Euch der Satan verstricken wollte ; eifrig habt Ihr Buße gesucht , und darum sie auch gefunden . « - » Und dennoch also verkannt ? « fiel Margarethe ein . - » Nehmt dieses hin als eine Strafe für den Fehl , den Ihr begangen ; « erinnerte Reinhold : » Daß Ihr , wie ich aus Eurer Beichte weiß , einen fremden Knaben statt des Euern verstorbenen eingepflanzt , wäre nichts , denn , was wir nicht wissen , ist nichts , und ein glücklicher Wahn ist besser , denn eine bittere Wahrheit ; allein die Mittel zu dem Zwecke waren nicht gut , sondern verdammlich gewählt . Einen Juden zum Vertrauten zu machen , ... eine Kreatur , weit verabscheuungswürdiger , denn die schwarzen Heiden im Lande Afrika , die doch nur halbe Menschen seyn sollen ... o ! das wird Euch böse Früchte tragen . Mich befremdets , daß Euer Name nicht schon vor dem Richterstuhl genannt worden ist , und Gott hat mir noch nicht den Ausweg gezeigt , der endlich diesem Wirrsal ein Ende machen werde . « - » Sollte Wahrheit nicht die beste Wahl seyn ? « fragte Margarethe kühn entschlossen : » Sollte es mir nicht den Frieden wiedergeben , wenn ich hinträte und offen eingestünde , was ich gethan ? « - Der Pater schüttelte bedenklich den Kopf . » Ein altes Sprichwort ist ' s , « sagte er , » daß man den schlafenden Wolf nicht wecke . Ist einmal der Pfeil vom Bogen , dann halte ihn auf , wer kann . Nicht doch . Ihr würdet Euch vielleicht unnöthig der Schande preis geben , während jetzt nur ein Verdacht Euch belastet . Was ist ein Verdacht , wenn man sich unschuldig fühlt ? Eine giftberaubte Schlange zu unsern Füßen . Hundert Frauen tragen ja geduldig den gegründeten Verdacht . Daß sie die Treue nicht bewahrten , ihre Stiefsöhne küßten , immerhin ! Aber mit einem Juden solchen Menschenhandel getrieben zu haben . - Das würde keine von sich sagen lassen wollen . Zudem , wo ist die Gewißheit , daß Johannes das Kind sey , das der Jude ermordet haben soll ? Ist ' s unwahrscheinlich , daß der Bösewicht ein ander Kind gemartert habe ? Noch hat er nicht geplaudert , und übermorgen wird sein und seines Vaters Urtheil gesprochen . Könnte er mit dem Geständniß seinen Hals retten , - sicher hätte er ' s nicht unterlassen . Ich werde übrigens das Nähere morgen wissen , denn ich will versuchen , ob ' s möglich wäre , diese heidnischen Blutzapfer vor ihrem gräßlichen Ende zu bekehren . « - » Ihr verwerft also ein offen reuiges Bekenntniß ? « fragte Margarethe noch einmal . - » Gott und seiner Kirche ist man verbunden , Alles zu entdecken und aufzuthun die geheimsten Falten des Herzens ; « erwiederte Reinhold kalt ; » das Laienvolk braucht nicht Alles zu wissen . Einen einzigen Mann kenne ich , bei welchem Euer Bekenntniß Nutzen bringen möchte ; indem sein Schutz und Schirm Euch aus der peinlichen Lage reißen würde , in die Euch der Argwohn Diethers versetzt hat . Ich meine den Schultheiß . Der Ritter hat längst nach Eurer Gunst gestrebt . Mit Begierde wird er die Gelegenheit ergreifen , sie zu verdienen . Ein Wort von Euch , und die gefährlichen Juden sterben plötzlich dahin , der Schöff wird beschwichtigt oder zur Ruhe gezwungen , und Johannes bleibt , was er seyn soll , Euer Erbe . « » Nimmermehr ! « entgegnete Margarethe unwillig : » Aus Eurem Munde diesen Rath ? Nein ; ich habe nicht Lust wirklich zu werden , wofür mein Eheherr mich hält . « - » Wie ihr meynt ; « sprach Reinhold gelassen : » ich preise Eure Tugend , welche verwirft , was Tausende thun würden , um die Möglichkeit zu vermeiden , vor der Welt ein Ärgerniß zu geben . Ihr seyd aber nicht wie Andere , obwohl auch aus heiligen Büchern Beispiele anzuführen wären , daß selbst die frömmsten Weiber sich nicht scheuten , dem besten Zwecke manche Bedenklichkeit zu opfern . Denkt an Judith , die dem wilden Holofernes sich überließ ... « - » Schweigt , würdiger Herr ! « bat Margarethe : » Ich vermag nicht , was Ihr jetzo begehrt . Laßt es daher beruhen , und sprecht mir von Derjenigen , die noch ferner um das Geheimniß weiß ; ... von Willhild . « » Ich weiß nichts von ihr und ihr Schweigen macht mir bange . « - » Ich kann Euch beruhigen , « antwortete der Mönch : » Ich habe mich befragt . Willhild und ihr Mann sind vor wenigen Tagen gen Compostell gezogen , auf eine Wallfahrt . Besorgt nichts von ihnen . Der Mann ist blödsinnig zu nennen , und die Frau , die vor Kurzem erst sehr krank gewesen , kömmt sicher aus Hispania nicht wieder heim . « - » Ich hätte nimmer geglaubt , daß die Hoffnung auf eines Menschen Tod mich beruhigen könnte ; « versetzte athemholend Margarethe . - » O die Hoffnung ist immer süß , « sagte der Pater , » wenn sie sich auch auf Gräber richtet , die sich erst öffnen sollen . Haben den Juden die Flammen erstickt , die unzuverläßige Willhild die Mühseligkeiten der Wallfahrt hinweggerafft ... wie lange dauert ' s , und sie tragen einen alten Schöffen zur Gruft ? Dann fallen Eure Fesseln ; dann feiert Ihr schon hienieden die Auferstehung . « - - » Ach , hochwürdiger Herr ! « seufzte Margarethe : » Gehe es mit mir , wie es wolle ; aber dieser Augenblick bleibe fern . Kann ich den Greis auch nicht lieben , wie eine Braut den gefälligen Bräutigam , so ehre ich doch sein graues Haupt , und bin ihm dankbar , daß er mein dürftiges Leben mit Überfluß gekrönt hat . « - »