als nur die Zerstörung der paar Heidentempel , die es im Lande China gibt . Das sei ganz im Gegenteil eine Forderung , durch deren Erfüllung er das Reich der Mitte nicht nur hier glücklich , sondern auch dort selig machen werde ! Während er diese Rede hielt , brachen wir wieder auf und zogen weiter . Sie folgten uns dann zwar , aber mit immer größer werdender Sorge . Denn je weiter wir kamen , desto deutlicher war zu sehen , welch ein Strom von frohen , guten und dankbaren Menschen vor uns , neben uns und hinter uns demselben Ziele wie wir entgegenfloß . Da war mit einigen aufrührerischen Reden nichts getan ! Wer da Etwas erreichen wollte , der mußte zu Tausenden und Abertausenden kommen , und auch da stand Hundert gegen Eines , daß es mißlingen werde ! Das waren die Gedanken , die man nicht von sich weisen konnte , und sie begannen bald , zu wirken - - - auf die Europäer . Nämlich es wurden ihrer immer weniger . Bei jedem Male , daß ich nach ihnen zurückschaute , war ihre Zahl eine geringere geworden . Als ich dies unserm Ho-Schang sagte , lächelte er still vor sich hin und antwortete mir : Ich wußte es ! Das wird das Schicksal eines jeden Angriffes gegen die » Shen « , gegen dieses Land und seine Bewohner sein . Man wird sie in Ruhe lassen müssen ! Es ist niemals rätlich , der Feind , sondern immer gut , der Freund eines Riesen zu sein ! Ist das Abendland klug , so schützt es sich vor diesem Riesen , indem es ihm gewährt , was er begehrt : Neutralität für alle Zeiten ! So sagte er , und dann sandte er mich voraus zu Euch , um seine Ankunft anzumelden . Er läßt Euch um eine Erhöhung auf dem großen Platze Eurer Stadt bitten . Da will er sich hinaufstellen und das Gefolge jener Fan-Fan um sich versammeln , um zu ihnen zu sprechen . Er will sie über die Lüge belehren , der sie dienen sollten , und über die Wahrheit , die sie vernichten wollten , und ist überzeugt , daß sie sich ebenso schnell wie gern aus Gegnern in Freunde der Shen verwandeln lassen werden . « » Er wünscht also eine Tribüne , « meinte Fu . » Die steht schon da , genau wie für diesen seinen Zweck gemacht . Da kann er sprechen . Vorher aber wünschen wir , ihn hier zu empfangen . Ich werde ihm die Obersten der Stadt entgegensenden . Du meinst also , daß keiner dieser Europäer sich noch bei ihm befindet ? « » Keiner ! Sie sind alle so nach und nach aus dem Zuge verschwunden . Niemand hat sich verabschiedet und für die genossene Gastlichkeit bedankt ! Wer weiß , wo sie sich nun von Neuem zusammenfinden werden , um sich über die Verschiedenheiten , Fehler und Gebrechen ihrer Religionen , Völker und Fürsten noch klarer zu werden , als sie es hier bei uns gewesen sind ! Wer derart gegen den Glauben , die Nationalität und das Regentengeschlecht seines christlichen Mitbruders spricht und agitiert , wie diese Leute es taten , der mag fortan verschwunden sein ; es wird ihn Niemand suchen ! Nur Einer ist geblieben , nämlich Dilke , der vollständig überzeugt ist , daß für ihn nicht die geringste Gefahr vorhanden sei . Er trägt sich ganz im Gegenteile so aufrecht und so stolz , als ob er erwarte , daß unser Einzug hier für ihn einen Triumph zu bedeuten habe . - - Nun bitte ich , mich zu entlassen ! Ich muß zu meinem Ho-Schang zurück , um ihm zu melden , daß ich seine Botschaft an Euch ausgerichtet habe . « Er wurde für einstweilen entlassen , mit der Bedeutung , daß er sich als unsern speziellen Gast zu betrachten habe und daß ebenso auch alle andern Unterpriester des Ho-Schang geladen seien , an unserm Mahle , welches vorbereitet werde , teilzunehmen . Wir hatten von da aus , wo wir uns befanden , eine prächtige Aussicht über den großen , freien Platz und alle die vielen Menschen , die sich auf ihm bewegten . Eine Beschreibung des uns gebotenen Anblickes wäre wohl im höchsten Grade interessant , würde aber über den Rahmen einer altruistischen Studie , die sich mit Höherem zu beschäftigen hat , hinausgehen . Die vorhin von Fu erwähnte Tribüne stand in Hörweite von uns . Wir konnten also während der Rede des Ho-Schang Zuhörer sein , ohne das Lokal , in dem wir uns befanden , verlassen zu müssen . Nach einiger Zeit war weithinschallende Musik zu hören . Man unterschied die Töne der Glöckchen , der Gongs , der Cymbeln , des Yünlo , Hautung , Lapa , der Paisiao , Titsu , Sona , Kuantsu , der Tschin und Si , der Pipa , Sansien und Yütschien , der Paipan , des Scheng , des Tambourin und anderer Instrumente . Das klang scharf durch die ganze Stadt und sagte uns , daß der Ho-Schang mit seinen Scharen komme . Voran kamen , wie wir später bemerkten , die verführten Leute der Fan-Fan , die angewiesen wurden , sich rund um die Tribüne aufzustellen , und hinter ihnen die geistlichen Untertanen des Priesters . Es waren ihrer so viele , daß der Platz nicht ausreichte ; sie füllten außer ihn auch noch die Mündungen der anliegenden Gassen . Während sie sich verteilten , dauerte die Musik fort ; dann aber hörte sie auf , und es trat eine Ruhe , eine Stille ein , die in einer europäischen Stadt bei einer solchen Menschenmenge ganz unmöglich gewesen wäre . Der Ho-Schang saß in einer Sänfte , die in das Haus herein und bis an die Treppe getragen wurde . Da stieg er aus . Wir empfingen ihn an der obersten Stufe und führten ihn in den Saal . Das geschah