an ihn « , antwortete leise die Verhüllte . Die Aurora der zweiten Welt steht schwarz vor den Menschen , sie bebten alle . Albano und Roquairol ergriffen und drückten einander die Hand , dieser aus Haß , Albano aus Qual , wie man in Metall knirscht . Das Zimmer war voll unähnlicher , befeindeter Menschen , die der Tod gleich machte . Seitwärts sah Albano eine fremde hereingeschlichene , ihm widrige Gestalt ; es war sein unkenntlicher Vater , dessen große , düstere Augen scharf und hart auf dem Sohne hafteten . - Aus dem zweiten Zimmer blickten zwei lange verschleierte weibliche Gestalten auf die dritte und sahen kein Gesicht und niemand ihres . Liane spielte mit den Fingern am Schleier . Der Abend stand im Zimmer und die Stille zwischen dem Blitze und dem Donnerschlag . » Denke an den allmächtigen Gott ! « rief Spener . - Sie antwortete nicht - er sprach weiter : » An unsere Quelle und an unser Meer , er allein steht dir jetzt im Dunkeln bei , wo dir die Erde und die Menschen aus der Hand entsinken und alle Lichter des Lebens . « Plötzlich fing sie an und sagte ganz freudig-leise und schnell hintereinander , wie wenn der Mensch im Schlafe spricht , und immer entzückter und schneller : » Karoline - hier , hier , Karoline - das ist meine Hand - wie bist du so schön ! « - Der unsichtbare Engel , der ihre erste Liebe geheiligt , der ihr Leben begleitet hatte , schimmerte wieder wie ein aufgegangener Mond über das ganze dunkle Sterben , und der Glanz verschmolz die kleine Mainacht leise mit dem großen Frühlingsmorgen der andern Welt . Nun lehnte die verschleierte Nonne des Himmels ganz still an der Mutter- Der Todesengel stand unsichtbar und zornig unter seinen Opfern - Mit großen Flügeln hing die Todes-Eule der Angst sich über die Menschen-Augen und hackte mit schwarzem Schnabel in die Brust herab , und man hörte nichts in der Stille als die Eule Düster wälzten sich des Ritters melancholische Augen in ihren tiefen Höhlen zwischen der stillen Braut und dem stillen Sohne hin und her ; und Gaspard und der Würgengel schaueten einander finster an . Da klang aus Lianans Harfe ein heller , hoher Ton lang in die Stille ; die Parze , die an ihrem Leben spann , kannte das Zeichen , hielt innen und stand auf , und die Schwester mit der Schere kam . Lianens Finger hörten auf zu spielen , und unter dem Schleier wurd ' es still und unbeweglich . » Dein Kopf ist schwer und kalt , meine Tochter « , sagte die trostlose Mutter . » Reißt den Schleier weg « , rief der Bruder ; und als er ihn herunterzog , ruhte Liane zufrieden und lächelnd darunter , aber gestorben - die blauen Augen offen nach dem Himmel - der verklärte Mund noch Liebe atmend - die jungfräuliche Lilien-Stirn von der tiefer herabgesunknen Blumenkrone umwunden - und bleich und verklärt vom Mondschein der höhern Welt die fremde Gestalt , die groß aus den kleinen Lebendigen unter ihre hohen Toten trat . Da quoll die goldne Sonne durch die Wolken und durch die Tränen hindurch und übergoß mit dem blühenden Abendlicht , mit dem jugendlichen Rosen-Öl ihrer Abendwolken die entfärbte Himmelsschwester , und das verklärte Antlitz blühte wieder jung . Am Himmel schlugen alle Wolken , berührt von ihren Flügeln , als sie durch sie zog , in lange rote Blüten aus - und durch den hohen , über die Erde geblähten Nebelflor glühten die tausend Rosen hindurch , die gestreuet und gewachsen waren auf der Wolken-Bahn , worauf die Jungfrau über die Erde zu dem Ewigen ging . Aber Albano , der verlassene Albano stand ohne Tränen und Augen und Worte unter den gemeinen Klagestimmen des Schmerzes im rosenroten Abendiener des heiligen Verklärungszimmers , unter dem irdischen Getümmel neben der stillen Gestalt ; in tiefer Vergangenheit zeigte ihm der Schmerz ein Medusenhaupt , und er sah es noch an , als sein Herz schon davon versteinert war , und er hörte immer das finstere Haupt die Worte murmeln : » Wie bitter hatte die Tote in Lilar über den harten Albano geweint ! « - Ihr Bruder sagte auf seiner Folter viele grausame Worte zu ihm ; er vernahm sie nicht , weil er dem grausamern Gorgonenhaupt zuhörte . » Sohn ! « ( rief Gaspard Cesara ernst ) » Sohn , kennst du mich nicht ? « Durch das schwere Leichen-Herz blitzt ihm eine Lebensstimme ; er blickt umher , und auf den Vater , ordnet sich erschreckend die Gestalt und stürzt auf seine Brust und ruft nur » Vater ! « und immer wieder » Vater ! « - Er rief fort , ihn heftig wie ein Feind umflechtend , und sagte : » Vater , das ist Liane ! « - Noch heftiger wurde die Umarmung , nicht aus Liebe , nur aus Qual . » Komme zu dir , und zu mir , lieber Albano ! « sagte der Ritter . » O ich will es tun , Sie ist nun gestorben , Vater ! « sagt ' er erstickt , und nun zerriß sein Schmerz am Vater , wie ein Gewölke am Gebürge , in eine unaufhörliche Träne - sie strömte fort , als wollte sich die innerste Seele verbluten aus allen offnen Adern - aber das Weinen wühlte nur die Qualen auf wie ein Wolkenbruch ein Schlachtfeld , er wurde trostloser und ungestümer und wiederholte dumpf das alte Wort . » Albano ! « ( sagte Gaspard nach einiger Zeit mit stärkerer Stimme ) » willst du mich begleiten ? « - » Gern , mein Vater ! « sagte er und folgte ihm , wie der Mutter ein blutendes Kind mit seiner Wunde . - » Morgen will ich schon sprechen « , sagte Albano im Wagen und nahm die väterliche Hand . Die weit offnen Augen