Vermögens in jene Spekulation steckte , welche ihn ruinierte . Gegenseitige Vorwürfe flogen zwischen ihnen hin und her ; sie trennten sich im Zorn und versöhnten sich niemals wieder . Mein Onkel wurde später in glücklichere Unternehmungen hineingezogen ; wie es scheint , erwarb er ein Vermögen von zwanzigtausend Pfund . Er war niemals verheiratet und hatte außer uns und noch einer Person , die ihm durchaus nicht näher steht als wir , keine nahen Verwandten . Mein Vater hegte stets den Glauben , daß er seinen Irrtum wieder gut machen würde , indem er uns sein Vermögen hinterließ . Doch dieser Brief unterrichtet uns davon , daß er jeden Pfennig jener anderen Person hinterläßt mit Ausnahme von dreißig Pfund , welche zwischen St. John , Diana und Mary Rivers geteilt werden sollen , um drei Trauerringe dafür zu kaufen . Natürlich hatte er ein Recht , mit seinem Gelde zu machen , was er wollte , und doch wirft eine solche Nachricht eine augenblickliche Verstimmung auf das Gemüt . Mary und ich würden uns reich erachtet haben , wenn er jeder von uns tausend Pfund hinterlassen hätte ; und für St. John wäre dieselbe Summe von großem Wert gewesen um der Wohlthaten wegen , die er mit derselben hätte ausüben können . « Nach dieser Erklärung wurde das Thema fallen gelassen und niemand , weder Mr. Rivers noch seine Schwestern , erwähnten desselben wieder . Am folgenden Tage übersiedelte ich von Marsh-End nach Morton . Tags darauf begaben Diana und Mary sich auf die Reise nach dem weit entfernten B – . Eine Woche später zogen Mr. Rivers und Hannah nach dem Pfarrhofe – und nun lag das alte Haus verödet da . Elftes Kapitel . Meine Heimat ist also – wenn ich endlich ein Heim gefunden – eine Hütte : ein kleiner Raum mit weiß getünchten Wänden , ein mit Sand bestreuter Fußboden ; darin stehen vier gemalte Stühle und ein Tisch , eine Uhr , ein Schrank mit zwei , drei Tellern und Schüsseln und ein Theeservice von Delfter Steingut . Darüber ein Zimmer von derselben Größe der Küche mit einer Bettstelle aus Tannenholz und einer Kommode , die zwar klein , aber dennoch zu groß ist , als daß meine ärmlichen Kleidungsstücke sie hätten ausfüllen können ; obgleich meine gütigen , großmütigen Freunde dieselben durch einen kleinen Vorrat der allernotwendigsten Dinge vermehrt hatten . Es ist Abend . Mit einer Orange als Belohnung habe ich die kleine Waise entlassen , welche mir als Hausmädchen dient . Ich sitze allein am Herd . Heute morgen ist die Dorfschule eröffnet worden . Ich habe zwanzig Schülerinnen . Nur drei von dieser Zahl können lesen ; nicht eine einzige schreiben oder rechnen . Mehrere stricken , nur einige nähen ein wenig . Sie sprechen den breitesten Accent der Gegend . Für den Augenblick bietet sich ihnen wie mir noch die Schwierigkeit , unsere gegenseitige Sprache zu verstehen . Einige von ihnen sind ebenso ungezogen , roh , unumgänglich wie unwissend ; andere wieder sind sanft , hegen große Lernbegierde und zeigen Anlagen , welche mir Freude machen . Ich darf nicht vergessen , daß diese armselig gekleideten kleinen Dorfmädchen ebensogut von Fleisch und Blut sind , wie die Sprößlinge der edelsten Geschlechter , und daß die Keime angeborener Vortrefflichkeit , Verfeinerung , Intelligenz , Seelengüte wahrscheinlich ebensogut in ihrem Herzen schlummern wie in dem der Höchstgeborenen . Meine Pflicht wird es sein , diese Keime zu entwickeln ; gewiß wird es mir Befriedigung und Genugthuung gewähren , wenn ich gewissenhaft dieses Amtes walte . Viel Freude erwarte ich nicht von dem Leben , das vor mir liegt ; aber es wird mir zweifellos gelingen , mich wenigstens von einem Tage zum andern zu schleppen , wenn ich mein Gemüt stähle und meine Kräfte bis aufs Äußerste anstrenge . War ich sehr freudig , zufrieden , stetig während der Stunden , die ich während dieses Morgens und Nachmittags dort unten in dem kahlen , bescheidenen Schulzimmer verbrachte ? Wenn ich mich nicht selbst täuschen will , so muß ich entgegnen : Nein , bis zu einem gewissen Grade war ich trostlos . Ich fühlte mich – ja , Idiotin , die ich bin – ich fühlte mich herabgewürdigt . Ich fragte mich , ob ich nicht einen Schritt gethan , der mich eher in der menschlichen Gesellschaft herabsetzte , als emporhob . Ich war schwach genug , über die Armseligkeit und Roheit alles dessen , was ich um mich herum sah und hörte , empört zu sein . Aber ich will mich um dieser Gefühle willen nicht zu sehr hassen und verachten : ich weiß , daß sie ein großes Unrecht waren – und das ist schon ein großer Schritt zur Besserung ; ich werde kämpfen , um über sie zu siegen . Morgen , hoffe ich , werde ich derselben vollständig Herr werden ; und in wenigen Wochen wird jegliche derartige Empfindung aus meinem Herzen geschwunden seien . Möglicherweise tritt in wenigen Monaten schon Zufriedenheit an die Stelle des Ekels , wenn ich bei meinen Schülerinnen Fortschritte und eine Wendung zum Bessern wahrnehmen kann . Inzwischen will ich eine Frage an mich richten : Was ist besser ? – der Versuchung erlegen zu sein , der Leidenschaft Gehör geschenkt zu haben ; keine qualvolle Anstrengung gemacht zu haben , keinen Kampf gekämpft zu haben , sondern in eine seidene Schlinge geraten , zwischen den Blumen , welche diese bedeckten , eingeschlafen zu sein ; in einem südlichen Klima inmitten des Luxus einer Prachtvilla zu erwachen ; jetzt in Frankreich als Mr. Rochesters Geliebte zu leben ; wahnsinnig vor Liebe während eines Teiles meines Daseins – denn für eine Spanne Zeit würde er mich geliebt haben , o , ganz gewiß , er würde mich vergöttert haben ! Er hatte mich geliebt – kein Mensch wird mich jemals lieben , wie er es that . Ich werde niemals wieder die süße Huldigung empfinden , die der Schönheit , der Jugend