donnerte Lys mit starker Stimme und kehrte sich stehenbleibend gegen mich ; » obgleich es ein Unsinn ist , den du sprichst , der an sich nicht beschimpfen kann , so weiß ich , wie du es meinst ; denn ich kenne diese unverschämte Sprache der Hirnspinner und Fanatiker , die ich dir nie zugetraut hätte ! Sogleich nimm zurück , was du gesagt hast ! Ich lasse nicht ungestraft meinen Charakter antasten ! « » Nichts nehm ich zurück ! Nun wollen wir sehen , wie weit deine gottlose Tollheit dich führt ! « Dies sagte ich mit wilder Streitlust ; Lys aber antwortete mit bitterer verdrußvoller Stimme : » Genug des Scheltens ! Du bist von mir gefordert ! Und zwar mit Tagesanbruch halte dich bereit , einmal mit der Waffe in der Hand für deinen Gott einzustehen , für den du so weidlich zu schimpfen weißt . Sorge für deinen Beistand , der meinige wird in zwei Stunden da und da zu finden sein , um alles übrige zu besorgen . « Er bezeichnete einen Ort , wo voraussichtlich die ganze Nacht der Verkehr des Festes mit seinen Nachklängen fortdauerte . Dann wandte er sich und ging mit raschen Schritten vorwärts , da der Weg besser geworden . Ich selber sprang auf die Straße hinüber , die während unseres Streites längst leer und still geworden . Das war nun das Ende des schönen Festes ! Der Mond warf meinen eigenen Schatten vor mir her , als ich mitten auf der Straße ging , und ich sah die Zipfel meiner Narrenkappe deutlich auf derselben abgezeichnet . Allein das half nichts das Licht der Vernunft war erloschen ; ich eilte meines Weges , um für den Zweikampf meine Helfershelfer zu suchen . Schon vor wenigstens sechs Jahren hatte ich von einem Polen , der in unserm Hause ein kleines Zimmer bewohnte , etwas fechten gelernt . Es war einer jener stattlichen , hochgewachsenen Militärs , wie sie aus der Revolution von 1831 als Flüchtlinge bekannt geworden und seither ziemlich aus der Welt oder wenigstens aus der Emigration verschwunden sind . Von vornehmer Geburt und ein gewesener Reiteroffizier , brachte er sich geschickt und redlich durch und fügte sich in die bescheidenste Lebensart , in jede Arbeit , war immer heiter und liebenswürdig , ausgenommen wenn er von den Schlachten und dem Unglücke seines Vaterlandes , von seinem Hasse gegen Rußland sprach . Obgleich gut katholisch erzogen , rief er dann jedesmal voll Bitterkeit , es sei kein Gott im Himmel , sonst hätte er die Polen nicht in die Hand des Russen gegeben . Der mochte mich wohl leiden , und um mir irgendeine Freundlichkeit oder Wohltat zu erweisen und weil er gerade nichts anderes hatte , ruhte er nicht , bis er mir einigen Unterricht in der Fechtkunst geben konnte . Aus eigener Tasche kaufte er zwei Stoßrapiere oder Fleurets , Drahtmasken und andern Zubehör und ging mit mir täglich eine Stunde auf den großen Estrich unter dem Dache , wo er mich dazu brachte , eine erste Schule notdürftig durchzumachen , und er tat es mit solcher Liebe und Ausdauer , als ob es sich um das Goldmachen handelte , bis ihn eine Schicksalswendung aus unserer Gegend hinwegführte . In der Stadt , wo ich jetzt lebte , hatte ich bei studierenden Landsleuten , mit denen ich zuweilen verkehrte und die sich Fechtapparate auf dem Zimmer hielten , manchmal wieder den einen oder andern Gang versucht , ohne an etwas anderes als an einen vorübergehenden Zeitvertreib zu denken . Einen oder zwei der jungen Leute dachte ich jetzt sicher noch an ihrem gewohnten Versammlungsorte zu treffen , um ihren Beistand in Anspruch zu nehmen , und fand sie auch in der verwegenen Stimmung , welche der späten Stunde und meinen Wünschen entsprach . Sie begaben sich sofort dahin , wo die Vertrauten meines Gegners sie erwarteten . Bald kamen sie mit der Verabredung zurück , daß der Duellhandel morgens um sechs Uhr in Lysens Wohnung vor sich gehen solle . Lys habe hervorgehoben , daß er ganz allein darin hause und also keine Zeugen zu befürchten seien ; ferner könne er , wenn er verwundet werde , sich gleich in sein eigenes Bett legen und in der Stille geheilt werden oder sterben , der Gegner aber mit aller Sicherheit und Muße abreisen . Treffe es aber mich , so könne ich dort an seiner Stelle mich zunächst hinlegen , indessen er sich aus dem Staube mache . Für einen Arzt , hieß es , sei auch schon gesorgt , ebenso für die Waffen , als welche ich Stoßdegen oder sogenannte Pariser , die einzigen , die ich etwas zu führen verstand , vorgeschlagen hatte , zumal ich wußte , daß auch Lys damit umgehen konnte . Wie er den kurzen Rest der Nacht verbracht , habe ich nicht erfahren ; was mich betrifft , so blieb ich mit meinen Ratgebern sitzen , da wir fanden , das gefährliche Abenteuer sei besser als Schluß der ganzen Feststrapaze zu bestehen , mit der es sozusagen in einem hinginge , als wenn ich nach unzureichender Ruhe , aus tiefem Schlafe geweckt und ohne Zusammenhang der Gedanken , fechten müßte . So kam ich nicht einmal dazu , den Anzug zu wechseln , und wenn mich das Geschick getroffen hätte , so wäre ich in der Gestalt eines erstochenen Narren weggetragen worden . Trotzdem überfiel mich die Müdigkeit ; ich schlummerte ein und lag zuletzt mit dem Kopfe schlafend auf dem Tische , während die andern mit ab- und zugehenden Nachzüglern und Spätlingen eine Bowle heißen Punsch tranken . Auch ich stürzte noch ein Glas hinunter , als ich mit dem Morgengrauen aufgerüttelt wurde , mich aber durch den kurzen Schlaf keineswegs erquickt oder ernüchtert fand . Doch erinnere ich mich wie aus einem Traume , daß ich gleich den zweien , die mit mir kamen , mit tiefem Ernst durch die Straßen ging und in Lysens stille Wohnung trat ,