zuströmend . Es ist Nacht , ich schreib beim Sternenlicht . - Weisheit ist wie ein Baum , der seine Äste durch das ganze Firmament verbreitet , die goldnen Früchte , die ihr Gezweig zieren , sind Sterne . Wenn nun eine Begierde sich regt , die die Früchte vom Baum der Weisheit genießen möchte ? Wie komme ich dazu , diese goldnen Früchte zu erlangen ? - » Die Sterne sind Welten « , sagt man : ist der Kuß nicht auch eine Welt ? - Und ist der Stern größer Deinem Auge als der Umfang eines Kusses ? - Und ist der Kuß geringer Deinem Gefühl als das Umfassen einer Welt ? - Drum : - die Weisheit ist Liebe ! Und ihre Früchte sind Welten , und der täuscht sich nicht , der im Kuß eine Welt empfindet ; ihm ist eine reife Frucht , ein an dem Lichte der Weisheit gereifter Stern in den Busen gesunken . - Der aber , Freund , - der von solcher Himmelskost genährt wird , zählt er noch für vollgültig unter den Menschen ? - Ich gehe nun schlafen , die Stille der Nacht , die heimliche Zeit verwendet Psyche , um zu Dir zu dringen . Oft führt sie der Traum zu Dir , sie findet Dich vielleicht durchkreuzt von tausend Gedanken , deren keiner ihrer erwähnt . Doch sie senkt die Flügel und küßt den Staub Deiner Füße , bis Dein Blick sich ihr neigt . * * * Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt ! Hinab ins Tal , mit Rasen sanft begleitet , Vom Weg durchzogen , der hinüber leitet , Das weiße Haus inmitten aufgestellt , Was ist ' s , worin sich hier der Sinn gefällt ? Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt ! Erstieg ich auch der Länder steilste Höhen , Von wo ich könnt die Schiffe fahren sehen Und Städte fern und nah von Bergen stolz umstellt , Nichts ist ' s , was mir den Blick gefesselt hält . Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt ! Und könnt ich Paradiese überschauen , Ich sehnte mich zurück nach jenen Auen , Wo Deines Daches Zinne meinem Blick sich stellt , Denn der allein umgrenzet meine Welt . Gereimt und ungereimt sag ich Dir dasselbe , und Du ermüdest nicht , mich anzuhören . Ich sitze hier auf der Bank in der Dämmerung , wo der sinkende Tag vom aufgehenden Mond noch das Licht borgt , und freue mich , meine Welt im Zwielicht zu überschauen . Vor wenig Minuten lag alles noch im Sonnenglanz , da war ich unruhig , ob ich bleiben oder gehen solle . Jetzt , seit der Mond gestiegen ist , weiß ich , daß ich bleibe ; in seinem Licht erkenn ich meine Welt , seine Strahlen ziehen mich in ihren Zauberkreis , und was ich auch Unglaubliches für wahr halte , das verneint er nicht wie das Sonnenlicht . Er schmiegt sich schmeichelnd in den Schoß der Täler , und ich fühle deutlich , wie sie ihn liebt , die Natur , und wie er ihr geneigt ist , der Mond . Wär ich Dir , was die ganze Natur dem Mond ist , der lebenerregend in ihren Pulsen spielt , der leise Lüfte als Boten aussendet , der die samenbeflockten Schwingen des Abendwindes niederbannt ins tauige Gras und seinem befruchtenden Licht ihre Kraft aufregt : dann wär mein ganzes Sein ein Empfängnis Deiner Schönheit . Soviel Blüten sich ihm erschließen , soviel Schmeichelreden Dir von meinen Lippen fließen , soviel Tautropfen in seinem Licht glänzen , soviel Tränen der Luft sich sammeln unter dem Einfluß Deines Geistes . * * * Ich danke Dir , daß Du gekommen bist , es war so grau und trüb , ich sah mich in der weiten Ferne um und dachte schon , es würde mich überkommen wie das Wetter , wo sparsame Tränen aus den Wolken träufelten und der Himmel schwer und traurig war und viel düsterer aussah , als wenn es noch so sehr geregnet hätte . - Da kamst Du . - Du hast nichts gesagt vom Abschied und hast mich beschämt ; denn ich hatte es auf der Zunge zu klagen , ja , es war schöner so , daß wir nicht Abschied nahmen ; - wir beide nicht . - Wie hab ich diese Zeit verbracht ? - Gar zu glücklich ! - Das Gefühl Deiner Nähe hat jeden Atemzug beseligt , das nenne ich mir himmlische Luft - und Du ? - Hab ich Dir auch nicht mißfallen ? - Ach beschäme mich nicht , vergesse , was Dir nicht zusagte , wenn ich manchmal zu heftig war und Deine leisen Winke nicht verstand . Meine leidenschaftlichen Stimmungen sind ohne Ansprüche , sie sind wie Musik , auch die verlangt keinen irdischen Besitz , aber sie stimmt den Geist , der ihr Gehör gibt , zum Mitgefühl , zur Nachempfindung , ja kling ' s in Deinen Ohren , in Deinem Herzen noch eine Weile nach , alles , was ich Dir sagen durfte . Leidenschaft ist Musik , ein Werk höchster Mächte , nicht außer , sondern tief in uns , sie führt uns mit dem idealischen Ich zusammen , um dessentwillen der Geist in den Leib geboren ist : dies Ich , das allein Leidenschaft entzünden , sie gestalten und bilden kann . Der Mensch wird von der Begeistrung erzogen , das ganze irdische Leben verhält sich dann zu diesem Geistigen wie der Boden zum Fruchtkorn , das aus ihm emporsteigt , um tausendfältig zu tragen . Nur die Ewigkeit gibt Wirklichkeit ; denn was einmal zugrunde geht , mag ' s gleich zugrunde gehn , ob heute oder morgen , das ist einerlei ; aber die Liebe trägt alles zum himmlischen Reich , sie ist allumfassend , alldurchdringend wie die Sonne , und doch bildet sie jeden geistigen Reiz zu einem in sich abgeschloßnen , sich selber