vornehmen Gutsbesitzer zu spielen , sich zu lauter Edelleuten zu drängen und Summen an diese zu verlieren , welche bei den jetzigen drückenden Verhältnissen einen viel Reichern als ihn hätten zu Grunde richten müssen . Der Graf zuckte verächtlich mit den Schultern , und es ließ sich nicht unterscheiden , ob dieß dem alten Lorenz oder den erwähnten Edelleuten galt . Im Laufe des Gesprächs verabredete er mit dem Prediger , der seine gute Laune nach und nach wieder gewann , daß , wenn der Alte so weit sein würde , daß er nichts mehr , als die Unterstützung des Grafen besäße , er alsdann bei rechtlichen Leuten untergebracht werden sollte , die sich anheischig machten für alle seine Bedürfnisse zu sorgen , und die ihre Entschädigung aus den Händen des Geistlichen erhalten sollten , der alsdann nur den Ueberrest dem alten Lorenz zur beliebigen Verwendung einhändigen würde ; und so ist dem alten Schuft , schloß der Pfarrer seine Vorschläge , ein weit besseres Loos gesichert , als er verdient . Wenn wir streng sein wollen , sagte der Graf lächelnd , so ist dieß mit wenigen Ausnahmen wohl bei allen Menschen der Fall . Sie scheinen die Ansichten der strengen Theologen zu theilen , sagte der Prediger , die den Menschen für so verderbt halten , daß alles ihn umringende Elend immer noch nicht seine Bosheit und Schlechtigkeit hinreichend bestraft . Ich spreche nicht von Ereignissen , erwiederte der Graf , die , unabhängig vom Menschen , das Geschlecht desselben bedrohen , gegen die man sich nicht vertheidigen kann , weil sie , uns unerreichbar , jeden Kampf unmöglich machen , und wo freilich oft bei vollkommener Unschuld ein unermeßliches Unglück erduldet werden muß . Aber im Ganzen werden Sie doch zugeben , daß sich unser Schicksal aus unserm Charakter entwickelt , und wenn wir am Abend unseres Lebens den Lauf desselben überdenken , glaube ich , werden wir zugeben müssen , daß unsere Thorheiten , Schwächen und Irrthümer uns noch weit mehr Kummer bereiten , uns noch in eine schlimmere Lage hätten versetzen können , wenn dieß nicht ein gütiges Geschick zu unserem Besten abgewendet hätte . Dieß Gespräch wurde durch den Grafen Robert unterbrochen , der seinem Oheim meldete , es sei Zeit , wenn er den kriegerischen Uebungen der jungen Landleute beiwohnen wollte , sich auf den den dazu bestimmten Platz zu begeben , weil man sich dem Grafen zu Ehren versammelt habe , obgleich es heute kein Sonntag sei . Der Graf war bereit seinem Vetter zu folgen und der Prediger bat spöttisch um die Erlaubniß die Herren zu begleiten , und man bemerkte an der verdrüßlichen Art , wie der Graf Robert diese Begleitung annahm , daß sie ihm keineswegs angenehm war . Wir haben hier recht ein Bild von dem Zustande Frankreichs , sagte der Prediger noch immer spöttisch , zum Grafen gewendet , wie es war , als die erste Begeisterung seine Jugend vereinigte zum Kampfe gegen die ganze Welt . Eben so drängen sich die jungen Landleute hier herum zu den Waffenübungen , und selbst Wer Anfangs über die Begeisterung lachte , die Ihr Herr Vetter unter Ihren Unterthanen verbreitete , ward nach und nach von der Krankheit ergriffen , und statt des ehemaligen sonntäglichen Kegelspiels beschäftigt Exerciren und Marschiren weit und breit die kampflustige Jugend , wie gesagt , ganz wie in der Periode der Begeisterung in Frankreich . Und haben Sie vergessen , sagte der Graf ernsthaft , was Frankreich damals in dieser Begeisterung Unglaubliches vollbrachte ? Und sollte es nicht möglich sein , daß das , was jetzt wie eine thörichte Spielerei erscheint , noch einmal nützlich wäre ? Ueberrascht blickte der Pfarrer dem Grafen in die Augen . Es schien , er wollte mit Begierde darin einen tieferen Sinn der Rede lesen . Der Graf aber fuhr ruhig fort : Und wenn diese kriegerischen Uebungen auch zu nichts weiter führen , so machen sie doch die jungen Leute gewandter , und schon das ist Gewinn . Man hatte unter diesen Gesprächen den zur Waffenübung bestimmten Platz erreicht , und der Graf bemerkte den jungen Gustav Thorfeld , der mit großem Eifer die Landleute einübte , und mit Vergnügen sah der Graf , daß er das , was er sich zu lehren bestrebte , selbst in höchster Vollkommenheit zu üben verstand . Wenige Männer verlieren ganz die Neigung zu kriegerischer Thätigkeit , denn nur in der Brust weniger erstirbt das Gefühl gänzlich , daß es des Mannes Beruf ist , sein Vaterland zu vertheidigen , seinen Heerd zu beschützen . Auch der Graf also überließ sich mit Lebhaftigkeit der Theilnahme an diesen Uebungen , und in seinen Augen leuchtete die Hoffnung , daß sich aus geringen Keimen viel Gutes für die Zukunft entwickeln könne . Man war noch nicht lange auf dem Uebungsplatze versammelt , als man den Hufschlag von Pferden vernahm , und bald zeigten sich drei Reiter , von denen der eine voraus ritt , und dem die beiden andern in bunter Kleidung folgten , über die man einen Augenblick in Ungewißheit blieb , ob es kriegerische Uniformen waren oder der phantastische Putz , den Kunstreiter anzulegen pflegen . Bald klärten sich die Zweifel auf . Der Baron Löbau nahte und stieg ab , um den Grafen auf ' s Herzlichste zu begrüßen . Ich dachte es wohl , sagte er lächelnd , daß ich Sie wenigstens hier auf dem Uebungsplatze finden würde , wenn Sie es auch verschmähen , Ihre alten Freunde und Nachbaren zu besuchen . Der Graf entschuldigte sich mit der kurzen Dauer seines dießmaligen Aufenthalts und mit den vielen dringenden Geschäften , die in dieser kurzen Zeit alle abgemacht werden müßten . Da Sie Theilnahme für unsere kriegerischen Uebungen beweisen , erwiederte der Baron selbstgefällig lächelnd , so müssen Sie doch wenigstens einem Manoeuvre beiwohnen , das morgen auf meinem Marsfelde Statt finden wird , denn es ist doch billig , daß Sie auch meine Truppen in Augenschein nehmen , da