es auch nur gewesen , um Herrn Schmenckel zu beweisen - was sie schon hundertmal behauptet - daß Frau Rosalie eine falsche Katze sei . Schmenckel verkannte keinen Augenblick die Wichtigkeit von Elischen Mittheilungen . Wenn es im Keller eine Hinterthür gab , durch die man in die Schwesternstraße gelangen konnte , und Timm und Gutherz , dem Schmenckel gar nicht traute , diese Thür kannten , so war es jedenfalls sehr räthlich , nachzusehen - ob diese Thür auch wohl verschlossen sei . Schmenckel ließ Elischen von seinem Schooß auf den Boden gleiten und erzählte den Männern am Tisch , was er so eben gehört . Alle waren seiner Meinung , daß unverzüglich eine Recognoscirung nach dieser Seite vorgenommen werden müßte . In dem Augenblick , als die Männer ihre Waffen ergriffen und sich nach der Thür wandten , die in den von dem Mädchen bezeichneten Lagerkeller führte , wurde dieselbe von der andern Seite aufgestoßen und ein Haufe Soldaten stürzte herein , zwischen ihnen Albert Timm und der Geheime . Das so plötzliche Erscheinen der blanken Helme und Gewehre und die Schüsse , welche die Soldaten , glücklicherweise ohne zu treffen , abfeuerten , erfüllten Einige der Barricadenmänner mit einem so panischen Schrecken , daß sie Hals über Kopf die Kellertreppe hinauf auf die Straße stürzten . Hier begegneten ihnen Berger und Oswald , die durch die Schüsse herbeigerufen waren , und nun Schmenckel zu Hülfe eilten , der bis jetzt ganz allein gegen die Uebermacht kämpfte . Schmenckel hatte einem der Soldaten das Gewehr , das jener so eben erfolglos auf ihn abgefeuert hatte , entrissen , und mit dem Kolben , und , als dieser abgesprungen war , mit dem eisernen Lauf so mächtig auf die Eingedrungenen losgeschlagen , daß bereits zwei oder drei kampfunfähig am Boden lagen und die Andern in vollem Entsetzen zur Thür wieder hinausretirirten . Dort aber trafen sie auf ihre nachfolgenden Kameraden , und so entstand eine fürchterliche Verwirrung , die grauenhaft wurde , als Oswald , Berger , Schmenckel und die andern Männer , die sich von ihrer Ueberraschung erholt hatten , in den Lagerkeller drangen , der nun der Schauplatz eines überaus grimmigen Kampfes wurde . Die Angreifer waren in diesem Augenblick vielleicht um die Hälfte stärker als ihre Gegner , und dazu waren sie viel besser bewaffnet ; aber diese Vortheile wurden durch die ungestüme Tapferkeit Bergers und Oswalds und vor allem durch Schmenckels Riesenkraft reichlich aufgewogen . Der gewaltige Mann schwang unermüdlich seine fürchterliche Waffe , und kein Streich fiel vergeblich auf die Köpfe der unglücklichen Soldaten . So mähte er sich bis zu der Thür durch , die auf den Hof führte , und zu der jetzt einige der im Keller befindlichen , von Entsetzen erfaßten Soldaten hinauswollten , während immer neue von jener Seite nachdrangen . Und nun hatte er dies Ziel erreicht . Mit den unwiderstehlichen Händen ein paar der zwischen Thür und Angel Eingekeilten am Genick packend und sie in den Keller hinreißend , schlug er die schwere eiserne Thür zu , schob den gewaltigen Riegel davor , lehnte sich mit seinem breiten Rücken dagegen , und rief , während er seinen Flintenlauf im Wirbel schwang : Nun haben wir sie beisammen , Professor ! Hinaus und herein kommt keiner mehr . Dafür lassen ' s nur den Caspar sorgen . Das Grausige dieser entsetzlichen Scene , wo in einem engen , dumpfigen , kaum erhellten , unterirdischen Raume Menschen wie wilde Thiere gegen einander wütheten , hatte jetzt seinen höchsten Grad erreicht . Die Angreifer wehrten sich wie Verzweifelte ; aber da ihnen die donnernden Kolbenstöße ihrer Kameraden gegen die eiserne Thür keine Hülfe gewährten , so war der endliche Ausgang des Kampfes nicht zweifelhaft . Doch hätte das Gemetzel noch lange dauern können , wenn jetzt nicht Oldenburg mit einem Theil seiner Mannschaft von der Barricade in dem Keller erschienen wäre und gedroht hätte , jeden Soldaten , der nicht sofort die Waffen strecken würde , augenblicklich über die Klinge springen zu lassen . Die Soldaten , welche keine Aussicht auf Rettung mehr hatten , ergaben sich , und stiegen einer nach dem andern aus dem tieferen Keller in das Lokal , wo sie sofort entwaffnet wurden . Die armen Menschen gewährten einen jämmerlichen Anblick . Es war kaum Einer unter ihnen , der nicht mehrere Wunden davon getragen hätte . Ihre schmucken Uniformen zerfetzt , athemlos , bleich vor Schrecken und Ermattung , mit Staub und Schmutz und Blut besudelt - so standen sie da - umringt von den Barricadenmännern , unter denen ebenfalls keiner war , der nicht ähnliche Spuren des Kampfes an sich getragen hätte . Aber noch barg der Keller Fürchterlicheres . Als man mehr Licht herbeigeschafft hatte , entdeckte man , daß zwei Körper regungslos in ihrem Blute lagen , ein Soldat und ein Civilist . Der Soldat hatte sich auf seiner wilden Flucht das Bajonnett seines eigenen Gewehrs durch die Brust gerannt und war wohl augenblicklich todt gewesen ; dem Civilisten hatte ein fürchterlicher Hieb den Schädel zerschmettert ; er röchelte noch , als man ihn die Treppe hinauftrug , verschied aber nach wenigen Augenblicken . Man glaubte anfangs , es sei einer der Barricadenmänner , aber es kannte ihn Niemand . Auch Oswald trat an den Tisch , auf dem der Todte lag , und als er einen Augenblick prüfend in das entstellte Antlitz geschaut hatte , sah er zu seinem Entsetzen , daß die starre blutende Masse Niemand anders war , als der König aller lustigen Gesellen , der unerschöpfliche Spaßvogel und Lustigmacher - sein buon compagno so mancher durchschwärmten Nacht , derselbe Mann , von dem er sich vor wenigen Stunden in Hader und Streit getrennt hatte - Albert Timm . Einundfünfzigstes Capitel Eine Stunde später war in dem Kampf an der Barricade der Langen Straße eine Pause eingetreten . Das Linienregiment , welches nun schon fünfmal vergeblich gestürmt , war durch einige Bataillone Garde verstärkt worden , die bis jetzt in