war , als Dummerjahne neben den protestantischen Predigern stehn . « Ich konnte mein Erstaunen über diese Freimütigkeit nicht bergen und er fuhr fort : » Das ist auch so ein alter abgenutzter geistlicher Kniff , über alles hinter dem Berge zu halten , was vor jedermanns Augen offen daliegt . Ich für meine Person habe ihn in den Winkel geworfen , weil ich festiglich an den ewigen Bestand meiner Kirche glaube , ohne diese Gaukeleien . « Schon nach acht Tagen kam der Versetzungsbefehl aus dem Offizialate , der zwar große Bestürzung erregte , dem aber nach dem Grundsatze der Obedienz nicht widerstrebt werden mochte . Die Herzogin konnte dem Gewissensschärfer doch nicht auf sein Dörflein folgen , er mußte sich also damit begnügen , eine ausgearbeitete Heilsordnung zu hinterlassen , und wir sahen dem abziehenden Sykophanten mit stillem Jubel nach . Bei diesem Siege hätte ich mich beruhigen , ich hätte der Kraft der Zeit vertrauen und erwarten sollen , daß , wenn auch unsre Freundin nach der Entfernung des Priesters fortfuhr , zu beten und sich zu kasteien , diese Exaltation ohne einen immer gegenwärtigen Schürer und Anbläser allgemach erlöschen würde , zumal da der Nachfolger des Geistlichen ein durchaus mäßiger heiter denkender Mann war . Allein auch mich riß die Ungeduld , die uns allen jetzt so eigen ist , fort . Ich wollte das Übel mit Stumpf und Stiel ausrotten , und muß mich nun leider selbst eines recht törichten Streichs anklagen . Wie man Sturzbäder anwendet , um durch Erschütterung des ganzen Organismus eine Hauptkrisis zu bewirken , so wollte ich in diesem Falle von einem moralischen Sturzbade Gebrauch machen , durch welches ich zugleich das Luftbild , welches die Phantasie meiner Herrin quälte , auszulöschen , und der entnervenden Irrwirkung des Priesters entgegenzutreten hoffte . Ich ließ also - um kurz zu sein , denn warum soll ich etwas Schlimmes weitläuftig hin und her wenden ? - die Herzogin durch dritte glaubwürdige Hand wissen , daß der junge Mann , den wir auf dem Schlosse beherbergt , eigentlich ein ziemlich lockrer Gesell gewesen sei , der ein verkleidetes Mädchen , mit welchem er schon eine Zeitlang gelebt , hier unter uns bei sich gehabt habe . So weit kann man , in Mißstimmungen und Willkürlichkeiten verloren , von der graden Bahn abkommen . Der Erfolg meiner Torheit war keinesweges der beabsichtigte , sondern ein sehr trauriger . Ich wurde zur Herzogin berufen , welche , ausgestreckt auf dem Sofa , im furchtbarsten Krampfe lag . Nachdem die verzweifeltsten Mittel diesen gebrochen , entwickelten sich intermittierende Zufälle , welche monatelang anhielten , und das zarte Gebilde zu vernichten drohten . Mein Zustand war schrecklich . Ich rannte wie rasend durch Felder und Wälder , verweinte meine Nächte , verfluchte mich und meinen Unsinn . Die Schlaflosigkeiten , woran ich noch jetzt periodenweise leide , sind Nachwehen jener trauervollen Zeit . In einem freien Zwischenraume schrieb die Herzogin den Brief an Hermann und sandte ihm die Brieftasche zurück . Über das Phantasma auf dem Hügel habe ich selbst meine eignen Gedanken gehabt . Soviel ist gewiß , es war der Hügel und die Stelle auf demselben , wo der Pfaff sich bestrebt hatte , in Hermann den Gedanken an einen Übertritt zur katholischen Kirche mit listigen Entzückungen zu erregen , und wo nachmals der Mordanfall auf den Oheim geschehen war . Empfängt die Erde einen Eindruck vom Frevel , daß der Ort , wo ein solcher geschah , vergiftet wird , und in einem dazu disponierten Gemüte Gedanken , die vom Rechten abirren , hervorzurufen vermag ? Seelisches und Körperliches stehn im engsten ununterscheidbarsten Zusammenhange , Körper und Außenwelt wirken auf die Seele , trübe Luft , Steinkohlendämpfe erzeugen Niedergeschlagenheit und Mißmut , Sonnenschein , Gebirgsatmosphäre , Heiterkeit und Energie des Geistes . Ist es nun so ungereimt , anzunehmen , daß jene Wirkung , wie jede vollkommne , eine Wechselwirkung sei , daß auch die Seele ihrerseits , als höchst durchdringendes Fluidum , auf die Außenwelt Einfluß übe , und in ihren stärksten Äußerungen den Boden , diesen analog , zu imprägnieren vermöge ? Ja , wenn man konsequent denken , nicht bei Halbheiten stehnbleiben will , so kann man eigentlich nichts andres annehmen . Freilich dürfte man jetzt nur erst als Hypothese hinwerfen , daß der gute Mensch die Luft und den Boden gesund mache , der böse und die böse Tat dagegen die Stelle verpeste , so daß den Tugendhaften dort ein Schauder , den Schwachen ein Gelüst zum Unerlaubten anwandle . Noch klingt dies barock und aberwitzig , nach hundert Jahren gehört es vielleicht zu den trivial gewordnen Sätzen . Sie haben schon im zweiten Buche des Volksglaubens erwähnt , welcher diese Dinge für wahr hält . Er spricht überall etwas Ähnliches aus . Wo ein Mord geschah , hat niemand sich gern angesiedelt , ist leicht wieder etwas Übles vorgefallen . Hebel singt vom dem Platze , wo der Michel , der vom bösen Jäger den Karfunkel empfing , sich den Hals abschnitt : ' s isch e Plätzli näumen , es goht nit Ege no Pflug druf , Hurst an Hurst scho hundert Johr und giftigi Chrüter , ' s singt kei Trostle drinn , kei Summervögeli bsuecht sie , breiti Dosche hüete dört e zeichnete Chörper . Der Volksglaube ist aber für die Erkenntnis der natürlichen Dinge eine sehr wichtige Quelle , denn er ist das Unisono derjenigen Menschen , welche Augen und Ohren für sie haben , und nicht mit Reflexionen ihnen beikommen wollen . Es tut mir leid , daß ich bei einem Manne , der außer den fünf Sinnen noch einen sechsten hatte , den alten Heim meine ich , unterlassen habe , nachzufragen , ob er in den Zimmern der verschiednen Menschen , welche er behandelte , nicht schon durch den Geruch ihre Individualitäten und Charaktere gewittert hat ? In den Tagen , da die Herzogin noch immer heftig , wenngleich mit der Aussicht