, wo möglich , sogleich zu kommen , und hören Sie ! sagen Sie Mademoiselle , ich wollte heut ' selbst den Kaffee serviren , sie möge nur in der Wäschkammer bleiben . - Zu Befehl , gnädige Frau . - Und was ich sagen wollte , Sie brauchen die Anderen noch nicht zu rufen . - Zu Befehl , gnädige Frau . Der Mann ging seine Aufträge auszurichten . Anna-Maria schritt an der Laube vorüber in einen langen , ganz überwölbten Buchengang , der von dem großen Rasenplatze aus mehrere hundert Schritte bis an ein Gehölz führte , in welchem eine kleine verfallene Kapelle stand . Sie schien ganz vergessen zu haben , daß sie Felix in die Laube beschieden hatte , denn sie ging immer weiter , die Augen auf den Boden geheftet , bis sie das Ende des Ganges und die Kapelle erreicht hatte . Es war eine liebliche , süß melancholische Stelle . Uralte Riesenbäume umwölbten den Platz mit ihren breiten Laubkronen , daß kaum ein Sonnenstrahl sich hineinstehlen konnte . Der Boden war mit dichtem Moos bedeckt ; langes Gras wuchs zwischen den umhergestreuten Steinfliesen ; die weitklaffenden Spalten des alten Gemäuers waren von dunkelgrünem Epheu übersponnen ; hier und da ragte ein hoher blühender Busch aus den Ruinen . Auf dem morschen Kreuz in einer der leeren Fensternischen saß ein Vögelchen und sang . Das war der einzige Laut , den man vernahm . Er schien die Stille rings umher nur noch stiller zu machen . Einen Liebhaber der Einsamkeit würde der Platz entzückt haben . Aber die Baronin erhob kaum einmal die Augen vom Boden , sich flüchtig umzusehen . Sie hatte überhaupt sehr wenig Sinn für Sonnenstrahlen , die durch ein dichtes Laubgitter zittern , für blaue Schatten und andere Requisiten landschaftlicher Schönheit , und heute vorzüglich war ihr Geist von ganz anderen Dingen in Anspruch genommen . Sie setzte sich auf eine Steinbank unmittelbar unter der leeren Fensternische , in welcher das Vögelchen sang , nahm aus der Tasche ihres Kleides einen Brief und begann denselben noch einmal zu lesen . Es war der Brief , den Helene heute Morgen in dem guten Glauben , daß das Wort der Mutter , sie werde sich nie um ihre Correspondenz kümmern , eine Wahrheit sei , geschrieben , und in dem vollen Vertrauen auf die Heiligkeit des Briefgeheimnisses ihrem Kammermädchen übergeben hatte mit dem Auftrage , ihn in die Küche zu tragen , wo der Postbote sich an einer Tasse Kaffee erquickte . Das Mädchen war der Baronin auf dem Flur begegnet , und von dieser gefragt worden , von wem der Brief sei ? Auf die Antwort : von dem gnädigen Fräulein , hatte die Baronin sich den Brief geben lassen , mit der Weisung , den Postboten hernach zu ihr auf ' s Zimmer zu senden , sie selbst habe noch mehrere Aufträge für ihn . Und hier saß sie nun auf der steinernen Bank neben dem alten Gemäuer unter der Fensternische , in welcher das Vögelchen so lustig zwitscherte und studirte den Brief , den unseligen Brief , den sie nun schon beinahe auswendig wußte . Die Frucht von dem Baume der Erkenntniß , die sie so freventlich gestohlen , war bitter , sehr bitter . Sie hatte ihre Tochter nie geliebt ; jetzt aber haßte sie ihre Tochter . Also wirklich ! ihr schlimmster Verdacht bestätigt ! für alle ihre Güte mit schwarzem Undank belohnt ! des Egoismus von ihrem eigenen Kinde angeklagt ! in allen ihren Plänen von diesem Starrkopf durchkreuzt ! Helene im besten Einverständniß mit den beiden Verhaßten ! Fräulein von Grenwitz in Liebe zu einem Miethling , einem gemeinen Menschen , der bei ihren Eltern in Lohn und Brod stand ! Denn was bedeuteten zuletzt all die schönen Phrasen von Oswald ' s Herzensgüte , von dem Antheil , den sie an seinem geheimen Kummer nahm ? Die Baronin verstand sich freilich schlecht auf die Sprache der Liebe ; so viel aber wußte sie , die Gleichgültigkeit spricht so nicht . Dahin also war es gekommen ! Helene wollte Krieg ! gut - sie sollte ihn haben . Es sollte sich zeigen , wer die Stärkere war : die Mutter oder die Tochter . Jetzt zurückweichen ? zugeben , daß dieses ungerathene Kind ihren Willen durchsetzt ? den jahrelang erwogenen Vorsatz einer thörichten Mädchenlaune opfern ? Nimmermehr ! Aber was jetzt thun ? noch einmal es mit scheinbarer Güte versuchen ? oder die Maske fallen lassen und befehlen , wo mit Bitten nichts anzurichten war ? Und vor allem : wie weit Felix in das Geheimniß einweihen ? würde sich nicht sein Stolz regen , wenn er erführe , wie tief er in den Augen Helenens stand , wie sehr sie ihn verachtete ? Konnte er nicht zurücktreten ? und setzte dann Helene nicht doch ihren Willen durch ? triumphierte die Tochter dann nicht doch über die Mutter ? Ehe die Baronin über diesen Punkt mit sich in ' s Klare kommen konnte , vernahm sie Schritte ganz in ihrer Nähe . Sie faltete eiligst den Brief zusammen und verbarg ihn hastig in der Tasche ihres Kleides . Felix hatte Niemand in der Laube gefunden , und zufällig einen Blick in den Buchenwald werfend , die Baronin in der Tiefe desselben zu erblicken geglaubt . Also doch , sagte er , als sich die Baronin bei seiner Annäherung erhob ; ich wußte wahrlich nicht , ob Sie es waren . Der Kaffee steht in der Laube ; aber , wie König Philipp auf dem Thron , einsam und allein . Es scheint sich alle Welt , wie ich , verschlafen zu haben . Setzen Sie sich hierher zu mir , lieber Felix , sagte die Baronin ; es hat mit dem Kaffee keine so große Eile . Wir können hier ungestörter sprechen als dort . Ein allerliebst verschwiegenes Plätzchen zu einem ehrbaren Rendezvous , erwiederte Felix lachend , neben der Baronin auf dem Bänkchen Platz