hier allein in Deinem Garten Dich zu beschwören : o hilf mir Dich denken , Dich empfinden ; mein Glaube ist mein Zauberstab , durch ihn erschaff ich meine Welt , außer welcher mir alles fremd ist , und ich hege keinen Zweifel , daß ich nur in ihr wirklich lebe . Mein Denken ist wundertätig : ich spreche mit Dir , ich seh in Dich hinein , mein Gebet ist , daß ich meinen Willen stärke , Dich zu denken . * * * In Goethes Garten Die ganze Welt umher beleuchtet von einer Sonne ! Du in mir allein beleuchtet , alles andre im Dunkel . Wie das die Liebe entflammt , wenn das Licht nur auf einen Gegenstand fällt ! Das waren Deine Worte gestern : ich solle schreiben , und wenn es Folianten wären , es sei Dir nicht zu viel . Ach , und Du weißt doch , daß meine Sprache nur einen kleinen Umfang an Kenntnis hat . Daß ich zwar glaube , jedesmal neu zu empfinden , was ich Dir zu sagen habe , aber doch ist es ewig dasselbe . Und Dir ? Ist es Dir nicht zu viel ? - Ich hab ' s versucht , wie ein Maulwurf mich durchs eigne Herz gewühlt und habe gehofft , einen Schatz zu entdecken , der im Dunkeln leuchte , den wollte ich Dir heraufbringen , aber vergeblich ! - Es sind keine gewaltigen Dinge , die ich Dir zu sagen habe , es ist nichts als nur lieblich zu gestehen , und unwiderstehlich dieses Nichts . Liebkosungen bestehen ja in der Mitteilung . - Wenn Du am Bach ruhst unter duftigen Kräutern und die Libelle mit ihren kristallnen Augen läßt sich auf Dir nieder , sie fächelt Deine Lippen mit ihren Flügeln , wirst Du ihr böse ? - Wenn ein kleiner Käfer an Deinem Gewand hinaufklettert und endlich sich im Busen verirrt , nennst Du das allzu keck ? - Das kleine Tierchen , so unbekannt mit dem schlagenden Herzen unter seinen Füßchen ? - Und ich ! Bekannt mit diesem erhöhten Takt Deiner Gefühle , bin ich zu tadeln , daß ich mich Dir ans Herz dränge ? - Siehst Du ! Das ist alles , was ich Dir zu sagen habe . - Der Abendwind eilt flüchtig über die Gräser bis zu mir herab , die ich am Fuß des Hügels sitze und daran denke , wie ich Dir diese Folianten ausfüllen soll . * * * Denk ich an Dich , so mag ich nicht am Boden weilen . Gleich regt Psyche die Flügel , sie fühlt die irdische Schwere , fühlt sich befangen in manchem , was nicht zu ihrem himmlischen Beruf gehört , das macht Schmerz , das macht wehmütig . Das Licht der Weisheit leuchtet nur in uns selbst . Was nicht innere Offenbarung ist , wird nie Früchte der Erkenntnis tragen . Die Seele kommt sich selber entgegen in der Liebe , sie findet sich und nimmt sich auf im Geliebten ; so finde ich mich in Dir . Was kann mir Beglückenderes widerfahren ? - Und ist es ein Wunder , daß ich Deine Knie umfasse ? - Ich möchte Dir alles mitteilen , was ich von Dir lerne . - Wenn der Geist wäre , was das Wort wiederholen kann , so hätte der Begriff einen kleinen Umfang . Es ist noch was anders Geist , als was in dem Netz der Sprache gefangen wird . Geist ist das alles in sich verwandelnde Leben ; auch die Liebe muß Geist werden . Mein Geist ist fortwährend geschäftig , diese Liebe in sich umzusetzen , daraus wird und muß mein unsterblich Leben hervorgehen , oder ich geh unter . - * * * Die Sonne geht unter , ihr Purpurzelt breitet sich über Deinen Garten , ich sitze hier allein und übersehe die Wege , die Du durch diese Auen geleitet hast , alle sind verlassen , nirgends wandelt einer , - so einsam ist ' s , so ganz bis in die Ferne , und so lange schon hab ich darauf gewartet , alles soll schweigen , dann wollt ich mich besinnen und mit Dir sprechen - und jetzt fühl ich mich so verzagt in der allmächtigen Stille . - Den Vogel im Busch hab ich verscheucht , die Glockenblumen schlafen . Der Mond und der Abendstern winken einander , wo soll ich mich hinwenden ? Der Baum , in dessen Rinde Du manchen Namen eingeschnitten hast , den hab ich verlassen und bin herabgegangen zur Haustür und hab die Stirne auf das Schloß gelegt , das Deine Hand wie oft aufgedrückt , und hast mit Freunden dagesessen und auch einsame Stunden verbracht . Du allein mit Deinem Genius hast ' s nicht gefühlt , das Schauervolle der Einsamkeit , glorreich triumphierend im Wettgefühl der Empfindung und Begeistrung gingen sie vorüber , diese stillen Abende . O Goethe , was denkst Du von meiner Liebe ? - Die so ewig an Dich heranbraust wie die Flut ans Ufer , und möchte mit Dir sprechen und kann nichts sagen als nur seufzen . Ja ! Sage doch : was meinst Du , das diese Liebe will ? - Ich selber erstaune oft , wie erwachend aus dem Traum , daß dieser Traum herrsche über mich . Aber bald beuge ich mich wieder unter das Schattendach seiner Wölbungen und schmiege mich seinem Flüstern und lasse die Sinne bewältigen durch das Flügelrauschen unbekannter Geister . - Göttlich will ich sein ! Göttlich und groß wie Du , frei über den Menschen nur in Deinem Lichte stehend , nur von Dir verstanden . Pfeile will ich senden : Gedanken , Dich sollen sie treffen und keinen andern , Du sollst ihre Schärfe prüfen , und in diesem heimlichen Verkehr sollen meine Sinne gedeihen ; sie sollen herzhaft sein , gesund , rasch , freudig , ewig aufwärts , nicht sinkend die Lebensgeister , - ihrem Erzeuger