Gutes . Nöthig sind alle Dinge , Nutzlos nichts in dem Lebensringe . Denn aus einer nutzlosen Handlung Gehn tausend hervor in unendlicher Wandlung . Jed ' Ding ist ein Blatt von dem Riesenbaum , Ein nöthig Atom im Weltenraum . Der kleinste Gedanke , das winzigste Wort , Zeugt Millionen andre sofort . Täuschung ist Beides , Schmerz und Lust , Deß seid im Schmerze auch bewußt . Trinkt fühllos die Hefe , doch schmecket den Schaum . Denkt , Lust ist ein Traum , doch ein lieblicher Traum . Wie der Falke von des Jägers Hand In die Luft sich hebt Und entkappt froh jauchzend und gewandt Auf zum Himmel strebt - Doch , gehorsam jedem Wink sogleich , Wie er fortgesaust , Auch zurückkehrt in des Herrn Bereich Auf des Falkners Faust - So auch suchst Du nur , was fremd und fern O Germanengeist , In das Hohe und das Weite gern Es Dich vorwärts reißt . Doch die Heimath dann den Sohn aufs neu Dringend zu sich lädt : Dann erst spürst Du recht , wie Du ihr treu . Aber oft zu spät . Was ist des Lebens Tragödie ? Ich will es Euch verkünden : Das Leben ist eine Komödie Und Späße darin die Sünden . Doch in der Possenreißer Schaar Da wollt Heroen ihr sogar Mit tiefer Rührung finden . Der prosaische Philister Sucht Poesie in der Liebe : Enttäuscht , entnüchtert ist er , Wenn sentimentale Triebe Mit kühlem Rechnen nur belohnt Und die Göttin , die in seinem Herzen thront , Ihm bald versetzt - Pantoffelhiebe . » Priester des Ideals « nennt Ihr den Dichter , Philister , phrasen-seliges Gelichter ? » Pfaffe des Ideals « wär mir noch lieber ! Und wirklich giebt es immer solche Pfaffen , Die sich mit » Idealismus « Brod verschaffen , Von des hochseligen Herwegh Kaliber . Oder des dito Dingelstedt , Verächter Der Tyrannei als biederer » Nachtwächter « , Der aber später , wenn das » goldne Vließ « Von Grillparzer er gab , sich daran stieß , Daß ihm » das goldne Vließ « noch sei benommen , Da alle andern Orden er bekommen ! Das größte Geheimniß der wahren Kunst Beginnt sich erst dann zu enthüllen , Wenn der Mensch dem Künstler dienstbar wird Und kein andrer Zweck die Seele verwirrt Und nur die Musen mit liebender Gunst Die entgötterte Seele füllen . Hot , Pegasus ! die kümmerliche Weide Des Alltagslebens lasse hinter Dir ! Ob Du auf Streu nun lotterst oder Seide , Du sollst nicht lottern . In der Luft Revier Steig auf und selbst die höchsten Alpen meide Du nicht in Deinem Flug ! In Kraftbegier Zerbrich die Halfter , sei kein Droschkenschimmel ! Erzhufig Roß der Phantasie , gen Himmel ! Und voll entfaltend Deine prächtigen Flügel , Trag ' mich empor , auf Deinen Rücken springend ! Hui ! Schleudre von Dir bald Gebiß und Zügel , Durch Sonnengluth und Wetterwolken dringend ! Verzicht ' auf Dich , wer noch bedarf der Bügel ! Fort , Zaum ! Ins Allerheiligste Dich schwingend , Steig auf , Bellerophon ! Mag ' s droben blitzen ! Die Sonne blendet nicht , die sicher sitzen ! Dies Bildniß ist nicht zeitgemäß . Es wäre Moderner der Vergleich wohl mit Raketen , Zerplatzend , während sie im Aethermeere Aufsegelnd schon den Wolken-Kreis betreten . Oder mit Luft-Ballons , die man beschwere Mit tüchtigem Ballast nur , sonst gehn wir flöten . Pfeilschnell geht ' s in den stickstofflosen Aether . Die Stoffbeherrschung weicht , die Sinne später . Die Blase platzt und mit verrenkten Beinen Zur Muttererde purzeln wir . Noch neuer Und zeitgemäßer mag das Luftschiff scheinen . Dies » Hölzerne Pferd « , gleich Iliums Bedräuer , In dem sich Holz und Stahl und Dampf vereinen , Mit einem Schwanz von Kohlenrauch und Feuer . Fünftausend Pferdekraft hat sein Gestampf . Poeten lieben blauen Dunst , o Dampf . Nur Opium ist unsre Phantasie : Entzücken erst und herrliche Gesichte , Dann Mattigkeit und Angst . Die Poesie Hebt uns empor , doch bleierne Gewichte Ziehn uns zum Staub . Wir nähren in uns nie Das Göttliche und streben auf zum Lichte , Ohne ins Thierische uns zu verirren , Weil Ideal und Sinne sich verwirren . Den Geist der Alten hat die Welt verloren . Cäsar wird als Napoleon geboren . Wo Cincinnat ? Nur Washington und Pitt Noch widerhallen den Heroenschritt . O bei den Heiligen von Marathon Schlief gern auch ich , der spätgeborne Sohn ! Zerschmettert sind des Parthenon Gebilde , Athene schwingt nicht mehr den goldnen Speer . Doch ob das Gold verblich auf ihrem Schilde , Noch rollt , vom Golde ihrer Weisheit schwer , Durch der Geschichte sagenhaft Gefilde Die alte Musenquelle zu uns her . O Salamis , wo in der Meeresgrotte Zugleich Euripides zur Welt gebracht , Als Aeschylos durchbrach der Perser Rotte , Der seine Stoffe suchte in der Schlacht ! Als Pindars Hymne , der beseelt vom Gotte , Weil ihn Corinna ' s Weihekuß entfacht , Dem Munde eines Sophokles entstieg , Das Tropaion umtanzend nach dem Sieg ! O könnt ' ich in ein einzig Wort ergießen Doch meinen ganzen Haß und wär ' s ein Blitz ! Er sollte mir vernichtend niederschießen , Sei nun sein Strahl Begeistrung oder Witz . Wenn fest sich auch des Wahnes Pforten schließen Und unerschüttert der Tyrannen Sitz , Der Donner rollt , da hilft kein Blitzableiter Des Vorurtheils - die Flamme lodert weiter . O könnte doch mein Ekel und mein Zorn Ausbersten , wie ein Aetna-Feuerfluß , Wenn gleich sich aus der Galle bitterm Born Die Lavaschlacke damit mischen muß ! Aus meinen Wunden zög ' ich jeden Dorn Und spitzte ihn als Liederpfeil ! Zum Schluß In meines Grimmes Acheron mich taucht ' ich Und , so gefeit , kein weitres Rüstzeug braucht ' ich ! Ha , diese giftgetränkten Liederpfeile