. Er ist ein schöner , feuriger Mann , mit ganzer Seele Schauspieler , und bekundet dies durch lebhaften Vortrag jeder Weise , durch dichterische Ausdrücke , die ihm für alles zur Hand sind . Er macht den tiefsten Eindruck auf die damals zwölfjährige Maria , sie setzt sich oft auf die Treppe , damit sie ihn beim Weggehen sieht , sie ist ungewöhnlich bewegt , wenn er ein leichtes , scherzendes Wort an sie richtet , oder wohl gar , wie man mit einem kleinen Mädchen zu tun pflegt , ihr die Locken , die Wange streichelt . Es vergehen mehrere Jahre , die in der Stille mit aufwachsende Neigung Marias wird durch nichts unterbrochen , sie ist überglücklich und außer Gewohnheit lustig , wenn die Tante , Madame Joao , sie mit ins Theater nimmt . Eines Nachmittags beim Kaffee sagt Herr Jaspis halb scherzend zu ihr , ob sie nicht Lust habe , selbst Komödie zu spielen , sie sei jetzt beinahe fünfzehn Jahre und ein erwachsenes , schönes Mädchen . Wie ein Blitzstrahl zünden die Worte , Tränen stürzen Marien aus den Augen sie fällt der Tante um den Hals und bittet sie , beschwört sie um Erlaubnis , aufs Theater zu gehen . Die überraschte Tante , welche auf die Herzensbewegungen des Mädchens nicht so sorgfältig acht gegeben hatte , sagt ja , Maria meldet sich , Jaspis studiert ihr ein Paar Rollen ein , das Mädchen wogt in Glück und Bewegung , sie küßt ihm die Hand , man findet , daß sie eine geborene Schauspielerin sei . Sie tritt auf ; das wunderbare Mädchen , mit dem unwiderstehlichen tiefsten Ausdrucke des Auges , mit dem feinen , schönen Körper , mit den zarten , halb verschämten , halb herausdrängenden Bewegungen , mit einer Stimme , worin die Seele selber klingt , macht Furore . Nun erst wird Jaspis aufmerksam , er rechnet alles zueinander , und sieht es nun erst , daß eine tiefe Neigung für ihn existiere . Es rührt ihn , und bei der nächsten Begegnung nimmt er Maria in den Arm und küßt sie auf die Stirne - das Mädchen erbebt und zittert am ganzen Leibe . Solche Szene wiederholt sich im Verlaufe der nächsten Zeit noch zweimal , Jaspis spricht aber nie ein erklärendes Wort dazu , noch weniger spricht er direkt etwas aus , was ein Verhältnis , ein Bündnis wünschen könnte ; die Tante dagegen , welche irgendwie etwas von dem Zustande geahnt haben mochte , warnt Marien ohne Rückhalt vor Jaspis , sagt , daß er nur zu geneigt sei , in Tändelei mit einem Mädchen einzugehen . Maria wird krank ; um diese Zeit ist Leopold im Hause der Witwe eingeführt worden . Sein einschmeichelndes , liebenswürdiges Wesen erwirbt ihm das größte Wohlwollen der Witwe , er überflügelt am Krankenbette der Kleinen mit leichter Mühe die materiellen Versuche der übrigen Ärzte , welche wie gewöhnlich nichts als ein körperliches Krankheitsschema vor Augen haben . Du weißt , er versteht es , in mystisch-poetischer Weise über das menschliche Herz zu sprechen , ihm ist jederzeit eine ganz scharmante ideale Welt zur Hand , wenn ein sinniges Frauenzimmer danach verlangt , kurz , er poetisiert Marien gesund , und mit der gefällig unterstützenden Witwe ist er bald Verlobter des liebenswürdigen Mädchens . Das geht so eine Weile , aber beim Komödienspiel bleibt die neue Berührung mit Jaspis nicht aus ; der scheint zwar noch immer keine Lust zu haben nach einem eigenen ausgesprochenen Besitze , aber , wie das in der neidischen Menschenbrust immer geht , er will auch die Möglichkeit nicht abgeschnitten , er will auch Maria nicht als Eigentum eines anderen sehen . Das alte halbe Verhältnis wacht wieder auf , Leopold , der Wandelbare , läßt sich mancherlei kleine Seitenwege zuschulden kommen , die Tante endigt und schickt Maria nach Antwerpen , wo ein Engagement offen ist und sie vom Publikum mit Enthusiasmus empfangen wird . Stürmischen , unruhigen Herzens war sie angekommen , denn am Tore von Brüssel war Jaspis an ihren Wagenschlag getreten , hatte ihr die Hand hineingestreckt , ihr mit weicher Stimme Lebewohl gesagt , und zum erstenmal wenigstens die Bitte direkt an sie gerichtet , keinen andern zu heiraten . Aber der Verkehr mit der großen Menge wirft seine Nebel auf das Herz , der allgemeine Beifall ist ein natürlicher Feind der halb Liebenden ; Maria gewann eine unbefangene Stimmung , Leopold , der nach Antwerpen kam und sich um die Stellung eines Theaterarztes und Theaterdichters bewarb , kam ihr ganz angenehm , sie unterstützte sein Gesuch , sie verschaffte ihm den Kontrakt . Er war so weich , so innig , so poetisch ; auch von Lob und Enthusiasmus umgeben , braucht man ein Herz , das an unserm Eigensten , Innersten teilnimmt . Du weißt , wie verführerisch Leopold sein kann , Maria fühlte in Antwerpen mehr als in Brüssel , wieviel Mißliches das Alleinstehen eines Mädchens hat . Jaspis ließ nicht das mindeste von sich hören , kurz , Leopold eroberte ihre Hand und ein tüchtiges , herzliches Wohlwollen mit ihr . Sie umarmte ihn oft plötzlich mit den Worten : » Du bist doch mein herziger , lieber Mann . « So ging ' s eine Zeitlang aufs beste , da plagt den Kleinen die alte Sucht nach Bewegung und Unruhe , eine beißende Kritik sämtlicher Schauspieler drucken zu lassen ; diese erklären allesamt und geharnischt der Direktion , nicht mehr aufzutreten , wenn Leopold in Verbindung mit dem Theater bliebe . Sie muß sich zur Entlassung Leopolds entschließen . Maria sendet natürlich auch die ihrige , und alle Welt erwartet , dieser enthusiastisch geliebte Liebling des Publikums könne nicht entlassen werden ; die Direktion ist in größter Verlegenheit , aber die Schauspieler bestehen energisch auf ihrem Entschlusse , es wird auch Marien die Entlassung zugeschickt . Nun sammeln sich die Freunde des Paares , die äußerst zahlreich sind , de größte Teil des Theaterpublikums