Hm ! « entgegnete Reinhold : » Jedem das Seine . Der reiche Prasser kann zwar , sitzt er im Schwefelpfuhle der Hölle mit all seinem Golde nicht einen Tropfen Wasser erkaufen , aber hienieden steht ihm die schönste Blume zu gebot , daß sie an seiner kalten Brust verwelke . Hat Diether Euer Leben mit Überfluß gekrönt , so krönt er es jetzt mit unverdienter Schmach . Ihr seyd im Vortheil gegen ihn , und Er muß Euch dankbar seyn für die edle Gesinnung , die ihr für ihn hegt . Der alte Mann ist derselben nicht würdig , da er beinahe unverholen ahnen läßt , er schreibe Euch jenen Mordüberfall zu , und versehe sich eines Zweiten , wenn nicht seine Klugheit vorbaue . « - » Schrecklich ! « rief Margarethe empört : » Die Schlange erneut sich stets in seiner Brust . Er fürchtet einen Meuchelmord von seiner Gattin ! « - » Noch mehr , « versetzte der Mönch : » er achtet ihn ganz nahe . Heute just , fürchtet er , lauern Mörder auf sein Leben ; Mörder von Euch gedungen und Eurem Bruder , vielleicht von Dagobert , wie der Argwöhnische sich nicht schämt , zu glauben . Ein Unbekannter hat ihm gemeldet , daß er erfahren würde , wo Wallrade hingekommen , wenn er in der heutigen Nacht , mit Geld versehen , am Bannsteine von Bergen , das Sprünglin genannt , erscheinen wolle . Diese Nachricht hält er von Euch erdichtet , und wittert Verrath , und wird nicht gehen , niemand senden . « - » Am Sprünglin ? sagt Ihr ? « fragte Margarethe neugierig . » So ist ' s , « antwortete Reinhold : » Ich , an seiner Statt , würde doch Jemand hinaussenden ; denn ich traue eher dem , der um Geldes willen mir ein Ding zu verrathen verheißt , als der reinen Menschenliebe wegen . Indessen , Euch kann ' s gleichviel seyn . Wallrade mag Euch nie zu lange aussen bleiben ; wohl aber der gute Dagobert , dessen keckes Handeln Euch und Eurer Sache nur Vortheil gewähren kann . Nicht wahr ? « - Margarethe schlug die Augen vor den forschenden des Paters nieder , welcher nach einer Pause fortfuhr : » Wie ich vernommen , hat der junge Mann sich von der Kirche , welcher er verlobt gewesen , lösen lassen . Meines Bedünkens hat er übel daran gethan , und sogar sein hochmüthiger Lehrer , der Predigermönch Johann , der , wie alle seines Ordens , dem unsrigen nicht hold ist , weil er am Evangelium reiner hängt , denn alle Andern , muß mir Recht geben . Wäre der Junkherr Priester geworden , es wäre ihm nicht geschehen , was seit heute Morgen das Gerede der ganzen Stadt ist . « - » Um Gotteswillen ! « sprach Margarethe ängstlich : » Was ist ihm geschehen ? welch Unheil ? redet . « - » Ihr wißt nicht ? « fragte Reinhold entgegen : » Da sieht man wohl , wie sehr Recht das Lied hat , welches sagt : Jenseits bin ich wohl bekannt , - Fremdling doch im eignen Land ! Daß Eure Zofen aus Schonung Euch ' s verschwiegen haben , gebe ich zu , - aber der Rachbegierde Eures Eheherrn hätt ' ich das Schweigen nicht zugetraut . - Heute morgen hat Euer Knecht Eitel , als er des Hauses Thüre öffnete , ein Pergament daran geheftet gefunden , und die drei Späne , die aus der Pforte gehauen worden waren , entdeckten dem des Lesens Unkundigen gleich das Wahre , wie auch dem Pöbel , der schon lange gaffend vor dem Hause stand . Eine Ladung der heimlichen Acht ist es , gerichtet an den Junkherrn Dagobert Frosch , welcher auf den nächsten Dienstag vorgefordert wird vor den Stuhl zu Sachsenhausen , um sich zu verantworten über schwere Missethaten , deren er angeklagt worden . « - » Heiliger Gott ! « stammelte Margarethe : » die heimliche beschlossene Acht ? armer Dagobert ! welch ' ein Teufel hat Dich vor diese Schranken gefordet , wo der Kläger nur Recht erhält ? Hochwürdiger Herr ! Um meinetwillen , - o gewiß , um meinetwillen ist er in diese Verderbniß gerathen ! Wie soll ich mir jetzt rathen , ... : wie soll ich mir helfen ? « - Der Mönch zuckte die Achseln , verwies die Klagende auf den Willen Gottes , und auf das eigne Schweigen , und begab sich mit dem Versprechen hinweg , bald wieder einzusprechen , und ihr sogleich zu wissen zu machen , wann der gefangene Jude ein gefährliches Geständniß besorgen lassen sollte . Eine unsägliche Angst bemächtigte sich Margarethens , da sie wieder allein war , und in ihrem erschütterten Geiste Alles zusammenstellte , was sich in den letzten Tagen zugetragen , und ihr Schicksal auf solch entsetzliche Weise verwirrt hatte . Ihres Fehls bewußt , drängte es sie , etwas zu unternehmen , wodurch sie die Schuld ihres Gewissens in etwas zum mindesten zu sühnen vermöchte , und dieses Etwas wurde , trotz seiner gefährlichen Abenteuerlichkeit , bald in ihr zum festen Entschluß . » Ich will ihn zwingen , wenigstens nicht das ärgste von mir zu glauben , « sprach sie zu sich selbst ; » nicht die Bosheit , Wallraden aus dem Wege geschafft , noch die größre , Mörder gegen sein Leben aufgestellt zu haben . Ist es Gottes Wille , daß ich in meinem Vornehmen umkomme , so sey es darum ; - wo nicht , so sey der Engel gepriesen , der mir diesen Weg gezeigt , wieder etwas in der heillosen Verwirrung gut machen zu können , worein meine leichtsinnige Verblendung mein Haus gestürzt hat . « - Sie sammelte mit zitternder Hand die Kleinodien und den kleinen Schatz von Denkmünzen und seltnen Goldpfennigen , die sie der Freigebigkeit ihres Gatten verdankte , und wählte aus ihrem Kleiderschreine einen