den Sarg der Tante stehen ! Bamme , Rutze , Doktor Faulstich . Und denke Dir , auch Jeetze trauert . Es rührte mich fast , als ich ihn heute sah . Er hat ein Paar schwarze Gamaschen hervorgesucht , noch von der gnädigen Frau her , sagte er , und einen Flor . Meine Gedanken sind beständig bei Euch ; sie wandern von einem Giebelzimmer in das andere , und mir ist immer , als kennte ich das Dorf . Es ist dasselbe , von dem uns Lewin am ersten Feiertage erzählte , und ich sehe noch alles vor mir : den Christbaum mit der jungen , hübschen Krügersfrau und den Blondkopf und dann die dunkle Kirche mit der Stehleiter am Altar und der kleinen Handlaterne . Und vor dem Altar liegt der Grabstein mit dem schönen Spruch , den ich mir seitdem wohl hundertmal vorgesprochen habe . Mir ist dann immer , als wüchse ich und könnte fliegen . « Hier hielt Lewin einen Augenblick inne und wiederholte sich die Worte : als wüchse ich und könnte fliegen . » Wie gut sie es trifft « , setzte er hinzu . Dann nahm er das Blatt , das er aus der Hand gelegt hatte , wieder auf und las bis zu Ende . » Gebe Gott , daß sich des alten Leist Prophezeiungen erfüllen ; er hat versprochen , diese Zeilen wieder mit zurückzunehmen , und ich schicke sie durch Hoppenmarieken nach Lebus . Sie wartet draußen und stößt mit ihrem Stock auf die Flurfliesen , ein Zeichen , daß sie ungeduldig wird . Ich fürchte mich viel zu sehr vor ihr , um ihre schlechte Laune noch wachsen zu lassen . Und so lebe denn wohl , meine einzig geliebte Renate , mein Glück , mein Stolz und meine Zuversicht . Grüße die Schorlemmer , und wenn Lewin die Augen aufschlägt , so denke recht innig auch an mich . Dann fühl ich es in meinem Herzen . Deine Marie « Lewin , als er zu Ende gelesen , erhob sich und trat an den Zeisigbauer , um dem Vögelchen , das ihm die langen Stunden des voraufgegangenen Tages so freundlich weggezwitschert hatte , zu Dank und Abschied ein Zuckerstückchen zwischen die Stäbe zu stecken . Er wollte sich eben wieder setzen , als Krist eintrat , um zu melden , daß alles fertig und der Schlitten vorgefahren sei . Zugleich bepackte er sich mit der ganzen Winterausstattung , die unangerührt auf der Bettdecke liegengeblieben war , und stapfte wieder treppab , während Lewin ihm folgte . Auf der Türschwelle blieb dieser noch einmal stehen und sah in das Zimmer zurück . Er war nicht erschüttert , auch nicht eigentlich bewegt ( die Nachwehen der Krankheit hielten ihn noch in ihren Banden ) , aber aller Apathie zum Trotz empfand er doch deutlich , was ihm die hier verbrachten Tage gewesen waren und daß ein Leben hinter ihm versank und ein anderes begann . Unten stand die Krügersfrau . Kemnitz war noch nicht zurück , aber ihr Prachtstück , den Blondkopf , hielt sie auf ihrem Arme . Sie konnte sich zum Abschiede nicht besser präsentieren , wußt es auch und lachte herzlich und gefallsüchtig , bis ihr Lewin die Hand reichte und Dankesworte sprach , wobei sie sofort ebenso leidenschaftlich wie krampfhaft zu schluchzen begann . Denn trotzdem sie auf dem Amte hochdeutsch erzogen und im Konfirmandenunterricht bei Pastor Lämmerhirt viel spruchfester gewesen war als ihre kleine Freundin , so hatte sie sich doch die naturkindliche Kraft bewahrt , in jedem passend erscheinenden Moment einen Strom von Tränen vergießen zu können . Lewin , der diese Naturkraft von den Hohen-Vietzer Bauerfrauen her kannte , machte nicht mehr davon , als es wert war , streichelte das Kind , das mit der Hand freundlich nach ihm haschte , und stieg dann hinter den Pferden fort auf die Deichsel des Schlittens . » Und nun vorwärts , Krist . « Dabei drückte er sich bequem in die zu einer Rückenlehne fest zusammengepackten Strohbündel , und in raschem Trabe ging es um die Kirche herum , an den nächsten Gehöften vorbei , in die sonnenbeschienene Landschaft hinein . Es war ein wundervoller Tag , frisch und doch nicht kalt ; am Horizont standen dunkle Streifen von Tannenwald , und dazwischen zeigten sich die Spitztürme verschiedener Ortschaften und Dörfer . Einige davon wurden passiert , und Krist , der hier allerlei Freundschaft hatte , sprach ein Wort oder hielt auch wohl an , um seine Pfeife wieder in Brand zu bringen . Lewin aber genoß der wundervollen Luft und fühlte sich mit jedem Atemzuge mehr und mehr genesen ; seine Nerven belebten sich wieder , und der Druck schwand , der bis dahin auf ihm gelegen hatte . Immer freundlicher wurden die Bilder , er gedachte Seidentopfs , und es war ihm , als zöge er dem Frieden entgegen . So vergingen die Stunden ; schellenläutend trabten die Pferde dahin , und schon neigte sich die Sonne zum Untergang . Vier Uhr war vorüber , als sie vor dem Dolgeliner Kruge hielten . Gerade gegenüber war die Pfarre . Lewin stieg ab , um drinnen in der Krugstube einen Imbiß zu nehmen ; Krist aber , nachdem er dem einen Braunen eine wollene Decke , dem andern einen alten Militärmantel aufgelegt hatte , ging über den Fahrdamm auf die andere Seite des Dorfes hinüber , wo gerade Pastor Zabels kleiner Schlitten dicht vor dem Staketenzaune hielt . Der Pfarrknecht nahm die Leinen abwechselnd in die linke und rechte Hand und stampfte ungeduldig den Schnee . » ' n Abend , Karges « , sagte Krist . » Wo wiste henn ? « » Na ' h Gus ' . « » Woto denn ? Se is joa all unner de Ihrd . Siet vörvörgestern . « » Joa . Awers de Schoolkinner hebben hüt ihrst ehren Dag . De süllen um Klocker söss spiest wahren : Hirs und Swiensbroaten .