. Sie ist dadurch gerade wärmer und nachgiebiger gegen den großen Verband , den die Natur unter den Menschen knüpfte , sie ist voll Ehrfurcht gegen die geselligen Pflichten , die ergänzend eintreten , wo dieser nicht stattfindet . Aber sie ist dies Alles mit einer Feinheit und einem Bewußtsein , was eben nothwendig sie rücksichtslos erscheinen läßt nach gewöhnlichen Voraussetzungen . Richmonds Augen ruhten während dieser Worte am Boden ; er gedachte des Ideals seiner Brust , er wollte prüfen , ob es sich mit den Worten des Geistlichen vertrug ; er konnte nicht damit fertig werden ; unsicher wogten die Bilder durch einander , und endlich fühlte er , daß sein Nachdenken schon zu lange gewährt . Mit einer desto bereitwilligeren Miene eilte er , das Schweigen zu unterbrechen . Es steht mir in keinem Falle zu , Sir , sprach er rasch , an Worten Zweifel zu hegen , die durch die Erscheinung des Fräuleins selbst bestätigt sind , und jedes Mißtrauen , das ein so außerordentliches Schicksal an dem Karakter der Person selbst mit sich führt , würde um so unedler sein , fest zu halten , als es ohne Zweifel die schmerzlichste Zugabe desselben ist . Noch ein Mal nehmet die Versicherung , daß ich zu jeder Mitwirkung bereit bin und in einigen Tagen hoffen darf , mit meinen Angelegenheiten weit genug gediehen zu sein , um dann die Spur der Lady verfolgen zu können . Erhaltet Euch der Sache , Sir , der Ihr so nützlich werden könnt ; es ist mit Euerm Erscheinen ein Hinderniß gehoben , dessen Bedenklichkeit ich stets empfand . Euch wird die Lady vertrauen und Euch zu folgen einwilligen , wenn wir so glücklich sind , sie aufzufinden ; was wir jetzt kaum hoffen durften , nachdem es uns schon ein Mal verweigert wurde , wo die eigene Ueberzeugung von Membrockes bösem Willen vielleicht noch nicht eingetreten war . - Seid daher vorsichtig und verlaßt den Schutz dieses Hauses nicht , bis zu unserer Abreise . Kennen wir die Absichten des unbekannten Warners nicht , hat er sich doch darin nicht geirrt , Euch hier gesichert zu halten . - Lord Richmond gab nun selbst Befehl , einige Zimmer , die an die seinigen grenzten , für einen Gast in Bereitschaft zu setzen , und ließ dessen Reisegepäck von einem verschwiegenen Domestiken , der die Livree ablegte , aus der Herberge herbeischaffen , ohne zu erlauben , daß er die Mauern des Schlosses wieder verlasse . Der andere Tag ward dazu verwendet , mit dem jungen Herzoge die nöthigen Verabredungen zu treffen und Brixton mit denselben bekannt zu machen ; zu welcher Berathung sich auch Lord Ormond einfand . Außer Zweifel waren die Empfindungen der hier zusammentreffenden Männer ganz geeignet , Brixton die Hoffnung eines kräftigen Beistandes zu verheißen , und er beschloß innerlich , mit denselben erst Alles zu versuchen , um seine junge Freundin ihren falschen Beschützern zu entführen , da er sich in jedem anderweitigen Schritte , der ihm Aussicht auf Hülfe verlieh , mannigfach gehindert sah , und er die Warnung , für seine Freiheit zu sorgen , nicht unbegründet finden mochte . Der Widerstand , den er erfahren , schien ihm von einer gemachten Entdeckung über das Fräulein herzurühren , und er konnte ihr Verschwinden mit seiner eigenen Verfolgung in Zusammenhang bringen , obwol es ihm höchst unwahrscheinlich blieb , daß dies von der Seite des Herzogs von Buckingham herkommen sollte , den er unmöglich mitwissend und doch verfolgend denken konnte . Einen Schritt bei Letzterem zu thun , schien ihm bei der Veränderung der Dinge , die über Alles so viel Dunkelheit gebracht , ein zu gewagtes Unternehmen , da seine Aufmerksamkeit zu erregen , schon Gefahr brachte , ein ihm bisher heilig gehaltenes Geheimniß bloszustellen . Er beschloß demnach , zuerst ihre Befreiung als das Nöthigste anzusehen und der Zeit alle fernere Entwickelung anheim zu stellen . In der größten Zurückgezogenheit wartete er daher die Zeit ab , die seinem jungen Beschützer erlauben würde , sich ganz der Sache seines Schützling zu widmen , die aber für den Augenblick noch in Anspruch genommen war von den uns bereits bekannten Vorgängen in der Familie Nottingham . An dem Hochzeittage seines Bruders begleitete Richmond seinen Großvater , den ehrwürdigen Lord Bristol , trotz des prinzlichen Gefolges , bis an die Grenzsteine der väterlichen Besitzungen , und eilte dann mit dem glühendsten Eifer zurück , um sich zu Brixtons Bestimmung zu stellen . Sein erster Schritt war jetzt , Lord Membrocke aufzusuchen , da nur noch wenige Stunden bis zu dessen Abreise blieben , indem dem Herzoge von Buckingham , zu dessen nächster Umgebung er gehören sollte , keine Zögerung mehr gestattet war . Doch fand er dies eitle Kind der Welt in ein solches Gewirre der gewöhnlichsten Lebensbeziehungen verwickelt , so von Schneidern , Juwelieren , Stickern und Handelsleuten aller Art umgeben , daß ihm keine Beziehung zu Lord Richmond in Erinnerung geblieben schien und er diesen aufforderte , der Tanzstunde beizuwohnen , die ein französischer Tanzmeister ihm geben wolle , um ihn in den neuesten zu Paris bei Hofe gebräuchlichen Tänzen zu unterrichten . Ich denke , Mylord , sprach Richmond mit dem vollsten Ausdrucke der Geringschätzung , Euch wird nicht ganz entfallen sein , daß ich Euer Haus nicht betreten haben kann , um Euern Späßen beizuwohnen , daß es unter uns ernstere Beziehungen giebt , die erörtert sein wollen , ehe ich Euch erlauben kann , in diesem Tone Euch zu vergnügen . Richtig rief Membrocke mit sehr natürlichem Erstaunen , da ihm wirklich im Augenblicke erst die Veranlassung zu Richmonds Besuch einfiel . Wir haben , setzte er lachend hinzu , über die kleine schlaue Miß eine Zwiesprache zu halten , die ich Euer Liebden strenger Aufsicht entführte . Richmonds Stirn brannte bei der geringschätzigen Art , wie er hier ein Wesen erwähnen hörte , gegen das er sich selbst noch jeden Zweifel vorwarf . Ich bin nicht gewohnt ,