willkommen , sie waren noch gescheit genug davon zu laufen , wobei es leicht begreiflich war daß sie im allmählichen Erlöschen aller ihrer Feuerbrände den rechten Weg verfehlten , nur ein paar kamen zu Anton zurück , der mit Konrad und Susannen beim Weine geblieben war . Vergebens war jetzt das Rufen nach ihnen , die vielen Stimmen , die verwirrend einander zuriefen , der Widerschein , der sie weiter lockte , Irrlichter , die sie in falsche Richtungen führten , Moräste , die sie vermeiden mußten , zogen sie immer weiter von dem schönen Lager ab , an dem sich jetzt die Knechte ergötzten , die über einander genug zu lachen und zu erzählen hatten , was jeder erlebt , wie er sich endlich wieder zurecht gefunden , um sehr lange bei der unglücklichen Ursache dieser Zerstreuung zu verweilen . Noch waren keineswegs alle vollzählig , wohl aber waren manche Jäger und Bauern durch das Lärmen herbeigezogen worden , auf die man ein wachsames Auge haben mußte . Unter diesen Fremden zog ein Hirtenmädchen Katharina die Aufmerksamkeit aller auf sich , sie ging stolz neben ihrer Ziegenherde , ihre Größe war männlich , ihre Hüften hoch , ihr langes schwarzes Haar trug sie frei aufgebunden , ihre gebogene Nase hatte einen Adlerstolz und die aufgeworfene Lippe verleugnete diesen weder durch Ansehen , noch durch Rede . Einige junge Leute machten ihr leichtsinnige Anträge , sie wirft alle hochmütig von sich und wenn sie um die Ursache dieses Stolzes fragten , antwortete sie höhnisch : » Weil ich eine Jungfrau bin . « - Als die Bauern sahen , daß die Fremden sie neckten , fingen sie auch an sich in etwas sehen zu lassen , der eine fragte : » Was macht der Herr Vater Edelmann auf der Burg ? « - Sie erwiderte stolz : » Er prügelt euch Bauern ! « - Güldenkamm , der ein Gefallen am Ungewöhnlichen vorgab , nahte sich ihr mit vieler Artigkeit , wodurch er ihr Zutrauen schnell zu erwerben wußte , daß sie von ihm Wein und Speisen annahm , ihm auch erlaubte ihre Ziegen an sich zu locken , die er herzte und küßte , als hätte sich alle Zärtlichkeit von Susanna plötzlich auf diese Tiere geworfen , er trug sie und schüttelte sie , neckte sie , bis sie gegen ihn anliefen , dann fing er den Stoß mit seinen Händen auf . Katharina schien das mit Wohlgefallen zu bemerken , sie saß dabei in ernster Ruhe und sang ein Hirtenlied , das sie auf sich gemacht hatte : Die Schäferin Mit Rittersinn , Die Jungfrau rein Geht ganz allein , Der Bauernknecht Ist ihr zu schlecht , Aus edlem Blut Erwächst ihr Mut . Des Kaisers Jagd Zieht übers Feld , Des Kaisers Macht Sich ihr gesellt , Der Kaiser spricht Ihr ins Gesicht . Der Kaiser Vom Schloß ich zieh , Zu dir ich flieh , Lieb Schäferin , Nach deinem Sinn . Mein Zepter wird Ein Hirtenstab , Und was ich hab , Dich Schäfrin ziert . - Die Schäfrin spricht Vor sich ins Gras , Ihr im Gesicht Der Kaiser las . Schäferin Ich Schäferin Mit leichtem Sinn Sing ruhig fort Mein sinnig Wort : Ein jeder bleib Bei seiner Herd , Den König ehrt Kein Schäferweib . Der Gesang entzückte Güldenkamm , er glaubte einer vertriebenen Kaiserin begegnet zu sein , er sagte ihr entzückt , daß ihr Wesen ihre hohe Abkunft beweise , und sie nahm diese Worte mit sichtbarem Wohlgefallen auf , auch sprach sie gern mit Susannen , die sehr bald aus ihr herausbrachte , daß sie sich für die Tochter eines Grafen halte . Die Bauern aber versicherten , es sei nicht wahr , der Vater habe sie oft darum geschlagen , es sei daher gekommen , daß eine Gräfin in früher Zeit sie einige Zeit zu sich genommen habe , bis ein eignes Kind die Lücke gefüllt hätte , da sei sie im Schlosse nicht mehr wie sonst geliebt und verzogen worden , das habe sie gekränkt und sie sei fortgeflüchtet . Das sei schon sehr lange und Katharina gar nicht so jung , wie sie aussähe . Die Gräfin fand diese Aufführung so undankbar , daß sie das Mädchen nie wieder gesehen hat , Katharina hingegen lebt in ihren Gedanken noch immer auf dem Schlosse , sie verrichtet ihre Geschäfte , dann aber nimmt sie alle vornehme Leute , die sie dort gesehen , in Gedanken zum Besuche an , spielt mit ihnen wunderliche Abenteuer , wobei ihre Tugend und ihr Leben oft in schrecklicher Gefahr zu sein scheinen , die sie aber alle glücklich überwindet . Anton bat die Leute , Güldenkamm von diesen Einbildungen der stolzen Hirtin nichts zu sagen ; da er doch wegen einiger vermißter Reisegenossen den Tag noch im Walde gelagert bleiben wollte , so versprach er sich davon einige Unterhaltung . Sehr bald ging Güldenkamm mit der Hirtin in tiefen Gesprächen den Berghang hinunter ; als er zurückkam , schien er in besonders heitrer Laune ganz in der Art , wie er in den ersten Tagen mit Susannen gewesen , er drückte jeden an sein Herz und lächelte , als würde er von schöner Hand gekämmt . Allmählich kamen die Verlorenen wieder zusammen , Ritter Blaubart war einer der letzten , er wurde ganz erschöpft und gebunden von einem Köhler herbeigeführt . Nachdem er befragt , erzählte er seine Abenteuer , daß er durch ungeheure Sümpfe sich gearbeitet habe , wo Molch und Schlangen sich um ihn hergeschlängelt , daß er endlich vor der Hütte eines armen Kohlenbrenners liegen geblieben sei , der ihn gespeist und erquickt habe ; derselbe Mensch habe ihn auch zurückgeführt , sei aber unterwegs so still geworden , habe sich einen gewaltigen Stamm als Spazierstock abgebrochen und so fürchterlich mit allen Muskeln geknackt , daß er jeden Augenblick gefaßt gewesen sei , ihn gegen sich als Mörder umdrehen zu sehen . Dieser Gedanke hatte den Ritter endlich