an dem kleinen Weihnachtsbaum befestigen . Dann holte sie all ' die prächtigen Sachen hervor , mit denen die Kinder beschenkt werden sollten . Zuerst kam das Nützliche , und zwar für Marie eine neue Schürze und ein kleines wollenes Halstuch , für das Bübchen aber eine Schiefertafel , da die alte im letzten Straßenkampf zu Grunde gegangen war , ein Federrohr und ein paar von ihm so genannte Herrenstiefel ; das waren nämlich Stiefel mit Schäften , wonach er schon lange geschmachtet und die ihm sein Pathe Schuhmachermeister verehrt . Hierauf folgte das Angenehme : für das Mädchen eine Puppe , welcher die Tänzerin aus verschiedenen Lappen und Flittern , die sie in der Garderobe gesammelt , ein prachtvolles Ballkleid verfertigt hatte . Die Puppe hatte eigenes Haar und war à l ' enfant frisirt ; wie ihre Legion von Schwestern schaute sie ungeheuer verwundert in die Welt und hatte dazu die Arme und Füße etwas Weniges verdreht ; letztere standen ungeheuer auswärts , und die Finger hielt sie nach Art der preußischen Infanterie : den kleinen Finger an der Hosennaht . - Für Karl hatte Clara längere Zeit zwischen einer Trommel und einem Schaukelpferd geschwankt , sich aber auf Zureden des Vaters für das Letztere entschieden . - » Denn , « meinte Herr Staiger , » er würde mit seiner Trommel ein schönes Gerappel machen , was meinem Onkel Tom und dem Herrn Blaffer nicht zu gut käme , und ich muß mich nun doppelt zusammen nehmen , um vortreffliche Arbeit zu machen , denn ich werde jetzt in der That so anständig honorirt , daß ich täglich mit Bequemlichkeit über zwei Gulden verdienen kann . - Ich hätte nie geglaubt , daß es mir noch so gut gehen würde . « Clara arbeitete emsig an ihrem Baum , stellte die oben genannten Sachen so prächtig auf und so schön in ' s Licht , daß sie in der That einen großartigen Effekt machten . » Weiß der Herr , « sagte freundlich Herr Staiger , der , die Hände auf dem Rücken , behaglich dieser Arbeit zusah ; » es geht mir heute Abend wie jenen Savoyardenknaben bei ihrer Melonenschnitte : ich fühle mich auch glücklicher als ein König ; es ist das wieder ein angenehmes , liebes Weihnachtsfest , wie sie mir aus meiner Jugend her in Erinnerung sind und wie wir sie einige Male hatten , als deine selige Mutter noch lebte . - Siehst du , Clara , « fuhr er gerührt fort , » ich glaube , der liebe Gott hat mein Leben wunderbarlich geführt und gibt mir noch einen fröhlichen Abend des Lebens . Ich weiß nicht weßhalb , aber es kommt mir nun einmal so vor . - Meine Jugend war hell und glücklich beschienen , dann kamen schlimme Jahre und ich mußte lange im kalten Schatten dieses Lebens wandeln . Aber jetzt wenn ich so den kleinen Tannenbaum ansehe , wie seine Nadeln bei jeder Bewegung spielen , und wie das Gold durch die feinen Zweige glänzt , jetzt ist es mir gerade , als stände ich auf der Höhe meines Lebens , - das heißt auf der Höhe , auf welche bald die allgemeine Ruhe folgt , - sähe aber vorher noch hinab in ein freundliches , von der Abendsonne beschienenes Thal ; ich sehe es hinter den Bäumen stehend , wenn ich aber noch einen kleinen Schritt , noch eine kleine Spanne Zeit vorwärts schreite , so stehe ich unter den sanft rauschenden Zweigen und den leise im Abendwind säuselnden Blättern , und der herrliche Glanz einer niedersinkenden Sonne strahlt prächtig auf meinen Pfad . - - Gewiß , Clara , das fühle ich ; und wenn dem so wäre , so würde es mich glücklich machen um deinetwillen . - Ja , mein Kind , wenn nur ein frohes Geschick unser Leben freundlich wenden wollte , so würde ich Gott auf ' s Herzlichste danken und es als eine Belohnung ansehen für deine unendliche Liebe und Güte für mich alten Mann und deine kleinen Geschwister , denen du Alles bist . « Während Herr Staiger so sprach , blickte er wie träumend und mit so glänzenden Augen , als schaue er wirklich all ' das Schöne , in den Tannenbaum . Dabei aber zitterte seine Stimme und seine Blicke verdunkelten sich zuweilen seltsam , um gleich darauf ein doppeltes Licht auszustrahlen , - zwei Lichtpunkte , die sich langsam über seine Wangen hinab bewegten . Clara hielt in ihrer Arbeit inne , als ihr Vater so sprach , und ihr Ohr lauschte gläubig seinen Worten . Auch ihr Blick erweiterte sich , ihre Brust hob sich mühsam , von einem unnennbar süßen Gefühl geschwellt , einem Gefühl , das von der Phantasie des alten Mannes ausgehend , bei ihr eine andere und bestimmtere Form gewann . Sollte er vielleicht Recht haben , sollte sich der Abend seines Lebens nochmals verschönern und vielleicht einen noch hellern Glanz auch über sie ausgießen ? - O nein ! nein ! das war ja unmöglich ; sie mochte und konnte nicht weiter denken , denn ihr Herz zog sich krampfhaft zusammen ; sie legte sanft ihre Arme um den Hals des Vaters , senkte den Kopf auf seine Brust , und während sie sich darauf bemühte , ihm die Thränen von den Wangen zu küssen , bemerkte sie nicht , daß auch die ihrigen flossen . » Wir sind aber recht kindisch , « sagte der alte Mann nach einer Pause , indem er das Gesicht seiner Tochter mit beiden Händen umfaßte und es sanft in die Höhe hob , um ihr in die schönen , edeln und reinen Züge zu sehen . » Jetzt geht es uns wieder einmal etwas gut und wir weinen wie die Kinder . « » Aber nicht aus Schmerz , Vater , « versetzte Clara sanft , » gewiß nicht aus Schmerz . Vielleicht geht dein schöner Traum in Erfüllung , und das war