. Wie viel hatte ich in der Welt gesehen , wie viel hatte mich erfreut , an wie vielem hatte ich Wohlgefallen gehabt : und wie ist jetzt alles nichts , und wie ist es das höchste Glück , eine reine , tiefe , schöne menschliche Seele ganz sein eigen nennen zu können , ganz sein eigen . Ich ging durch das Pförtchen hinaus , das ich nur angelehnt fand , und ging auf dem Wege fort , der an dieser Seite vor dem Schlosse vorbei führt , und dann in die Felder hinaus geht . Er ist breit , mit feinem Sande belegt , und eignet sich daher seiner Trockenheit willen ganz besonders zu Morgenspaziergängen . Er ist von dem vorigen Besitzer des Schlosses angelegt und von Mathilden verbessert worden . Er geht von dem Pförtchen nach beiden Richtungen , nach Norden und nach Süden , ziemlich weit fort und bildet auf diese Weise zu dem Schlosse eine Berührungslinie . Roland hatte ihn scherzweise auch immer den Berührweg genannt . Die Obstbäume , die ihn jetzt häufig säumen , hat Mathilde meistens schon erwachsen an ihn versetzt . Früher war der ganze Weg eine Allee von Pappeln gewesen ; allein da er ganz gerade durch die Gegend geht und mit den geraden Bäumen bepflanzt war , so erschien er sehr unschön und für einen Lustweg , was er sein sollte , wenig geeignet . Nach Beratungen mit ihren Freunden hatte Mathilde die Pappeln , welche außerdem auch den Feldern sehr schädlich waren , nach und nach beseitigt . Sie waren gefällt und ihre Wurzeln ausgegraben worden . Da man die Obstbäume an ihre Stelle setzte , vermied man es absichtlich , an allen Plätzen , an welchen Pappeln gestanden waren , Obstbäume zu pflanzen , damit nicht wieder statt der Pappelallee eine Obstbaumallee würde , was zwar minder unschön als früher gewesen wäre , aber doch immer noch nicht schön . Durch diese Unterbrechung der Baumpflanzung erhielt der Weg , dessen gerade Richtung schwer zu beseitigen gewesen wäre , und die doch sonst zu eigentümlich war , als daß man sie hätte abändern sollen , wenn man nicht alles nach ganz neuen Gedanken einrichten wollte , die nötige Abwechslung . Mitternachtwärts von dem Schlosse führt er durch Wiesen und Felder an Gebüschen hin , steigt dann zu einem Walde hinan , in welchen er eine Strecke eindringt . Südwärts geht er durch Felder , hat dort besonders schöne Apfelbäume an seinen Seiten , wölbt sich sanft über einen Ackerrücken und gewährt von ihm eine schöne Aussicht in die Gebirge . Ich schlug die Richtung nach Süden ein , wie ich überhaupt sehr gerne bei dem Beginne eines Spazierganges so gehe , daß ich leicht nach Mittag sehe , das Licht vor mir habe , und in den schöneren Glanz und die lieblichere Färbung der Wolken blicken kann . Der Himmel war wie gestern ganz heiter , die Sonne stand in seinem östlichen Teile und begann die Tropfen , welche an allen Gräsern und an dem Laube der Bäume hingen , aufzusaugen . Die Morgenkühle war noch nicht vergangen , obwohl der Einfluß der Sonne immer mehr und mehr bemerkbar wurde . Ich sah mit neuen Augen auf alle Dinge um mich , es schien , als hätten sie sich verjüngt , und als müßte ich mich wieder allmählich an ihren Anblick gewöhnen . Ich kam auf die Anhöhe , und sah auf den langen Zug der Gebirge . Die blauen Spitzen blickten auf mich herüber , und die vielen Schneefelder zeigten mir ihren feinen Glanz . Ich sah auch die Berghäupter an dem Kargrat , wo ich zuletzt gearbeitet hatte . Mir war , als wäre es schon viele Jahre , seit ich in jenen Eisfeldern und Schneegründen gewesen war . Ich ließ , während ich so dastand , die milde Luft , den Glanz der Sonne und das Prangen der Dinge auf mich wirken . Sonst hatte ich immer irgend ein Buch in meine Tasche gesteckt , wenn ich in der Gegend herum gehen wollte ; heute hatte ich es nicht getan . Mir war jetzt nicht , als sollte ich irgend ein Buch lesen . Ich ging nach einer Weile wieder an den Bäumen dahin , an denen schon die mannigfaltigen Äpfel hingen , die jeder nach seiner Art brachte , und die schon hie und da ihre eigentümliche Farbe zu erhalten begannen . Ich ging so lange auf der Anhöhe des Felderrückens fort , bis sie sich leicht zu senken anfing , über welche Senkung der Weg noch hinabgeht , um in dem Tale an der Grenze eines fremden Gutes zu enden , oder vielmehr in einen anderen Weg überzugehen , der die Eigenschaften aller jener Fußwege hat , die in unzähligen Richtungen unser Land durchziehen , und auf deren taugliche Beschaffenheit , Verbesserung , oder Verschönerung niemand denkt . Ich ging auf der Senkung des Weges nicht mehr hinunter , weil ich nicht talwärts kommen wollte , wo die Blicke beengt sind . Ich wendete mich um , und hatte den Anblick des Schlosses vor mir , welches jetzt von solcher Bedeutung für mich geworden war . Die Fenster schimmerten in dem Glanze der Sonne , das Grau der von der Tünche befreiten südlichen Mauer schaute sanft zu mir herüber , das dunkle Dach hob sich von der Bläue der nördlichen Luft ab , und ein leichter Rauch stieg von einigen seiner Schornsteine auf . Ich ging langsam auf dem Rücken des Feldes an den Obstbäumen vorüber meines Weges zurück , bis er sachte gegen das Schloß abwärts zu gehen begann . An dieser Stelle sah ich jetzt , daß mir eine Gestalt , welche mir früher durch Baumkronen verdeckt gewesen sein mochte , entgegen kam , welche die Gestalt Nataliens war . Wir gingen beide schneller , als wir uns erblickten , um uns früher zu erreichen . Da wir nun zusammen trafen , blickte mich Natalie mit ihren großen dunkeln Augen freundlich an