das Werk lieber behalten . « Als Erikson diese seltsame Steigerung auffiel und er sie zu seinen Gunsten auszulegen und zu wenden beschloß , verbeugte er sich lächelnd , strich sein Geld wieder ein und erwiderte » Da mein kleines Bild eine so gute Stelle gefunden , wäre es lieblos von mir , es derselben zu berauben ! « Die Schöne aber fuhr fort » Und damit Sie sehen , daß nicht Habsucht mich zu dieser Steigerung antrieb , bitte ich , mir ein Seitenstück um diesen verdoppelten Preis zu malen , so bald als möglich , und mir jetzt gleich den Platz für beide Bilder aussuchen zu helfen ! « Erikson spazierte wohl eine Stunde mit ihr in den Gemächern herum , bis er den geeigneten Platz gefunden , und als er sich verabschiedete , grüßte sie ihn freundlich , aber kurz , und lud ihn nicht ein , sonst wiederzukommen . Aber er hatte wohlweislich vergessen , das Maß des Bildchens gleich zu nehmen , und sah sich daher gezwungen , am zweiten Tage sich wieder hinzubegeben , um vieles sorgfältiger gekleidet . Sie erschien sogleich selbst und führte ihn zu dem Bildchen , hielt ihn aber nach getaner Verrichtung durchaus nicht weiter auf . Und doch schien sie dem Weggehenden so froh und munter während des kurzen Besuches , daß er höchst zufrieden nach Hause ging und die neue Arbeit begann . Auch vergingen kaum einige Tage , als ihn Rosalie höchst dringend rufen ließ , um sich wegen des Rahmens mit ihm zu besprechen derjenige des ersten Bildes gefiele ihr ausnehmend wohl , und sie wünsche einen ganz gleichen zum zweiten zu bekommen . Als er sie über diesen Punkt einigermaßen beruhigt , entließ ihn die ihn stets schöner dünkende Rosalie auf das freundlichste , doch nicht ohne ihn auf den kommenden Sonntag zu Tische gebeten zu haben , indem sie , wie sie anmutig sich ausdrückte , diese Gelegenheit nun zu benutzen wünsche , ihr Haus mit einiger Künstlerschaft zu zieren und etwas zu lernen , damit solche grobe Verstöße , wie der begangene , immer weniger wiederkehren könnten . Erikson betrug sich ruhig und bescheiden , und wie ein Jäger auf ein edles Wild ging er auf sein schönes Ziel los mit klopfendem Herzen , aber ohne einen Schritt zuviel noch zuwenig zu tun , und zwar nicht aus allzutiefer Berechnung , sondern aus natürlicher Klugheit . Inzwischen malte er das bestellte Bildchen und ließ sich alle Zeit dazu ; er malte diesmal mit wahrer Zufriedenheit ein recht hoffnungsgrünes Frühlingslandschäftchen , welches fast reich und anmutig zu nennen war ; denn es schwante ihm , daß dieses seine letzte Schilderei sein werde . Es war im Spätherbste , als ihm dies Abenteuer begegnete , und im Februar war er schon so weit , daß Rosalie unter seinem offenen Schutze an dem Künstlerfeste erscheinen wollte . Noch hatte weder Erikson Ferdinands wundersame Agnes noch dieser die anmutsvolle und freundliche Witwe gesehen , und beide waren übereingekommen , daß dies am Feste zum ersten Male geschehen sollte . Heinrich hingegen war beiden Geliebten als ein ungefährliches junges Blut gelegentlich vorgestellt worden , und er freute sich , ohne leidenschaftlich beteiligt zu sein , die kommende Festzeit in dem Scheine solcher zwei Sterne mitgenießen zu können . Sechstes Kapitel Das große Theater war in einen Saal umgewandelt und hatte , voll erleuchtet , bereits die beiden Hauptkörper des Festheeres , die , welche das Fest geben , und die , welche es sehen sollten , in sich aufgenommen . Während in den Logenreihen die wohlhabendere und gebildete Hälfte der Stadt in vollem Schmucke versammelt harrte , den königlichen Hof in der Mitte , waren die Seitensäle und Gänge dicht angefüllt von den sich ordnenden Künstlerscharen . Hier wogte es hundertfarbig und schimmernd durcheinander . Jeder war für sich eine inhaltvolle Erscheinung , und indem er selber etwas Rechtem gleichsah , betrachtete er freudig den Nächsten , welcher , durch die schöne Tracht gänzlich umgewandelt , nun ebenfalls so vorteilhaft und kräftig erschien , wie man es gar nicht in ihm gesucht hätte . Allen klopfte das Herz vor froher Erwartung , und doch hielten sie sich ruhig und gemessen , wie Leute , welche fühlten , daß ihnen eine schönere äußere Erscheinung für das ganze Leben gebührte und nicht bloß für eine Nacht . Seltsame Zeit , wo die Menschen , wenn sie sich freudig erheben wollen , das Gewand der Vergangenheit anziehen müssen , um nur anständig zu erscheinen ! Und allerdings ist es ein prickliges Gefühl , zu wissen , daß die Nachkommen unsere jetzige Tracht nur etwa hervorziehen werden , um sich im Spotte zu ergehen , wie wir dies jetzo mit derjenigen des achtzehnten Jahrhunderts tun , welches sich selbst doch so wohl gefiel . Und wir können uns nicht anders rächen , als indem wir , wie öfter geschieht , die verborgene Zukunft in mutmaßenden Zerrbildern lächerlich machen und zum voraus beschimpfen ! Wann wird wieder eine Zeit kommen , wo wir uns um die eigene Achse drehen und uns in eigener Gegenwart genügen ? Nun öffneten sich endlich die Türen , und die Trompeter und Pauker , welche klangvoll erschienen , verbargen in ihrer Breite den hinter ihnen anschwellenden Zug , so daß man ungeduldig harrte , bis sie weiter vorgeschritten und der reichen Entfaltung Raum gaben . Ihnen folgten zwei Zugführer mit dem alten Wappen von Nürnberg , dem Jungfernadler auf den weißen und roten Wappenröcken , und hinter ihnen schritt schlank und zierlich einher , in dieselben Farben gekleidet , aber mit einem mächtigen Laubkranze auf dem Kopfe , der Zunftführer , welcher der stattlichen Zunft der Meistersänger voranging mit seinem goldenen Stabe . Alle bekränzt , ging jetzt die gute Schar der nürnbergischen Meistersänger daher mit ihrer Spruchtafel , die Jugend , in welcher noch das abenteuernde Wanderblut wallte , voran in kurzer Tracht mit der Zither auf dem Rücken ; dann aber folgten die Alten , um