gelungen als der Zaubrerin Euphorion , oder - die Grazien mögen mir verzeihen daß ich sage - der Göttin selbst . Jene hingegen könnte unter den Wundern , die deine Schönheit bereits gethan hat , vielleicht das größte scheinen , wenn es wirklich ein größeres Wunder wäre , daß dein Bild einen jungen Aspendischen Schwächling rasend machte , als daß du selbst schon mehr als Einen Kopf , mit dem es sonst ziemlich richtig stand , aus dem Gleichgewicht gerückt hast . Der gute Chariton hatte , wie es scheint , von dieser Seite wenig zu verlieren ; und da ein im Grunde doch nur sehr gemeines Hausmittel gegen ein schon ziemlich eingewurzeltes Uebel so gut und schnell bei ihm anschlug , so ist nicht zu zweifeln , es würde , wenn man gleich Anfangs darauf verfallen wäre , dem alten Aspendier und seiner Familie viel Kummer , Plackerei und Ausgaben , dem jungen ein paar verlorne Jahre , und dir einen sehr entbehrlichen Zusatz zu deiner Celebrität erspart haben . - Aber was rede ich Undankbarer gegen die goldene Kette der menschlichen Thorheiten und Mißgriffe , an welcher doch zuletzt alle unsere Schicksale , die glücklichen wie die unglücklichen , hangen ? Hätte Tyche120 nicht in einer ihrer seltsamsten Launen die Kunstliebhaberei des alten Charidemus , den Zufall der eine Kopey der Skopassischen Venus in seine Hände spielte , die kränkelnde Reizbarkeit seines verzärtelten schwachsinnigen Sohns , die geringe Besonnenheit der ganzen Familie , den Unverstand der ersten Aerzte , und die auf bloßes Gerathewohl gewagte lange Reise von Aspendus nach Korinth , hätte , sage ich , die Göttin des Zufalls dieß alles nicht mit dem zarten Billigkeitssinn und dem philosophischen Vorwitz der schönen Lais so fein zusammengewebt , so würde - wahrlich so würde Aristipp das Vergnügen nicht gehabt haben , seine Freundin einen ganzen Monat früher zu sehen ! - Aber womit hat denn Aristipp verdient , auf so vieler wackerer Leute Unkosten ganz allein und unentgeltlich die süße Frucht ihrer Thorheiten einzuernten ? - Antworte mir jemand auf diese Frage etwas Besseres als : so ist nun einmal die Weise der großen Weltregentin ! Glück und Verdienst , Ausgabe und Gewinn , Genuß und Arbeit , scharf und gleich gegen einander abzuwägen , ist ihres Thuns nicht ; und gegen einen , der die Früchte seines mühsamen Fleißes unverkümmert genießt , ernten nenne wo sie nicht gesäet haben . Da ich einmal im Zug bin über die Geschichte deiner Aspendier zu moralisiren , so erlaube mir noch eine Bemerkung , die ich zwar schon hundertmal bei andern Gelegenheiten gemacht habe , die aber hier nöthig ist , um der vorbelobten Göttin nicht mehr Ehre zu geben als ihr gebührt . Es braucht gewöhnlich zu einer ungeheuern Masse von Narrheit und Albernheit nur ein einziges Körnchen Menschenverstand , und etwa noch , wenn du willst , ein kleines Tröpfchen Gutherzigkeit , um , wenn alles zusammengegohren hat , am Ende ein leidliches , ja wohl gar gutes Resultat herauszukriegen ; dafür würde aber auch ohne diese wenigen Zuthaten ganz und gar nichts Taugliches herausgekommen seyn . So ist z.B. an dieser ganzen Aspendischen Geschichte nichts Verständiges als der Einfall des Arztes Praxagoras , die Ursache des Wahnsinns des jungen Menschen zum Mittel seiner Genesung zu machen . Ohne diesen gescheidten Einfall würde wahrscheinlich zuletzt die ganze wohlvornehme Sippschaft des ehrsamen Charidemus um ihr bißchen Verstand gekommen seyn . Aber gleichwohl , was hätte der gute Gedanke frommen können , wenn die schöne Lais sich nicht in einem raschen Anfall von Gutherzigkeit entschlossen hätte , dem Uebel abzuhelfen , bevor sie noch das Mittel dazu in Ueberlegung genommen hatte . Dem sey indessen wie ihm wolle , vergiß mir ja nicht , liebe Laiska , die prächtige Trinkschale des Aspendiers mit nach Aegina zu nehmen . Ich muß daraus auf die Gesundheit aller gescheidten Leute trinken , die durch schöne Weiber zu Narren , und aller Narren die durch kluge Weiber gescheidt werden . Wie groß wohl die Anzahl der letztern gegen die erstern seyn mag ? - Das soll uns den Stoff zu einem Tischgespräch geben , woraus sich zur Noth ein Gegenstück zu Platons Symposion drechseln ließe . Ernsthaft gesprochen , muß ich gestehen , daß dieser neue Zwitter von Philosophie und Poesie , von seiner glänzenden Seite betrachtet , die Lobsprüche verdient , die du ihm in der Entzückung des ersten Genusses ertheilt hast . Neuheit der Erfindung , Reichthum des Stoffs , Schönheit der Form , angenehm abwechselnde Mannichfaltigkeit der Unterhaltung , sinnreiche Allegorien , zum Theil ( wie die vom Ursprung des Eros aus der verstohlnen Umarmung des Porus und der Penia ) in Milesische Mährchen121 eingekleidet , feiner Atticism des scherzenden und edle Würde des ernsten Tons ; zu allem diesem ( mit wenigen Ausnahmen ) eine große Zierlichkeit der Sprache , und ein Rhythmus , den ich , in allem was nicht gesungen werden soll , dem Metrischen in mancherlei Rücksicht vorziehe , dieß alles ist bisher , wohl in keinem Werke dieser Art in einem so hohen Grade vereinigt gesehen worden , und Protagoras , Gorgias , ja Prodikus selbst , haben hier ihren Meister gefunden . Ob ich gleich nie glauben werde , daß Plato ( wie er von einigen beschuldigt wird ) des lächerlichen Uebermuths fähig sey , durch seine Dialogen den alten Homer verdrängen zu wollen : so sehe ich doch , daß er , vom Geist einer edeln Ruhmbegier angeweht , der Welt in diesem Symposion zeigen wollte , daß er die Geheimnisse der Composition und Darstellung nicht weniger in seiner Gewalt habe , als die Kunstgriffe der Rhetorik und Dialektik ; daß seine Phantasie fruchtbar genug sey , ihn mit einer Menge neuer Erfindungen , Bilder und Gedanken aller Art zu versehen ; mit Einem Worte , daß es nur auf seinen Willen ankomme , ein eben so großer Redner und Dichter als scharfsinniger Sophist und subtiler Begriffespalter zu seyn . Auch kann ich