die ganze Sache , die jetzt so allgemein mit Eifer getrieben wird , von mir ausgeht ; denn ich machte Ihren Herrn Vetter zuerst darauf aufmerksam , wie vortheilhaft es sein würde , wenn man die jungen Leute abhielte , sich Sonntags in den Schenken zu versammeln , wo der Trunk oft zu Raufereien führte , und daß es in unserer jetzigen Zeit eine Wohlthat sei , wenn sie mit den Waffen umzugehen wüßten , um im Nothfalle sich und die Ihrigen beschützen zu können . Der Graf sah seinen Vetter an , der das Lachen mit Mühe unterdrückte . Der Baron aber fuhr mit großer Behaglichkeit fort : Versprechen Sie mir morgen zu kommen . Ihr Herr Vetter kennt den Weg zu meinen Uebungsplätzen , und ich gebe Ihnen mein Wort , Sie sollen eine Kavallerie sehen , die auch den Kenner befriedigen würde . Die Leute haben Pferde , deren sich ein Prinz nicht schämen dürfte ; Sie können hier eine Probe davon sehen . Er deutete bei diesen Worten auf die beiden bunten Leute , die ihn begleitet hatten , und bezeichnete sie auf diese Weise als Kavalleristen , die zu seiner Miliz gehörten . Beide Grafen hatten Mühe ernsthaft zu bleiben , versprachen aber den Baron zu befriedigen und seinem Manoeuvre des andern Tages beizuwohnen , worauf er sich , in seiner gutmüthigen Thorheit beglückt , nach dem herzlichsten Abschiede von ihnen trennte . Auf dem Rückwege nach dem Schlosse , nachdem sie sich von dem Prediger getrennt hatten , erzählte der Graf Robert seinem Oheim , daß , nachdem er angefangen habe die jungen Leute unter demselben Vorwande , den der Baron ihnen als seine Gründe aufgestellt habe , zu Waffenübungen zu versammeln , der Baron mit lebhaftem Eifer sogleich gestrebt habe ihn zu überbieten , indem er dem Fußvolke eine uniformirte Reiterei beigefügt habe , die aus zehn bis zwölf Mann seines Hofgesindes bestände , die freilich alle schöne Pferde aus des Barons Ställen ritten . Die Hauptkunst bei ihren Manoeuvres bestände aber darin , sagte er , die Pferde zu schonen , die auf keine Weise erhitzt oder angestrengt werden dürften , so daß alle Evolutionen im ruhigsten Schritt ausgeführt werden müßten . Der Graf lachte und sagte , die Thorheit des guten Barons , die gewiß in der Gegend den meisten Lärm verursacht , ist sehr nützlich , denn sie dient dazu , die Aufmerksamkeit von Andern ab und auf ihn zu lenken , und die Manoeuvres auf seinem Marsfelde werden keine Art von Mißtrauen erregen . So ist es , erwiederte der Graf Robert , weil er selbst so weit davon entfernt ist , einen höheren Zweck zu ahnen . Wenn sich französische Officiere in der Nähe befinden , so ladet er sie jedes Mal feierlich ein , um sie darauf aufmerksam zu machen , welche trefflichen Hülfstruppen sie aus den preußischen Landen im Fall des Bedürfnisses zu erwarten hätten , seit auf seine Veranlassung an mehreren Orten Waffenübungen Statt fänden , und also künftig statt vorher ungeschickter Rekruten nun völlig eingeübte Streiter ausgehoben werden könnten . Die Sache ist unter den Franzosen ein Gegenstand des Scherzes , und wenn junge Officiere gegenwärtig sind , so bemerken sie leicht seine Schwachheit für seine Kavallerie , und er ist mehr als ein Mal dadurch geängstigt worden , daß diese sich dann zu Kommandeurs seiner Kavallerie aufwerfen und sie Bewegungen machen lassen , die ganz von dem sanften Schritte der Gewohnheit abweichen . So dient er doch auch dem Vaterlande , sagte der Graf , und wenn es einmal Ernst wird , so wird derselbe Ehrgeiz , der jetzt thöricht erscheint , ihn auch zu ernsten Anstrengungen vermögen . Man erreichte das Schloß und beide Grafen besuchten die Kranken , deren Zustand sich sehr verbessert hatte und die der Arzt außer Gefahr erklärte . Das bleiche Gesicht des Herrn von Wertheim röthete sich flüchtig , als er den Grafen erblickte . Es ist eine eigene Strafe meiner Rohheit , sagte er mit bewegter Stimme , daß ich Ihnen mehr als ein Mal Schutz , Rettung meines Lebens und Unterstützung verdanken muß , die man nur mit Widerstreben aus der Hand des vertrautesten Freundes empfängt , und aus der großmüthigen Hand eines beleidigten Mannes nicht anders als mit tiefer Beschämung empfangen kann . Vergessen Sie doch endlich eine jugendliche Unbesonnenheit , sagte der Graf gütig , die ohne Ihre Erinnerung mein Gedächtniß mir nicht zurückgerufen hätte , und denken Sie nur daran , daß Ihre und Ihres Freundes Gesundheit wieder hergestellt werden muß . Der Baron Lehndorf wagte die Frage , ob sie sich im Schlosse Hohenthal wohl als gesichert betrachten könnten , und der Graf erkundigte sich nun nach ihrem Verhältnisse zu Schill und nach den näheren Umständen ihres Unglücks . Beide Freunde waren tief erschüttert , als sie an das unglückliche Ende ihres hochverehrten Anführers erinnert wurden , doch beherrschte der Baron Lehndorf zuerst seine Rührung und sagte , daß sie Schill als Freiwillige und als Freunde gefolgt wären , und ihre Namen sich in keiner Liste befänden , die man hätte auffinden können . Dann begreife ich nicht , sagte der Graf , wie Sie sich nicht mit einiger Behutsamkeit sogleich hieher gewendet haben . Die schreckliche Niederlage bei Stralsund , sagte Wertheim , hatte uns aller Mittel beraubt , uns zu zeigen . Wir besaßen nichts als die Uniform , die wir an uns trugen , und einige Silbermünzen von unbedeutendem Werth . Es stand also nicht in unserer Gewalt , die Kleidung abzulegen , die uns kenntlich machte , und wir verbargen uns am Tage in Wäldern und Sümpfen , um dem Schicksale unserer Gefährten zu entgehen , von denen wir zuweilen von unserm Verstecke aus einzelne von den feindlichen Truppen Eingefangene bemerkten , die einem schmählichen Loose entgegengeführt wurden . Wir hatten die Absicht uns dennoch , trotz der Gefahr hieher zu wenden . Da wir aber nur bei Nacht wandern konnten , so verirrten wir uns oft