, das sie vergötterte , schließt sich ihnen an , man setzt fest , daß jede Schauspielerin , die in einer Rolle Mariens auftreten würde , ausgepfiffen sein solle , man bringt Marien Nachtmusiken und Vivats , und erwartet ungeduldig den Tag , wo eine Rolle Mariens drankommen werde . Die Direktion ist klug genug , den so weit als möglich hinauszuschieben , unterdes erkaltete das Interesse gegen die übertriebene Teilnahme bildet sich wie immer eine nüchterne Opposition , der Abend kommt , die Nachfolgerin Mariens wird mit dem besten Beifalle aufgenommen . Diese Roheit , weiche in jeder Masse liegt , trifft Mariens Herz wie ein Dolch ; sie treibt zur Abreise , sie fühlt sich verlassen , das Unglück führt sie nach Brüssel zurück . Die Tante tröstet aufs beste und warnt vor dem Theater , aber Marie kann es nicht entbehren , die übrige Welt ist ihr zu prosaisch , nur auf den Brettern findet sie Nahrung für ihre ideale Sehnsucht . Jaspis hat sich unterdessen ebenfalls verheiratet , bleich , schwermütig tritt er ihr entgegen , aber durch den Nebel glaubt sie die alte verborgene Zärtlichkeit zu sehen . Eines Abends ergreift er ihre Hand , bedeckt sie mit Küssen und sagt : » Marie , wir sind beide unglücklich ! « Marie fällt in Ohnmacht , sie muß nach Hause gebracht werden , und von der Stunde an hat sie ihr Lager nicht mehr verlassen , es entwickelt sich eine Herzkrankheit , an welcher sie stirbt . Das sind Eure kläglich halben Zustände und Verlangnisse . Leopold sagt , er sei lange besinnungslos gewesen vor Schmerz , jetzt hat er ' s lange vergessen , und erzählt die Sache seiner kurzen Verheiratung wie eine Novelle sonst woher . 9. Hippolyt an Valerius . Aus London . Ich habe Paris verlassen , weil es mich langweilte : fürs gewöhnliche Leben ist fast alles erlaubt , es reizt kein Widerstand , und doch lockt auch keine ungewöhnliche Kraft , wo sie sich aber erhebt , wird sie Fratze . Es reizt auch kein Widerstand bei den Weibern , sie sind munter und gefällig ohne Nachdenken , und bleiben auch in der Liebe kokett . Die deutschen Weiber haben mich verwöhnt . Es ist hier alles Kaprice , eigentlich auch die Politik , das Volk ist viel zu gesellig und zu gefallsüchtig , um eine dauernde Tüchtigkeit in sich und in einer Form zu erzeugen . Man muß nach Paris nur auf Besuch gehen , dann ist es amüsant , in der Länge sieht all der Wechsel , die Strebsamkeit wie Tändelei aus . Die Leute mag ' s wundern , Dich nicht , der Du mich wirklich kennst , daß ich so abfällig über Frankreich rede ; jawohl , das meiste von unsern Wünschen ist hier leicht gemacht oder gar verwirklicht , aber das Element , aus welchem hier alles entsteht , in welchem es herumspielt , kann mir nicht zusagen . Man muß nicht in die Küche gehen und die Späße der Köche anhören und ansehen , wenn einem das Essen schmecken soll . Meine Wünsche , meine Pläne , meine Ansichten von Staat und Leben , sie quellen aus tiefer , starker Leidenschaft - ' s mag wohl sein , daß ich die Welt darüber mißbrauche und am End ' zugrunde geh ' - aber die französischen quellen aus der Leidenschaftlichkeit , das ist nicht mein Geschmack . Ich bin zu den Republikanern gegangen , da fand ich allerdings Haß und Zorn und stolze Wut gegen die Unlauterkeit der Herrschenden , welchen die Stelle , das Amt , die Auszeichnung käuflich und feil ist für dies oder jenes Bessere , für eine Überzeugung , für ein würdiges Verhältnis , das sie spielend in den Kauf geben . Aber der Haß war auch sehr mit Deklamation verbrämt , war unschöpferisch , und das eigentliche Leben der Leute war in kleinerem Verhältnisse entweder ebenso wie das getadelte , oder es war gegen allen Reichtum der Welt zynisch - nichts fesselte mich . Ich mag oberflächlich geblieben sein , weil meine Liebhabereien und Aventüren wie gewöhnlich meine Zeit in Beschlag nahmen ; dies mag ein Grund sein , daß ich immerwährend eine deutsche Anekdote auf der Zunge behielt , die mir allen Geschmack verleidete : Ein deutscher Professor zerkaut in einer politischen Unterhaltung die Zeitung , welche er in der Hand hält ; man will endlich etwas nachsehen , und der Gegner sagt entrüstet : » Herr , Sie haben ja die Zeitung gefressen . « - » Drum , « erwidert dieser , » drum schmeckte mir ' s so nach Papier . « Es schmeckt hier alles nach dem Journalpapier . Die Kammern haben sich überlebt , es sind nur ein paar wirkliche , ursprüngliche Potenzen übrig , das ist zuerst Ludwig Philipp , und dann sind ' s ein paar Schriftsteller , die freilich auf den traurigen Ausdruck durch die Feder angewiesen sind . Wenn man lange schreibt , so wird die Feder entweder durch das Einerlei oder die viele , notwendige Wendung unmächtig für den Zeitgenossen , ihr Kraft erwacht erst wieder für den Enkel . So ist ' s mit Lamennais , den ich im Sinn habe , der eine dämonische Potenz ist ; hierher gehört dann die Dudevant auch , der herzlich aufrichtige , liebenswürdig beschränkte Béranger und der lautere , naive Nodier . Andere haben mehr Geist und Talent , aber sie sind der Ursprünglichkeit zu weit abgewendet und tief in den Fesseln von Ziererei und Manier . Bei aller Wichtigkeit , die ich Frankreich für die Weltgeschichte zuerkennen muß , bei der gebieterischen Wichtigkeit , daß es der Mittelpunkt europäischer Bewegung ist , kam ich doch von dem Gedanken nicht los , dies Volk sei eigentlich der Schalksnarr unserer Weltregierung , des Herrgotts Komödienhaus . Wenn die Franzosen selbst zum Schafott oder in die Kugeln rennen oder geschleppt werden , so tritt mir doch auch der Harlekin vor die Seele