man wenigstens entfernter von dem Schmuz der Thiere auf der anderen Seite . An ein Weiterkommen in dieser Nacht war nicht zu denken gewesen , da die Pferde zum Tode erschöpft durch den rasenden Lauf sich zeigten und sie nach der Versicherung des Wirthes von der rechten Straße ab und auf einen Nebenweg gerathen waren , von dem aus man im Dunkel der Nacht unter zwei Stunden das Schloß des Fürsten Lubienski nicht zu erreichen vermocht hätte , selbst wenn man der Gefahr durch die umherstreifenden Wölfe hätte trotzen wollen . Es blieb demnach nur übrig , den Tag hier , so gut es gehen wollte , zu erwarten . Während die junge Gräfin am Feuer sich wärmte , und Bogislaw aus den im Gepäck befindlichen Vorräthen Thee kochte , wobei das glänzende Silbergeschirr wieder die gierige Aufmerksamkeit der Hüttenbewohner erregte , suchte der Graf von dem Manne Nachrichten über die Bewohner der Gegend , die Ansichten und die Stimmung des Volkes zu erhalten , stieß aber auf ein hartnäckiges Ausweichen , von dem er nicht ermitteln konnte , ob es Trotz und Verstellung oder angeborene Stupidität war , so daß er endlich die unnütze Mühe aufgab . Nach einer Stunde etwa kehrten die ausgeschickten Männer zurück - es waren zwei Söhne des Wirths und ein fremder Holzschläger - und brachten die Nachricht , daß man von dem unglücklichen Postillon nur traurige Knochen- und Kleiderreste gefunden hatte , so vollständig war von den Wölfen das gräßliche Werk gethan . » Aber die Büchse ? ich verlor im letzten Kampf das Gewehr und es muß sich auf dem Platz gefunden haben ? « fragte Bogislaw . Die Männer schauten einander verlegen an , verneinten aber insgesamt die Frage . Einer meinte , die Wölfe würden die Büchse vielleicht unter den Schnee gestampft haben , oder sie sei später vom Schlitten gefallen und man werde sie morgen bei Tageslicht leichter finden . Dieser Meinung trat auch der Graf bei , obschon sein Diener bedenklich den Kopf schüttelte und erklärte , er wisse ganz gewiß , das er das Gewehr bei dem augenblicklichen Halt , den das Stürzen des Pferdes nothwendig gemacht , verloren habe . Die Männer setzten sich in einen Winkel der Küche zusammen , ihr Abendbrod zu verzehren , zu dem der Graf eine Flasche Rum aus seinem Vorrath gefügt , und schienen von der Gegenwart der vornehmen Gäste bedrückt , denn sie sprachen wenig und nur flüsternd unter einander . Dagegen bemerkte Bogislaw mißtrauisch , daß hin und wieder Einer oder der Andere auf einen Wink des Wirths das Haus verließ , und draußen eine Unterredung mit ihm zu pflegen schien . So war eine zweite Stunde vergangen , und die Reisenden machten sich bereit , ihr improvisirtes Nachtlager aus Pelzen und Mänteln einzunehmen , als plötzlich am Eingang des Gehöftes ein Ruf erscholl und Pferde hörbar wurden . Mit finsterm Gesicht fuhr der Wirth empor und zur Thür : » Niech cie djabli wezma ! 2 ich kann keine Leute mehr beherbergen , sie müssen weiter ! « aber schon waren auch der Graf und sein Diener an die Thür getreten , und vor derselben , in die Mäntel gehüllt , hielten zu Pferde zwei Militairs , ein Ulanen-Offizier mit seiner Ordonnanz . Der Erstere , ein noch junger Mann von hoher , schlanker Figur mit edlem , stolzem Gesicht sprang sogleich vom Roß , indem er den Zügel einem der Männer zuwarf und mühsam in polnischer Sprache befahl , ihm behilflich zu sein , seinen Begleiter aus dem Sattel zu heben , der bei einem Sturz den Fuß gebrochen habe . Vergeblich erklärte mürrisch der Wirth , er könne keine Herberge mehr geben , man möge weiterreiten ; der Offizier , an den Umgang mit dem Volk gewöhnt , kümmerte sich wenig darum und drohte mit dem Kantschuh , der statt der Reitgerte an seiner Faust hing . Zugleich erklärte der Graf menschenfreundlich , daß er gern sich jede Unbequemlichkeit gefallen lassen werde , um Hilfe zu schaffen und die Reiter nicht dem auf ' s Neue drohenden Schneewetter auszusetzen , und wenige Worte , aber derbe Püffe des Jägers Bogislaw brachten den Wirth und seine Söhne alsbald dazu , Hand anzulegen und den Soldaten in den Küchenraum zu tragen , wo er auf einem von Stroh bereiteten Lager niedergelegt wurde . Nachdem er die Pferde sicher untergebracht gesehen und den Schnee vom Mantel geschüttelt , folgte der Offizier gleichfalls und begrüßte höflich und erstaunt die junge Dame , die sich bereits mit dem Leidenden zu schaffen gemacht und ihn mit einer frischen Tasse Thee erquickt hatte . Auf die Einladung des Grafen nahm der Offizier am Feuer Platz und es entspann sich alsbald in französischer Sprache eine Unterhaltung , in welcher sich ergab , daß der Neuangekommene , zur Garnison des Städtchens Olewsk gehörend , gleichfalls auf dem Wege zu dem Schloß des Fürsten Lubienski begriffen war , um auf die Einladung des reichen Grundbesitzers mit einigen bereits vorausgegangenen Kameraden die Festtage dort zuzubringen . Der Dienst hatte ihn verhindert , eher als am späten Nachmittag aufzubrechen , das Schneewetter ihn gleichfalls im Walde betroffen , und ein Sturz über eine Baumwurzel seinen Burschen so unglücklich vom Pferde geworfen , daß derselbe den Fuß gebrochen hatte und der Offizier gezwungen war , nachdem er ihn mühsam wieder in den Sattel gebracht , ihn langsam weiter zu geleiten , bis er in die Nähe des ihm vom Ansehen bekannten Kruges gekommen war . Mit Verwunderung hörte zugleich der Graf , daß dieser gar nicht weit ab von der Straße zum Schloß des Fürsten und deren Vereinigung mit dem Wege von Olewsk gelegen sei und daß sie morgen in Zeit von einer starken Stunde an ihr Ziel gelangen könnten . Die Wirthsleute des Krugs hatten sie daher absichtlich getäuscht . Obschon der fremde Offizier seinen Namen nicht genannt hatte , zeigte ihn doch das ganze Gespräch als Mann von Bildung und Erziehung und eine zufällige Bemerkung ergab ,