auf , als wolle ihm das Herz brechen . » Weib , Du bist wahnsinnig ! « stieß er endlich hervor - » oder Du lügst - wo bin ich - wer rettet mich vor dem Gifte ihrer Worte ! « Er stürzte zu Boden und verhüllte sein Angesicht . Emmy sah dem Allen ohne Erschütterung zu , wie einem längst Erwarteten - Unabweislichen . Endlich sagte sie fast ruhig : » Ja , ja , Du hast Recht - es wäre besser , ich wäre wahnsinnig - besser selbst , ich löge - als daß es Wahrheit , schreckliche Wahrheit ist ! Auch war es nah ' daran , mein Kind - und nur Du hast mich vor Wahnsinn bewahrt , nur Dein unschuldig Kinderauge , Dein Lächeln , Dein erstes Stammeln , Deine kleinen Schritte - daran blieb ich ein Mensch ! « Sie seufzte tief und schwieg , ruhig , wie es schien , den ersten Schmerzin Reginald abwartend . Sie brauchte nicht viel Zeit ; er sprang empor , gereizt von der angeregten Qual . Aber sie hatte Recht gesagt - sein Herzschlag war gehemmt - seine Jugend schien zu welken ! » Gieb mir Rechenschaft , « sagte er hohl - » beweise ! Es ist schwer - sehr schwer , was Du da sagst - das tödtet Viele ; - und ich - ich kann dann nie wieder froh sein ! « » Was liegt an Allen ! « sagte Emmy hart - » wenn Du nur Deine Mutter rächst - wenn Du nur , Du einzig rechtmäßiger Graf Crecy , diesen Namen wiederforderst und ihn behauptest , um der Ehre Deiner Mutter willen ! « » Und der jetzige Graf Crecy , Ludwig ? « rief Reginald mit Schmerzenslauten . - » Ist ein Bastard ! Ein verworfenes , von allen Gesetzen im Himmel und auf Erden verdammtes , rechtloses Kind ! « » Aber mein Bruder ! « rief Reginald . - » Mein Bruder ! - Ludwig mein Bruder ! « Dieser Gedanke rettete ihn . Es war der Sonnenblick der Liebe , der dies in der Erstarrung seufzende Herz seinem Elemente zurückgab . Ludwig war sein Bruder ; - welch ' eine Wonne ! O , vergeben wir ihm , daß er weniger Sohn als Bruder war ! Sollte er doch jenes um den fürchterlichen Preis des Hasses und der Rache werden - schien ihm doch der Bruder der einzige Trost dieses entsetzlichen Augenblickes ! Mißbilligend betrachtete ihn Emmy Gray . Er entsprach ihrem zürnenden Herzen nicht . Sie hatte keinen Maaßstab für ein junges , edles Gemüth , von böser Sucht noch unberührt . Doch faßte sie sich . Noch kannte er das Schicksal seiner Mutter nicht ; - damit mußte ihm die Stimmung kommen , die sie erwartete . » Setze Dich , « sagte sie gebietend - » wir haben noch Viel vor uns - Viel - Viel mußt Du hören - mit vollen , klaren Sinnen hören und wohl bewahren in Deinem Gedächtnisse , damit Du den Teufelskünsten stehen kannst , die Dir entgegen treten werden . « Schaudernd folgte Reginald ihrem Gebote . Der jähe Zustand , den das bis jetzt Erfahrene in ihm erregt , ließ ihn keine Richtung festhalten ; er beschloß , das , was er hören müßte , streng zu prüfen . Einer Unwahrheit beschuldigte seine fürchtende Seele die alte , gebietende Frau nicht ; aber er dachte an eine Entstellung durch ihre leidenschaftliche Stimmung . O , wie schön und warm belebte ihn das jugendliche Verlangen , zu versöhnen und zu entschuldigen ! Wir wissen , was ihm von Emmy Gray mitgetheilt werden konnte ; und indem wir hinzusetzen , daß sie Nichts verschwieg , Nicht mit ihrem gegenwärtigen Verstande versäumte , was die Dinge zur anschaulichen Thatsache erhob , werden wir begreifen können , wie Reginald sich zuletzt um alle seine frommen Hoffnungen betrogen fand . Immer bleicher und bleicher werdend , starrte er die rächende Frau vor sich an , in deren harten Zügen kein Hauch von Schonung oder Mitleiden neben der zornigen Anklage Raum fand . Das frühe Alter hatte ihr Antlitz gefurcht , ihre Gestalt gebeugt ; sie trug schwere , steife Trauerkleider , und ihre Bewegungen waren durch die Wichtigkeit der Gedanken , die sie erfüllten , tragisch und edel . Eine solche Persönlichkeit unterstützte , ohne daß er darüber zum Bewußtsein kam , was sie sagte . Reginald fühlte die Macht der Wahrheit ; er hörte bloß noch , und nahm auf , was sie ihm gab , er urtheilte nicht mehr darüber . Auch sagte sie nur die Wahrheit - sie war inhaltsschwer genug ! - Als sie geendet , wurzelte ihr durchdringendes Auge auf Reginald . Er sprang auf und rief , die Hände zum Himmel streckend : » Mutter , Mutter , ich will Dein Sohn sein vor Gott und Menschen ! O , sieh ' herab ; denn ich bin damit dem Unglücke geweiht ! «