des Schlosses , etwa eine Viertelstunde von diesem in einem krausen und durcheinandergewirrten Busche von Hagdornen , Eschen und Birken , der auf einem kleinen Hügel wuchs . Er hatte den Ort in seinen wohlhabenden Tagen zum Vogelherde benutzt ; es stand aber von der früheren Vorrichtung nichts mehr als der Pfahl für den Lockvogel nebst den vier Pfosten , zwischen welchen die Hütte erbaut gewesen war . Das Dach und Bretterwerk war längst verfault oder von armen Leuten gestohlen . An diesem stillen und wüsten Platze saß der Schloßherr und lauerte auf einen gleichsam Vogel , aber nicht auf einen Finken , Hänfling oder Kreuzschnabel , sondern auf den Bedienten Karl Buttervogel . Die Straße nach der Stadt zog sich nämlich unter dem Hügel durch . Karln hatte er vor kurzem auf ihr fortwandern sehen , und sogleich war von ihm beschlossen worden , dem Bedienten bei der Heimkehr , die mittags zu erwarten stand , den Weg zu verlegen , ihn auf den Vogelherd zu rufen , mit ihm dort , begünstigt von der Einsamkeit des Ortes , ein scharfes Verhör anzustellen und dadurch womöglich hinter die Geheimnisse Münchhausens zu kommen . Der alte Herr hatte lange über diesen Entschluß mit seinem Zartsinne gefochten , endlich aber war er doch zu dem Resultate gediehen , daß er ihn unbeschadet seines Gewissens ausführen dürfe , weil ein so dankvergessener Gast , wie der Freiherr von Münchhausen , durchaus keine Rücksicht verdiene . Die Verhältnisse im Innern des Schlosses hatten sich nämlich folgendermaßen gestellt : Durch den Abzug des Schulmeisters waren die Akademiker von Schnick-Schnack-Schnurr desjenigen Individuums quitt geworden , welches einer jeden menschlichen Gemeinschaft not tut , nämlich des Sündenbockes . Irgendeiner muß in jedem Hause vorhanden sein , an welchem die übeln Launen , die Zornmütigkeiten und die verdrießlichen Stimmungen ausgelassen werden dürfen . Ohne einen solchen Abzugskanal läßt sich ein dauerhafter häuslicher Friede gar nicht denken . Ich habe ein Hauswesen gekannt , in welchem so lange zwischen der Herrschaft und den übrigen Hauptpersonen eine vortreffliche Einigkeit bestand , als ein dummes und ungeschicktes Mädchen , eine entfernte Verwandte , tagtäglich auszuschmälen war . Herr und Frau begingen aber den Torenstreich , dieses Mädchen fortzuschicken aus dem Grunde , weil der Ärger und Lärmen mit ihr im Hause zu groß sei . Und von Stund an hörte alle Verträglichkeit auf ; es war , als ob in der Dummen und Ungeschickten der Schutzgeist des Herdes verscheucht worden sei , der Mann zankte mit der Frau , die Frau schmollte mit dem Manne , der erwachsene Sohn und die mannbare Tochter hatten ein beständiges Schrauben und unangenehmes Reiben miteinander ; selbst die Hausfreunde bekamen Augen für die Schwächen ihrer Wirte und erkalteten , kein Gesinde wollte mehr bleiben , weil es die erschwerte Last der übeln Behandlung nicht zu tragen vermochte - kurz , es war eben mit allem Komfort zwischen jenen vier Pfählen vorbei , als man rechten Komfort darin stiften wollte . So können sich die Menschen über ihre nächsten Verhältnisse und Umgebungen täuschen . Und in der großen Welthistorie geht es mitunter nicht anders zu . Einem Volke tut ein tüchtiger Feind not , nur solange es ihn besitzt , ist es in Flor . Solange Rom sich mit Karthago herumbiß , setzte es alles böse Wesen draußen ab , als aber die Nebenbuhlerin in Trümmern rauchte , ging die innerliche böse Wirtschaft an ; von Napoleon hat nicht einer bloß gesagt , er sei für uns viel zu früh gefallen . Doch um von Rom und Karthago und Napoleon und uns zum Schlosse Schnick-Schnack-Schnurr zurückzugelangen - solange der Schulmeister auf dem Gebirge Taygetus saß , wußten der alte Baron und seine Tochter , wohin mit ihren verdrießlichen Stimmungen , und als er abzog , wurde es buchstäblich wahr , was der Schloßherr gesagt hatte : Es kam eine Lücke in den schönen Kreis . Das Glück war bekanntlich nicht die Göttin des dortigen Herdes , es gab also viel Anlaß zu Verstimmungen , an wem sollten sie nun ausgelassen werden ? Hätte das Fräulein Lisbeth gehabt , so wäre wenigstens ihr geholfen gewesen , so aber wie die Sachen standen , gab es durchaus keinen Rat . Vater und Tochter waren zu sehr aneinander gewöhnt um miteinander hadern zu können . Der Bediente Karl Buttervogel war für Emerentien Karlos , der geliebte und verehrte Schmetterling , für den alten Baron ein zu geringfügiges Individuum . In dieser Not und Verlegenheit sank der Freiherr von Münchhausen von einem langweiligen Erzähler , der er für den alten Baron bereits geworden war , zum Sündenbock herab . Ja , es ist richtig , wenn auch betrübt ; dieser große und wunderbare Charakter war bald dahin gediehen , wo der verachtete Schulmeister Agesel gestanden hatte ; er wurde wechselweise von dem alten Baron und seiner Tochter über die Achsel angeschaut . Das war nämlich so zugegangen . Der Baron Schnuck-Muckelig in der Boccage zum Warzentrost verbracht einige unmutige Tage nach dem Abzuge des Schulmeisters und suchte sich durch wiederholtes Besichtigen des freien Platzes , wo die Luftverdichtungsfabrik zu stehen kommen sollte , leidlich hinzuhalten . Er dachte , Münchhausen werde rücksichtsvoll genug sein , auch ohne Erinnerung ihm das Geheimnis der Bereitung kundzutun . Münchhausen schwieg . Hiernächst spielte er von ferne auf Pflichten der Gastfreundschaft an , welche nicht verabsäumt werden dürften . Münchhausen schwieg . Darauf gab er die Sache näher und sagte , es sei nicht gleichviel , jemandem etwas in den Kopf zu setzen , man müsse auch Wort halten können . Münchhausen schwieg . Endlich wurde er klar und rief : » Wenn du mir nicht die Luftfabrik machst , so bist du kein ehrlicher Mann ! « Münchhausen seufzte und schwieg . Emerentien war die Zeit ebenso lang geworden , wie ihrem Vater . Der Prätendent von Hechelkram aß Wurst , Eier und Rindfleisch , soviel ihm von diesen Dingen die Hand der Liebe reichte , blieb aber nach wie vor Bedienter